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Haus Penzlin

Obj.-Dok.-Nr.: 09075411
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Podbielskiallee
Hausnummer: 28
Strasse: Hellriegelstraße
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wohnhaus & Garten
Datierung: 1929-1930
Entwurf: Salvisberg, Otto Rudolf (Architekt)
Bauherr: Penzlin, Erich (Kaufmann)
Ausführung: Hermann Schäler (Baugeschäft)

Einen bedeutenden Vertreter der Neuen Sachlichkeit stellt das an der Podbielskiallee 28, Ecke Hellriegelstraße gelegene Haus Penzlin dar. Das ehemals zweigeschossige Gebäude mit flach geneigtem Walmdach und Fassade aus Cannstatter Travertin wurde 1928-30 für den Kaufmann Dr. Erich Penzlin als vornehmes Einzelwohnhaus errichtet. Es gehört zu den herausragenden Bauwerken des renommierten Architekten Otto Rudolf Salvisberg in Berlin. (1) Mit der Winkelform wählte er einen Grundriss, der sich mit der Entwicklung des großbürgerlichen Einfamilienhauses im beginnenden 20. Jahrhundert durchgesetzt hatte. Im Erdgeschoss des Hauptflügels an der Podbielskiallee lagen ursprünglich die repräsentativen Wohnräume, darüber die Schlafzimmer.

Im niedrigeren Nebenflügel an der Hellriegelstraße waren die Wirtschaftsräume untergebracht. Hier befindet sich auch der durch eine Pergola betonte Eingang. Formal stellt das Haus eine Weiterentwicklung des Wohnhauses im Sinne der Versachlichung dar: Der aus zwei quaderförmigen Baukörpern zusammengesetzte und ursprünglich mit knappen, sehr flachen Walmdächern versehene Baukörper vermittelt den Eindruck äußerster Strenge und Präzision, verbunden mit einer für den Stil des Architekten typischen Eleganz. Diese entsteht zum einen durch die Naturstein-Fassadenbekleidung - zum anderen durch die knappe Form der Baukuben mit exakt in die Hausecken eingepassten Kastenfallrohren und durch die Betonung der Horizontale anhand von bündig mit den Außenwänden abschließenden Fensterbändern.

Ein weiter Dachüberstand und ein den Hauptbaukörper umschließendes vordachartiges Gurtband runden den Eindruck ab. Hervorzuheben ist auch die stimmige Einfriedung aus verputzter Ziegelmauer bzw. Mauersockel mit Drahtgitterrahmen, die ebenfalls von Salvisberg entworfen wurde. Auffällig ist die von den umgebenden Bauten abweichende Lage des Hauses dicht an der Straße: Es liegt nicht mehr im Garten, sondern es umgibt ihn, fasst ihn ein, grenzt ihn gegenüber der nahe gerückten Außenwelt ab. (2) Das Einfamilienhaus wurde in der Nachkriegszeit vom amerikanischen Sender AFN genutzt; 1981-82 erfolgte unter Wahrung des äußeren Erscheinungsbildes ein Umbau zum Mehrfamilienhaus, bei einem erneuten Umbau 2009 wurde die Form des Daches durch Aufstockung leider verändert.

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(1) Zu den bekanntesten Berliner Werken des überregional agierenden Schweitzer Architekten Otto Rudolf Salvisberg (1882-1940) gehören das Haus Flechtheim 1927-28, Wohnbauten der Großsiedlungen Onkel-Toms-Hütte 1926-32 und der Weißen Stadt 1929-31. Vgl. Denkmaltopographien Grunewald 1993 und Reinickendorf 1987. Siehe auch Lichtenstein 1985.

(2) Lichtenstein 1985, S. 154.

Literatur:
  • Salvisberg, O.R. - Die andere Moderne, Ausstellungskatalog, Zürich 1985 / Seite 154 (Bauzeitangaben nicht ganz korrekt)
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 114
  • BusB IV C 1975 / Seite 221 (Bauzeitangaben nicht ganz korrekt)
  • Moderne Bauformen 30 (1931) / Seite 475 f.