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Haus Cramer

Obj.-Dok.-Nr.: 09075400
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Pacelliallee
Hausnummer: 18
Strasse: Im Dol
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Einfamilienhaus & Landhaus
Datierung: 1912-1913
Entwurf: Muthesius, Hermann (Architekt)
Bauherr: Cramer, Hans (Kaufmann)

Das Eckgrundstück Pacelliallee 18, Im Dol, wird von Haus Cramer, einem der bekanntesten Werke von Hermann Muthesius geprägt. (1) Mit seinen Bruchsteinmauerwerkfassaden aus Rüdersdorfer Kalkstein und seinen in Anklängen an Bauformen der Renaissance entworfenen Giebeln, Ausluchten und Balkonstützen gehört es zu den eindrucksvollsten großen Landhäusern in Dahlem. Der im Getreidehandel tätige Kaufmann Hans Cramer ließ es 1912-13 auf einem 4.100 Quadratmeter großen Grundstück erbauen. Maßgeblich für die Position des Hauses auf dem Grundstück und damit auch für seine Wirkung im Stadtraum waren zwei Überlegungen Muthesius`. Zum einen stellte er es auf eine gegenüber dem restlichen Grundstück erhöhte Terrasse oder Plattform, deren Stützmauern er wie die Fassaden verkleiden ließ und mit einer Pergola umgab. Zum anderen platzierte er das Haus nahe an der nordöstlichen Grundstücksgrenze, abgewandt vom Nachbarn. Diese wohl durchdachte Positionierung ermöglichte die ideale Ausrichtung der Repräsentations- und Wohnräume nach Osten, Süden und Westen. Zudem ergab sie die optimale Ausnutzung der auf den Baukörper bezogenen, streng architektonisch gegliederten Freiflächen. Diese finden durch unmittelbares Angrenzen an den Messelpark im Osten eine wundervolle Erweiterung im Sinne eines Landschaftsgartens. Muthesius` Leitbild für das im Grundriss klar gegliederte dreiteilige Gebäude ist das Thema der Durchdringung von Baukörpern und Räumen. Sein Äußeres wird von zwei gleichberechtigten, sich kreuzenden Bauteilen mit an der Eingangsseite seitlich anschließendem, untergeordnetem Wirtschaftstrakt bestimmt. Die an Dächern und Giebeln erkennbaren Achsen spiegeln die Raumdisposition des Inneren wieder, wo sich in West-Ost-Richtung die hinter dem Eingang und dem ovalen Vorraum anschließende lang gestreckte Halle - mit der inzwischen zugewachsenen Aussicht in den Messelpark - und die nord-südliche Raumfolge von Speise- und Empfangszimmer mit Ausblick auf Südterrasse und Ballspielplatz durchdringen. Die individuelle Anordnung eines über 30 Quadratmeter großen Kinderspielzimmers im Erdgeschoss neben den Repräsentationsräumen geht auf Empfehlungen von Muthesius zurück. (2) Das an dieser Stelle dem herkömmlichen Kanon nach eigentlich zu erwartende Herrenzimmer liegt hingegen an der Ostseite des Obergeschosses. Ebenso ungewöhnlich ist der Einbau einer über dem Wirtschaftstrakt befindlichen Turnhalle.

Anfang der 1930er Jahre, rund 20 Jahre nach Bezug des Hauses, verließ auch die zum Christentum konvertierte Familie Cramer wegen ihrer jüdischen Abstammung Deutschland und emigrierte in die USA. Nach einer Gasexplosion in den 1950er Jahren blieb das Haus lange Zeit Ruine und war dem Verfall preisgegeben. Der drohende Abriss wurde auf Intervention des bekannten Architekturkritikers Julius Posener abgewendet. Das bedeutende Landhaus konnte in den 1970er Jahren - innen teilweise verändert - wiederaufgebaut werden. Seitdem dient es als Außenstelle der Stanford University. (3)

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(1) BusB IV C, S. 97, Nr. 1616 mit weiteren Literaturangaben.

(2) Muthesius 1925.

(3) Der Senator für Bau- und Wohnungswesen - Landeskonservator (Hrsg.), Berlin-Dahlem, Pacelliallee 18-20, Wiederaufbau eines Landhauses von Hermann Muthesius, Berlin 1978.

Literatur:
  • Hermann Muthesius, Ausstellungskatalog, 1977 / Seite S. 90 (Bauzeitangabe dort fehlerhaft)
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 192
  • BusB IV C 1975 / Seite S. 96f. (Bauzeitangabe dort fehlerhaft) - dort weitere Literaturangaben
  • Weber/ Kleine Baugeschichte Zehlendorfs, 1972 / Seite S. 57
  • Der Senator für Bau- und Wohnungswesen: Berlin-Dahlem Pacelliallee 18-20. Wiederaufbau eines Landhauses von Hermann Muthesius, 3/77Wasmuths Monatshefte für Baukunst 2 (1915/16) / Seite 45ff.
  • Muthesius, Hermann: Landhäuser : ausgeführte Bauten mit Grundrissen, Gartenplänen und Erläuterungen, München 1922 / Seite 85f.