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Villa Stauss

Obj.-Dok.-Nr.: 09075399
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Pacelliallee
Hausnummer: 14
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Villa
Datierung: 1913-1914
Bauherr: Stauss, Emil Georg von (Bankdirektor)
Entwurf: Cremer und Wolffenstein (Architekt)

Das ...Haus Stauss in der Pacelliallee 14 (Abb. 139, Liste Nr. 150) war von 1949-91 Residenz der amerikanischen Stadtkommandanten in Berlin.768 Anschließend als Repräsentanz des Außenministers der Bundesrepublik Deutschland genutzt, kam das Anwesen 2009 wieder in Privatbesitz. Errichtet wurde das Haus 1913- 14 für den Direktor und Vorstand der Deutschen Bank und Diskonto- Gesellschaft Berlin, den Industrie-Präsidenten und Senator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Dr. Dr. Emil Georg von Stauss.769 Die renommierten Architekten Cremer & Wolffenstein stellten das Haus in die Nordwestecke des großen, trapezförmigen Grundstücks und erreichten damit die größtmögliche Ausnutzung des von außen her kaum einsehbaren, im Norden von der Bernadottestraße begrenzten Gartens. Die Anlage des Hauses, ein winkelförmiger Bau mit Turm in der Mittelachse, vermittelt das Bild eines vornehmen Landsitzes. Der Besucher wird durch die zwei Flügel gleichsam mit geöffneten Armen empfangen, ein Motiv, das formal in der Nachfolge von Muthesius` Haus Freudenberg steht. Bei der Fassadengestaltung des "Landschlösschens" (Willy Lange) orientierten sich Cremer & Wolffenstein in ihrer typischen Formensprache jedoch an Vorbildern von Renaissance und Barock. Dafür sprechen das Mansarddach, der turmartige Mittelrisalit, die Putzfassade mit Bänderung aus bossiertem Sandstein, das steingefasste Portal, die steinernen Fenstergewände, die gartenseitige Säulenloggia und dekorative Details. Sprossenfenster mit Rautenteilung der Oberlichter waren ein beliebtes Motiv der Architekten. Zeitgenössische Anregungen - die Rückbesinnung auf die handwerklichen Traditionen der Zeit um 1800 oder die Entwicklung des modernen Landhauses - sind hier auf sehr individuelle Weise überzeugend miteinander verwoben. Die rustizierten Pfeiler der Stabgittereinfriedung nehmen das Thema der Fassade feinsinnig auf. Über seitliche Tore wird eine leicht ansteigende bogenförmige Vorfahrt mit Balustrade erschlossen, die wiederum Erinnerungen an barocke Landsitze wachruft. Der von der Straßenseite gegebene erste Eindruck einer Zweiflügelanlage täuscht indes darüber hinweg, dass es sich um einen breiten Hauptbaukörper rechts mit schmalerem Wirtschaftstrakt links handelt. Diese Disposition bedingte eine ungewöhnliche seitliche Anordnung der Diele, die damit lediglich das Wohnzimmer, das Speisezimmer und, über eine zweiläufige Treppe, das Obergeschoss erschließt. Herrenzimmer, Damenzimmer und Bibliothek sind somit nur über das mittig im symmetrischen Haupttrakt gelegene Wohnzimmer zu erreichen. Ganz besondere Bedeutung kommt der in großen Teilen erhaltenen luxuriösen Innenausstattung zu, die dem begeisterten Kunstsammler von Stauss als würdiger Rahmen für eine wertvolle Sammlung diente. Aufwand und Qualität der Ausführung liegen weit über dem zeitgenössischen Durchschnitt. Entwurf und Ausführung erfolgten durch führende Kunsthandwerksbetriebe Berlins. Dies zeigen insbesondere die außerordentlich hochwertige wandfeste Innenausstattung der meisten Räume und das in Teilen erhaltene kostbare Mobiliar der Hofkunsttischler Kimbel & Friedrichsen.770 Das Haus Stauss gehört mit seiner vorzüglichen Architektur, seiner bedeutenden Innenausstattung und seiner hervorragenden Gartengestaltung als Gesamtkunstwerk zu den wenigen weitgehend erhaltenen, großartigen Zeugnissen der Berliner Kulturgeschichte.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite S. 99 (dort weitere Quellenangaben), Bauzeit nicht ganz korrekt
  • Gartenpläne von Willy Lange, hrsg. v. H. Hasler, Leipzig 1927 / Seite S. 147-149
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 194