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Wohnhaus Miquelstraße 66 & 68

Obj.-Dok.-Nr.: 09075395
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Miquelstraße
Hausnummer: 66 & 68
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus
Datierung: 1911-1912
Entwurf & Bauherr: Ahrends, Bruno (Architekt)
Ausführung: Friedrich Metzing (Baugeschäft)

Das Wohnhaus in der Miquelstraße 66/68 ist das erste eigenständige Werk des Berliner Architekten Bruno Ahrends. (1) Dieser hatte es 1911-12 als großzügiges Wohnhaus für sich und seine Familie gebaut, aber schon 1917 an den Bankier Dr. jur. Gustaf Ratjen vom Bankhaus Delbrück, Schickler & Co. veräußert. (2) Der junge Bruno Ahrends erwies sich bereits mit seinem Erstlingswerk den führenden Architekten seiner Zeit ebenbürtig. Wie diese entnahm er Anregungen aus den theoretischen Schriften von Hermann Muthesius, Friedrich Ostendorf und insbesondere Paul Mebes.

Das Wohnhaus liegt erhöht über dem Straßenniveau. Es erinnert mit seiner im englischen Verband gemauerten Backsteinfassade aus Rathenower Handstrichverblendern, den weiß gerahmten Sprossenfenstern, dem weißen Traufgesims und dem mächtigen, durch zwei Knickgiebel geprägten Mansarddach ein wenig an ländliche Gutshäuser Norddeutschlands und Hollands. Der grundsätzlich zurückhaltende Dekor beschränkt sich im Sinne von Mebes feinsinnig auf einige klassizistische Backsteinornamente wie Pilaster, Lisenen und Blendbögen. Das Portal wird dagegen betont durch eine Werksteinrahmung und ein radfensterartiges Oberlicht. Im Giebel befindet sich ein Rundfenster, das die Jahreszahl der Fertigstellung 1912 angibt. Das stimmig sich im Obergeschoss der Südostfassade einfügende Fensterband stammt von 1921, als Bruno Ahrends das Haus für Gustav Ratjen herrichtete und die dort befindliche offene Loggia dem dahinterliegenden Raum zuschlug. An der hinteren Gartenfassade entstand 1937 ein Anbau von Hermann Karpenstein. Der in den Grundzügen erhaltene, achsensymmetrische Grundriss wird von einer sich zum rückwärtigen Garten öffnenden Wohndiele dominiert. Neben den Repräsentations- und Gesellschaftsräumen befand sich auch ein Kinderspielzimmer im Erdgeschoss, wie in einigen großen Häusern Dahlems üblich. (3)

Von 1949 bis 1991 diente das Haus als Wohnsitz der Gesandten der US-Mission, seit 1996 steht es den Präsidenten des deutschen Bundestags als Amtsvilla zur Verfügung.

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(1) Schlüter-Karaalp, Sabine: Studien zum Werk des Berliner Architekten Bruno Ahrends (1878-1948), unveröff. Magisterarbeit am Institut für Geschichtswissenschaft, Fachgebiet Kunstgeschichte der TU Berlin 1991.

(2) 1921 baute sich Ahrends ein zweites Haus Am Großen Wannsee 6, das mit seiner sachlichen Gestaltung die Moderne der 1920er Jahre einleitet.

(3) Ebenerdige Kinderspielzimmer waren auch in den Häusern Cramer (Pacelliallee 18), Schwartzkopf (Peter-Lenné-Straße 7) und Heydenreich (Peter-Lenné-Straße 1) vorhanden.

Literatur:
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 110