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St.-Bernhard-Kirche (kath.)

Obj.-Dok.-Nr.: 09075368
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Königin-Luise-Straße
Hausnummer: 33
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche
Entwurf: 1932
Datierung: 1933-1934
Entwurf: Fahlbusch, Wilhelm (Architekt)
Ausführung: Boswau und Knauer (Bauausführungen)
Bauherr: Katholischer Kirchenvorstand Steglitz

Die Katholische St.-Bernhard-Kirche, Königin-Luise-Straße 33 wurde 1933-34 für die stetig gewachsene Zahl katholischer Einwohner in Dahlem errichtet. Der imposante moderne Backsteinbau, 1932-34 von Wilhelm Fahlbusch (1) entworfen, ist dem Mitbegründer des Zisterzienserordens, Bernhard von Clairvaux, geweiht. (2) Die Verdienste des Ordens um die Kolonisierung der Mark Brandenburg im 12. Jahrhundert zu würdigen und damit für den Katholizismus in Berlin die Anknüpfung an märkische Traditionen zu finden, war wohl eine der Intentionen, die sich in dem in seiner sachlich-schlichten Monumentalität eindrucksvollen Kirchenbau manifestiert. In der Diaspora im protestantischen Preußen war die Gründung des Bistums Berlin 1930 ein wichtiger Schritt, der bis 1940 mehrere Kirchenneubauten zur Folge hatte. (3)

Der kubische, mit roten Ziegelsteinen verblendete Stahlbetonbau ist in den Formen des Neuen Bauens ausgeführt, erinnert in seiner wuchtigen Architektur aber durchaus an die mittelalterlichen Backsteinbauten der Mark Brandenburg. Der mächtige rechteckige Turm an der Südseite mit kupferner Pyramidenkappe und Kreuz ist bis auf kleine schießschartenartige Fenster und die Rechteckausschnitte im Glockengeschoss ungegliedert und geschlossen, den einzigen Blickfang bildet die überlebensgroße Figur des Heiligen Bernhard von Otto Hitzberger in der südlichen Schallöffnung. Die Baukörper der fensterlosen Seitenschiffe, des Hauptschiffs mit schmalen hochrechteckigen Fenstern und des halbrunden Chores werden in gleicher Weise nur durch die lebhafte Oberfläche des roten Backsteins akzentuiert. Die Rechteckformen des Hauptportals und sämtlicher Tür- und Fensteröffnungen unterstreichen die strenge Gestaltung des Bauwerks. Der Innenraum ist als dreischiffige querhauslose Basilika mit in voller Raumhöhe halbrund geschlossenem Chor und flacher Decke gestaltet. Ein effektvoller Raumeindruck wird erzeugt durch den Kontrast zwischen den dämmrigen fensterlosen Seitenschiffen, dem etwas helleren Hauptschiff und dem lichtdurchfluteten Chorraum, der seitlich durch hohe, vom Schiff aus nicht sichtbare Lichtschlitze indirekt belichtet wird. Die Höhe und Weite des Raumes ermöglicht eine Dachkonstruktion, die mit unsichtbaren eisernen Dreiecksbindern Decke und Dachhaut trägt, und durch den Aufbau der Seitenschiffe, die vom Mittelschiff nur durch eine kräftige marmorverkleidete Stütze auf jeder Seite abgetrennt sind. Die kostbaren Materialien - grauer und dunkelroter Thüringischer Marmor als Wandverkleidungen, der weiße Marmor des wuchtigen Hauptaltars mit bronzenem Kruzifix, Sakramentsschrein und Engelsfiguren - und die künstlerische Qualität der Ausstattung tragen zur würdevoll sakralen Stimmung des modernen Kirchenraumes bei. (4)

Die St.-Bernhard-Kirche war im Dezember 1943 bei einem Bombenangriff schwer getroffen worden, dabei wurden die eiserne Dachkonstruktion des Mittelschiffs im Chorbereich und das westliche Seitenschiff stark beschädigt. Bereits 1946 ergänzte Wilhelm Fahlbusch den nördlichen Sakristeianbau um einen Saalbau, der bis zur Fertigstellung des Kirche als Notkapelle diente. Den in nur wenigen Details veränderten Wiederaufbau konnte der Architekt 1951-52 noch selbst durchführen. Bei späteren Renovierungsmaßnahmen 1965, 1983 und 2002 wurden nach und nach die farbigen Glasfenster, einige der Marmorverkleidungen sowie verschiedene Ausstattungsstücke neu geschaffen. Heute schließt unmittelbar an Sakristei und Saalbau ein 1983 errichteter Glasanbau an, der als Eingangs- und Verbindungstrakt zum ebenfalls von Fahlbusch 1934-35 erbauten und nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergestellten Pfarrhaus mit Garage dient. (5)

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(1) Wilhelm Fahlbusch (1877-1962) hat in Berlin auch die katholischen Kirchen St. Antonius in Oberschöneweide (1906-07), St. Michael in Wannsee (1926-27) und St. Salvator in Schmargendorf (1932-33) gebaut. Nach 1945 war er Mitglied der Bischöflichen Kunstkommission. Informationen zu Leben und Werk stammen von Johannes Gottfried Fahlbusch, dem jüngsten Sohn des Architekten. Vgl. BusB VI, S. 170 f., 181 f., 195 f., 387, 400, 407.

(2) Mit dem Ausbau Dahlems zum Villenvorort war der katholische Einwohneranteil auf annähernd 2.000 Mitglieder gestiegen. Seit 1923 wurden erste Gottesdienste in einem katholischen Entbindungsheim abgehalten, der erste Pfarrer der 1930 gebildeten Gemeinde war Hermann Joseph Gebhardt. Vgl. Stahl, Adolf: St.-Bernhardus-Kirche in Berlin-Dahlem. In: Deutsche Bauzeitung 68 (1934), S. 871-874; Streicher/Drave 1980, S. 300-301; BusB VI, S. 195 ff., 408.

(3) Im seit 1540 protestantischen Preußen hatte der Katholizismus seine Rolle erst im 18. Jahrhundert unter Friedrich II. erneut stärken können, 1719 erfolgte die öffentliche Wiederzulassung katholischer Gottesdienste, ab 1809 gehörte Berlin zum Bistum Breslau, 1821-1930 war Berlin Delegaturbezirk, Vorläufer der Diözese. Die 1746-73 erbaute St.-Hedwig-Kirche war bis 1860 die einzige Kirche der um 1850 rund 30.000 Katholiken in Berlin. Die Zuwanderung ab 1871 aus ganz Deutschland erhöhte diese Zahl weiter und machte den Neubau von Kirchen notwendig. Vgl. Streicher/Drave 1980; Englert, Kerstin: Kirchen zwischen 1933 und 1945. In: BusB VI, S. 195-206.

(4) Die Altarplastik stammt von Jacob Hübel, die Kreuzweg-Reliefs in den Seitenschiffen, von denen das fünfte ein Porträt des Architekten zeigt, wurden von Bildhauer Putz geschaffen und die Apostelleuchten wurden nach Entwurf Wilhelm Fahlbuschs gefertigt.

(5) Die völlig zerstörte Taufkapelle an der Westseite, die wie der Chor von seitlichen Lichtschlitzen indirekt belichtet und mit Marmor ausgekleidet war, wurde 1951/52 vereinfacht mit einem farbigen Glasfenster von Felix Senger und veränderter Ausstattung als Totengedächtniskapelle wiederhergestellt. Der Fußboden, ehemals aus grauem Marmor, wurde mit Terrazzo belegt. Die Rückwand des Altars ist originalgetreu erneuert, der Marmortisch konnte repariert werden. Die Glasfenster schuf Paul Corazolla 1983 und 2002 in abstrakt ornamentalem Stil neu. Zerstörte Marmorverkleidungen konnten 1983 in entsprechendem thüringischen Marmor erneuert werden.

Literatur:
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 128