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U-Bahnhof Dahlem Dorf mit Empfangsgebäude, Wartehäuschen

Obj.-Dok.-Nr.: 09075363
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Königin-Luise-Straße
Hausnummer: 46
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bahnhof (U) & Wartehäuschen
Datierung: 1912-1913
Entwurf: Hennings, Friedrich & Hennings, Wilhelm
Bauherr: Königliche Kommission zur Aufteilung der Domäne Dahlem

Dort, wo die 1909-13 angelegte Einschnittbahn von der Königin-Luise-Straße überspannt wird, liegt auf der südlichen Straßenseite der U-Bahnhof Dahlem-Dorf. Er besteht aus dem Brückenbauwerk über der Bahnlinie, dem Empfangsgebäude mit Vorplatz und dem im Einschnitt liegenden, überdachten Mittelbahnsteig. Dieser in seiner Gestaltung als Bauernhaus in Berlin einzigartige Bahnhofsbau einer U-Bahnlinie, der seine eigentliche Zweckbestimmung zu Gunsten einer Geschlossenheit des Ortsbildes verleugnet, steht für den romantischen Wunsch nach Wahrung des ländlichen Charakters im Dahlemer Dorfkern. Das funktional gegliederte Bahnhofsgebäude hatten die Architekten Friedrich und Wilhelm Hennings 1912-13 auf Wunsch Kaiser Wilhelms II. in seinem Äußeren als Fachwerkbau mit weißen Gefachen und abgewalmtem Reetdach einem Niederdeutschen Hallenhaus nachempfunden. (1) Im Dezember 1980 niedergebrannt, war es bald danach in seiner ursprünglichen Gestalt wieder aufgebaut worden. (2) Die steinernen Brüstungen der Straßenbrücke und das dem Bahnhof gegenüberliegende, auch reetgedeckte Wartehäuschen einer ehemaligen Straßenbahnhaltestelle, das heute einen Kiosk beherbergt, gehören ebenfalls zur Anlage. (3)

Trotz der für einen städtischen Verkehrsbau ungewöhnlichen Gestaltung und Materialwahl ist der Bahnhof Dahlem-Dorf, entsprechend den Anforderungen der Hochbahngesellschaft an die Stationen der Einschnittbahn, ausgesprochen zweckmäßig eingerichtet. Durch das weite Tor, die großzügige zentrale Halle und über die mehrfach abgestufte breite Treppenanlage gelangen auch größere Fahrgastströme reibungslos zum Bahnsteig. Die äußere Hülle in Form des Bauernhauses wie auch das rustikale Innere der ehemaligen Kassenhalle mit ihren blau und grün verfliesten Wänden, einer geschnitzten und bunt bemalten Holzdecke sowie einem Fußboden in Mosaikpflaster stören die Abläufe in dem technischen Bauwerk nicht; sie stellen aber einen bemerkenswerten Kontrast dar. Die behaglich-volkstümliche Atmosphäre des Bahnhofs wird unterstrichen durch die gedämpfte indirekte Beleuchtung unterhalb der Holzdecke und den bemalten hölzernen Deckenleuchter mit dem Flügelrad als Symbol für den Bahnverkehr ebenso wie durch den auf Holz gemalten Ortsplan von Dahlem im farbigen Holzrahmen an der Stirnwand über dem Treppenabgang. Die einstigen Schalter- und Diensträume seitlich der Kassenhalle werden heute von einem Café genutzt. Zu den erhaltenen Bauteilen aus der Entstehungszeit gehören die Arkadengänge mit hölzernen Brüstungen, die einst vom Bahnsteig zu Toilettenanlagen unter der Treppe führten, und die beiden Bahnsteighäuschen in Eisenfachwerk mit blauen Fliesen, die als Wetterschutz für Fahrgäste und Personal dienten. (4)

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(1) Bohle-Heintzenberg 1980, S. 134; Rach 1988, S. 73.

(2) Weber 1982, S. 97. Das Reet-Dach und die Bemalung im Inneren (von dem Dahlemer Maler Ludwig Bartning), die erst kurz zuvor restauriert worden waren, sind beim Wiederaufbau dem historischen Bestand gemäß rekonstruiert worden.

(3) Zur Straßenbahnlinie: Hilkenbach, Sigurd/Kramer, Wolfgang: 125 Jahre Straßenbahnen in Berlin, Düsseldorf 1990, S. 39. Ein weiteres Wartehäuschen stand ein Stück weiter östlich in der Königin-Luise-Straße an der Einmündung der Arnimallee. Ein Nachbau des kleinen Fachwerkgebäudes wurde im August 2009 aufgestellt. Vgl. Berliner Verkehrsblätter 2009, H. 10, S. 204; Straßenmöbel in Berlin 1983, S. 76 f.; BusB X B (1), S. 278, 295.

(4) Die Toiletten sind nicht mehr zugänglich, eines der Bahnsteighäuschen ist stark verändert.

Literatur:
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 90