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Villa Gelfertstraße 37 Hüttenweg

Obj.-Dok.-Nr.: 09075336
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Gelfertstraße
Hausnummer: 37
Strasse: Hüttenweg
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Villa
Datierung: 1927-1928
Bauherr: Konitzer, Alexander (Kaufmann)
Entwurf: Breslauer und Salinger (Architekt)
Ausführung: Clemens Baeseler (Baugeschäft)

In die Reihe der prachtvollen Wohnhäuser südwestlich des Thielparks gehört auch die Villa für den Kaufhausbesitzer Alexander Conitzer, die 1927-28 von der Architektengemeinschaft Alfred Breslauer und Paul Salinger in der Gelfertstraße 37 erbaut wurde. Das in seinem Äußeren herrschaftlich und traditionell gestaltete, jedoch in seinen Dimensionen vergleichsweise bescheiden wirkende Wohnhaus eröffnet im Inneren eine eindrucksvolle Großzügigkeit und eine raffinierte Funktionalität, die absolut auf der Höhe ihrer Entstehungszeit war. 1939 wurde der Verkauf der Villa als jüdisches Eigentum erzwungen, und sie gelangte in den Besitz von Ewald von Demandowsky, der als Generaldirektor der Tobis-Film GmbH und Reichsfilmdramaturg einer der führenden Köpfe im Filmgeschäft der NS-Zeit war. (1)Die architektonische Gestaltung des breit gelagerten Putzbaues knüpft mit dem hohen Mansarddach, den Eckquaderungen, den gleichmäßig gereihten Kreuzstockfenstern mit Klappläden und einer Gaubenreihe an preußische Herrenhäuser an. Trotzdem wird mit maßvollen Proportionen und einigen Details eher der Eindruck von verspielter Eleganz als von repräsentativer Strenge erzielt. Elemente, die das Haus würdevoll gediegen, nicht aber pompös erscheinen lassen, sind der dezent neobarocke Stil des Dekors an Haustür und Einfriedung sowie das Fehlen sonstigen Schmucks an der Straßenfassade. Auch der schlichte Giebelrisalit an der Gartenseite mit verglaster Loggia im Erdgeschoss und Terrasse darüber sowie eine qualitätsvolle handwerkliche Ausführung gehören dazu.

Das scheinbar eingeschossige Haus mit Sockel und Mansarddach erstreckt sich im Inneren über vier Etagen. Im Sockelgeschoss waren Portierswohnung, Lagerräume und Garage, im Erdgeschoss Wohn- und Gesellschaftsräume, Wintergarten und Küche, im ersten Dachgeschoss Schlaf- und Privaträume für den Hausherrn und für Gäste, im zweiten Dachgeschoss Zimmer für die Dienstboten untergebracht. Neben der kunstvollen architektonischen Gestaltung und der geschickten Grundrisseinteilung sind es vor allem erhaltene Ausstattungsdetails (Wandschränke, Holzvertäfelungen, Türen und Fenster) und technische Raffinessen wie ein Personenaufzug vom Keller- bis ins Dachgeschoss oder die versenkbare Glaswand der Loggia mit noch immer funktionierender originaler AEG-Technik, die das Gebäude einzigartig machen.

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(1) Über Ewald von Demandowsky und das Haus in der Gelfertstraße hat Hildegard Knef in ihrem Roman "Der geschenkte Gaul", Frankfurt/M.-Berlin-Wien 1972, S. 84 ff., geschrieben. Vgl. Balkow-Gölitzer u.a. 2006, S. 149 ff.

Literatur:
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 223