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Ev. Jesus-Christus-Kirche mit Pfarrhaus und Gemeindehaus

Obj.-Dok.-Nr.: 09075329,T
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Faradayweg
Hausnummer: 13
Strasse: Hittorfstraße
Hausnummer: 21 & 23
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche ev. & Pfarrhaus & Gemeindehaus
Entwurf: Bachmann, Jürgen Johannes (Architekt)
Ausführung: Boswau und Knauer (Bauausführungen)
Bauherr: Ev. Gemeindekirchenrat Berlin-Dahlem

Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus entstanden 1930-31 und 1936-37 auf einem weitläufigen Areal an der Straßenecke Faradayweg 13 und Hittorfstraße 21/23 nach Plänen des Dahlemer Architekten Jürgen Bachmann. Der Sakralbau gehört zu den besten Beispielen des neusachlichen Kirchenbaustils der 1920er/-30er Jahre innerhalb der evangelischen Gemeinden Berlins. Kennzeichen der neuen Richtung waren "eine hohe Funktionalität, eine landschaftsgebundene und auf die Umgebung bezogene Architektur (sowie ein) solides Bauen (...), ohne sich an Historismen allzu stark zu binden." (1)

In Dahlem vermochte es Bachmann, der einen engeren Wettbewerb (2) für sich entschieden hatte, die aus drei Gebäuden bestehende Bautengruppe geschickt in das leicht ansteigende Gelände einzufügen. Umgeben vom landschaftlich reizvollen Thielpark und repräsentativen Villen vermittelt das Bauensemble das Bild einer aufgelockerten Landhausbebauung. Hierfür versetzte Bachmann die Gebäude zueinander in ein axiales Bezugssystem, wobei mittig das längsrechteckige Kirchenschiff im Schnittpunkt der Bauachsen vom Pfarrhaus an der Hittorfstraße und vom Gemeindehaus am Faradayweg mit abgesetztem Campanile die Gruppe überragt. Zur Hittorfstraße, die hier geschwungen durch den Thielpark führt, öffnet sich die Saalkirche einladend mit einer Pfeilerhalle. Darüber betont die überlebensgroße Bronzestatue des segnenden Christus von Ludwig Isenbeck die Giebelfront. Mit steilem Satteldach und hellroter Ziegelverblendung nehmen Pfarrhaus und das erst 1937 fertig gestellte Gemeindehaus, proportional verkleinert, Material und Silhouette des Kirchenschiffes auf, wobei sogar das Motiv der Pfeilerhalle beim Gemeindehaus wiederkehrt. Im Inneren des Kirchenbaues, dessen Kriegsschäden bis 1951 behoben waren, beeindruckt die bis zu 22 Meter hohe hölzerne Lamellendecke, die das steile Satteldach nachformt und für eine ausgezeichnete Akustik sorgt. (3) Die abstrakte Farbverglasung der schmalen Seitenschiffe entwarf Goetz Loepelmann; sie ist erst 1961 eingebaut worden. Die ursprüngliche Kunstverglasung von Ludwig Bartning, einem Bruder des bekannten Kirchenbaumeisters Otto Bartning, ging im Krieg verloren. Die durchgängige Verwendung gleicher Materialien bei allen Gebäuden lässt die Vorstellung eines in sich geschlossenen Gemeindeforums entstehen. Zudem unterstützen die umfassenden Ziegelmauern und Treppen diesen Eindruck, wobei eine weit ausgreifende bogenförmige Mauer den Pfarrgarten umfasst und zum Thielpark abgrenzt. Die durch die umgebenden Freiräume aus dem städtischen Umfeld herausgehobene markante Gebäudegruppe bildet ein geistliches Zentrum innerhalb der Villenkolonie. Solidarischer, christlicher Gemeinschaftsgeist zeigte sich während der nationalsozialistischen Diktatur, als vom Dahlemer Pfarramt unter Leitung von Martin Niemöller der Widerstand gegen Gleichschaltung und Vereinnahmung durch die rassistische NS-Politik mitorganisiert wurde. Da die St.-Annen-Kirche in Dahlem-Dorf sich als zu klein erwies, fanden Predigten und Treffen der Bekennenden Kirche in der Jesus-Christus-Kirche am Faradayweg statt. (4)

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(1) BusB VI , S. 159.

(2) Bereits 1913 veranstaltete die Dahlemer Kirchengemeinde einen Wettbewerb für die 5.000 Quadratmeter große Bauparzelle, die ihr die Königliche Aufteilungskommission für das Domänengebiet zugewiesen hatte. Die Realisierung des preisgekrönten Entwurfs von Heinrich Straumer, eine hintereinandergereihte Baugruppe in historisierenden Formen, verhinderte jedoch der Erste Weltkrieg.

(3) Die Deckenkonstruktion entstand mithilfe des Akustikers Johannes Biele. Dank der hervorragenden Raumakustik wird der Kirchenraum auch als Tonstudio genutzt. Führende Orchester, Chöre, internationale Solisten und Dirigenten finden hier einen geeigneten Produktionsort.

(4) Kaak 1992/1, S. 141-159; Dahlemer Erinnerungsorte 2007, S. 77-116.

Literatur:
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 143
Teilobjekt Jesus-Christus-Kirche mit Pfarrhaus
Teil-Nr.: 09075329,T,001
Sachbegriff: Kirche & Pfarrhaus
Datierung: 1930-1931
Teilobjekt Gemeindehaus
Teil-Nr.: 09075329,T,002
Sachbegriff: Gemeindehaus
Datierung: 1936-1937