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Haus Bredow

Obj.-Dok.-Nr.: 09075326
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Englerallee
Hausnummer: 19
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus & Einfriedung
Datierung: 1923-1924
Umbau: 1928
Entwurf: Lassen, Heinz (Architekt)
Entwurf: Schweitzer, Heinrich (Architekt)
Bauherr: Bredow, Hans (Staatssekretär im Reichspostministerium)

In der Englerallee 19 setzt das Haus Bredow mit seiner ungewöhnlichen Einfriedung einen Akzent im Straßenbild. Das repräsentative Wohnhaus mit dunkelrot bis blauviolett schimmernden Klinkerfassaden, weißen Sprossenfenstern und hohem Walmdach wurde 1923-24 vom Schöneberger Stadtbaurat Heinz Lassen für den Kaufmann Willy Bredow erbaut. Ab 1927 war es Wohnsitz des Staatssekretärs im Reichspostministerium Dr. Hans Bredow, der als Rundfunkkommissar der Reichsrundfunkgesellschaft die Entwicklung des Rundfunks in der Weimarer Republik maßgeblich beeinflusste. Dieser führte das Grundstück 1929 mit den angrenzenden Parzellen in der Podbielskiallee 21 sowie Rohlfsstraße 18-22 zu einem ansehnlichen Besitz zusammen. Er ließ zudem das Wohnhaus von dem Dahlemer Architekten Heinrich Schweitzer unter Errichtung von Anbauten an der Südwestseite umgestalten. 1937 wurde das Grundstück wieder geteilt. Haus Bredow ging in den Besitz des Reichsluftfahrtministeriums über und wurde 1938 umgebaut zum Wohnsitz des kommandierenden Generals und Befehlshabers des Luftkreises III, dessen Kasernen in der Clayallee lagen. (1) Aus dieser Zeit stammen unter anderem der Anbau eines Vestibüls sowie eine von einer Stahl-Glas-Konstruktion überdachte halboffene Vorhalle. Diese und spätere Nutzungen, unter anderem als Institut der Technischen Universität bis 1983, führten zu einem weitgehenden Verlust der ursprünglichen Ausstattung der Innenräume. Gleichwohl gehört das heute als Bürohaus genutzte Gebäude zu den wichtigen baulichen Zeugnissen der Geschichte Dahlems.

Stilistisch ist es ein hervorragendes Beispiel für den Endpunkt in der typologischen Entwicklung des Landhauses. Mit seiner großen Halle, dem hohen überstehenden Dach und den kleinteiligen Fenstern steht das Haus noch in der auf Muthesius zurückgehenden Tradition des Landhauses der 1910er Jahre. Die flächige Behandlung der Außenwände und das an Stelle von Baudekor eingesetzte Farbspiel der scheinbar fugenlosen Ziegeloberflächen weisen das Haus hingegen als ein Werk der 1920er Jahre aus. Durch die Anwendung des gleichen Materials und der gleichen Farbigkeit setzt sich der Charakter des Hauses über die Vorhalle bis in die Einfriedung fort und bildet mit ihr eine im Straßenbild auffallende harmonische Einheit. Hervorzuheben ist die differenzierte Ausbildung der Einfriedung, die unmittelbar vor dem Eingangsbereich des Hauses als Mauer mit Rundbogenportal und Krone aus Zierverband ausgebildet ist, sich nach links in einen mannshohen Sockel mit Pfeilern und dazwischen gestelltem weißen Holzspalier auflöst und rechts in einen weißen Holzzaun mit niedrigem Klinkersockel und Pfosten mündet.

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(1) Später Nutzung als US-Headquarter, Clayallee 170/172.

Literatur:
  • Berliner Architekturwelt 17 (1915) / Seite 102
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite (Bauten von Lassen)
  • Rave, Knöfel/ Bauen seit 1900, 1968