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U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim mit Empfangsgebäude und Straßenbrücke

Obj.-Dok.-Nr.: 09075320
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Clayallee
Hausnummer: 223
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bahnhof (U)
Datierung: 1929-1930
Entwurf: Hennings, Friedrich (Architekt)
Bauherr: Berliner Nord-Süd-Bahn-AG

Nach der auf der anderen Straßenseite liegenden, 1912-14 erbauten "Krüppel-, Heil- und Erziehungsanstalt" wurde der nebenstehende U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim, Clayallee 223, benannt. (1) Die am Schnittpunkt der Linie mit der Clayallee errichtete Station gehört zur 1929 eröffneten Verlängerung der Dahlemer Schnellbahnlinie vom Bahnhof Thielplatz zum Bahnhof Krumme Lanke. Sie erschloss im offenen Einschnitt neben den Ausflugsgebieten um Krumme Lanke und Schlachtensee auch die neuen großen Siedlungsareale von Gehag und Gagfah beiderseits der Argentinischen Allee. (2)

Die Gestaltung des Empfangsgebäudes mit Schalterhalle lag in den Händen von Friedrich Hennings, der bereits 16 Jahre vorher - zusammen mit seinem Bruder Wilhelm - den U-Bahnhof Dahlem-Dorf entworfen hatte. An der Clayallee konnte Hennings sich allerdings entwurflich nicht auf eine umgebende Villen- oder Dorfbebauung beziehen. Der Bahnhof lag in einem unbebauten Gebiet, dicht umstellt von Grunewaldkiefern, die das Umfeld noch heute prägen. Hennings wählte eine ähnlich konservative Lösung wie in Dahlem-Dorf. Er verzichtete hier jedoch auf Reetdach und Fachwerk und ließ durch die Form des Empfangsgebäudes - ein breit gelagerter, giebelständiger Ziegelbau mit steilem Satteldach und Eingang in der Giebelfront - den Typus des niedersächsischen Bauernhauses anklingen. Breite Muschelkalkumrahmungen aller Türen und Fenster dienen der Versachlichung und verleihen dem öffentlichen Gebäude mehr Würde. Trotzdem ist der U-Bahnhof an der Clayallee - verglichen mit den zeitgleichen, modernen Funktionsbauten der U-Bahnhöfe Onkel-Toms-Hütte und Krumme Lanke von Alfred Grenander - eines der letzten Beispiele für eine bewusst traditionelle Entwurfshaltung gegenüber einem modernen Verkehrsbau. Sachlich ist dagegen die typisierte Ausstattung des Bahnsteigs. Hier haben sich die Y-förmige stählerne Stützenreihe der Bahnsteigüberdachung, die in dieser genieteten Konstruktion bereits 16 Jahre vorher für den ersten Bauabschnitt der Linie zur Anwendung kam, sowie einige Holzbänke erhalten.

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(1) Zur Eröffnung der Bahnverlängerungen 1. Flughafen-Tempelhof (Südring); 2. Stadion-Ruhleben; 3. Thielplatz-Krumme Lanke sowie der Bahnhofserweiterungen Bülowstraße und Nollendorfplatz am 22. Dezember 1929, S. 19, 21 f., 28 f.; Wedemeyer, Alfred: Die Verlängerung der Berliner Schnellbahn Thielplatz - Krumme Lanke. In: Deutsche Bauzeitung 64 (1930), Stadt und Siedlung, S. 27-30; BusB X B (1), S. 144, S. 73 f., Abb. 157 (dort weitere Literaturangaben); Bohle-Heintzenberg 1980, S. 153 f.

(2) In Höhe des Bahnhofs Onkel-Toms-Hütte lagen die im Bau befindlichen großen Siedlungskomplexe der Gehag (Waldsiedlung Zehlendorf) und der Gagfah, die der Sommerfeld-Konzern bis in die 1930er Jahre ausführte.

Literatur:
  • Bohle-Heintzenberg, Architektur der Hoch- und U-Bahn, 1980 / Seite S. 153 f.
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 243