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Wohnhaus & Ladenzeile Breitenbachplatz 10 & 12 & 14 & 16 & 18

Obj.-Dok.-Nr.: 09075314
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Breitenbachplatz
Hausnummer: 10 & 12 & 14 & 16 & 18
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnhaus & Ladenzeile
Datierung: 1929-1932
Entwurf: Firle, Otto & Radzig, Ferdinand (Architekt)

Das Platzbild maßgeblich bestimmende Wohn- und Geschäftshauszeile, Breitenbachplatz 10/18, setzt mit ihrem turmartig ausgebildeten sechsgeschossigen Bauteil in Nr. 10 einen städtebaulichen Akzent. Die aus fünf einheitlich gestalteten Häusern bestehende Wohnanlage springt dort in der Bauflucht zurück und folgt dem gekurvten Platzverlauf. Der durch den Rücksprung großzügig dimensionierte Bürgersteig ist durch Rasenbeete gegliedert, die von Betonrandsteinen eingefasst sind. Die Hauszeile wurde 1929-32 von Otto Firle und Ferdinand Radzig in Formen der Neuen Sachlichkeit erbaut. (1) Bauherren waren die beiden Architekten, der Kaufmann Arnold Radzig - ein Bruder des Architekten - und der Bauunternehmer Robert Döffner. Otto Firle unterhielt während der 1930er und -40er Jahre sein Architekturatelier im Dachgeschoss von Nr. 18.

Mit zwei Tiefgaragen, Läden im Erdgeschoss, großzügigen Viereinhalb-Zimmerwohnungen sowie hinter einer schmalen Terrasse zurückliegenden Atelierwohnungen in der dritten Etage gehört die Wohnanlage zu den fortschrittlichen Schöpfungen des Wohnungsbaus aus der Zeit der Weimarer Republik in Berlin. Sie hat hell geputzte Fassaden mit von rotbraunen Spaltklinkern feinsinnig gerahmten drei- bis vierteiligen Fenstern, Schaufensterfronten und - inzwischen teilweise veränderten - Eingängen. Ein Novum zur Bauzeit war die sachliche, durch flache Vor- und Rücksprünge rhythmisch gegliederte Gestaltung. Während die Läden in einer durchgehenden Ebene liegen, treten in den Wohngeschossen jeweils zwei Fensterachsenbreite Wandteile neben einachsigen zurück. Die sich so ergebenden "Erker" sind eine gelungene Übersetzung eines traditionellen Motivs des Mietshausbaus in die Formensprache des Neuen Bauens. Das darüber gelegte Gesims aus Spaltklinkern betont das Erkermotiv und bildet einen optischen Abschluss zu den zurückliegenden Atelierwohnungen mit ihren schmalen hohen, inzwischen abweichend vom Originalzustand modernisierten Fenstern. (2) Die Atelierwohnungen besitzen ferner zur Hoffront ausgerichtete, in das Walmdach eingeschnittene Dachterrassen. (3) Bemerkenswert sind ferner die durch waagerechte Stuckbänder im Stil des Art déco gegliederten Flure hinter den sachlich-eleganten Hauseingängen. Ein dekoratives Detail stellen auch die hölzernen Garagentore mit Relief aus Rautenformen dar. Bei dem Haus Nr. 14 ist noch ein originaler Schriftzug "Garage" über der Zufahrt erhalten geblieben.

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(1) Otto Firle (1889-1966), Architekt und Gebrauchsgrafiker, baute seit den 1920er Jahren Geschäftshäuser, Landhäuser und Wohnanlagen in und außerhalb von Berlin. Von ihm stammen z.B. das Haus der Nordstern-Lebensversicherung am Fehrbelliner Platz 2 von 1933-35 und das Hauptgebäude der Dresdner Bank in Düsseldorf von 1951-53. Ferdinand Radzig ist hingegen weitgehend unbekannt geblieben.

(2) Die Fenster schnitten ursprünglich in das Walmdach ein und waren mit Rollläden versehen.

(3) Die Dachterrasse war ein Thema, das Otto Firle besonders verfolgte. 1922-23 war in der Budapester Straße 6 gar ein "Landhaus auf dem Dach" entstanden. Vgl. BusB IV C, Nr. 1801.

Literatur:
  • 100 Berliner Bauten der Weimarer Republik, 1977 / Seite S. 34
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 94
  • Weber/ Kleine Baugeschichte Zehlendorfs, 1970 / Seite S. 56