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S-Bahnhof Nikolassee

Obj.-Dok.-Nr.: 09075235
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Nikolassee
Strasse: Hohenzollernplatz
Hausnummer: 6
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Bahnhof (S)
Datierung: 1901-1902
Entwurf: Vogler, Paul (Architekt)
Bauherr: Heimstätten AG

Eingangstor zur Villenkolonie Nikolassee und zugleich einer ihrer städtebaulichen Bezugspunkte ist der S-Bahnhof Nikolassee, Hohenzollernplatz 6. Das Gebäude wurde 1901-02 von Paul Vogler im Auftrag der HAG für den neu eingerichteten Haltepunkt an der Kreuzung von Stadtbahn (heute S 7) und Wannseebahn (heute S 1 und 2) erbaut.(1) Der Bahnhof war bei seiner Eröffnung am 1. Mai 1902 - als weithin sichtbare Landmarke im noch völlig unbebauten Waldgebiet - eines der ersten realisierten Gebäude und bildete die Voraussetzung für die weitere Besiedlung des Terrains.

In seiner ländlichen Backstein-Architektur markierte der Bau den Übergang zwischen Großstadt und Villenvorort. Das zweigeschossige Gebäude, dessen Sockel und sämtliche Gliederungselemente in rotem Ziegelmauerwerk einen reizvollen Kontrast zu den hell verputzten Wandflächen bilden, ist im neogotischen Stil gestaltet. Mit seinem hohen Walmdach, den Ziergiebeln, Zinnen und Vorbauten sowie dem Turm mit spitzem Helm und Balkonen erinnert der Bahnhof an mittelalterliche Wehrbauten. Er strahlt damit jene Solidität und Gediegenheit aus, die die HAG auch für ihr Unternehmen beanspruchte. In ihren Werbekatalogen nahm das Stationsgebäude als "architektonisch hervorragendes Bauwerk" stets einen zentralen Platz ein - insbesondere für die von der HAG errichteten frühen Villen in Nikolassee fungierte es vielfach als stilistisches Vorbild.(2) Das Empfangsgebäude steht südöstlich der Bahngleise, die mit Mittelbahnsteigen und gusseisernen Stützen ausgestattet sind, und ist mit diesen durch einen Tunnel und glasgedeckte Treppenaufgänge verbunden.(3)

Der nördliche Verbindungssteg zwischen den beiden Bahnsteigen, der auch einen direkten Ausgang in Richtung Strandbad Wannsee bietet, kam 1934-36 hinzu. Mit dem Niedergang des S-Bahn-Verkehrs im Westteil Berlins nach dem Mauerbau wurde der Bahnhof stark vernachlässigt; er konnte erst nach Übernahme der S-Bahn durch den West-Berliner Senat 1984 umfassend renoviert werden.(4)

In der ursprünglich mit Glasursteinen, Ornamentfriesen und kunstvollen Leuchtern prächtig ausgestatteten Schalterhalle sind in die ehemaligen Räume für Fahrscheinverkauf, Toiletten, Gepäck und Dienstpersonal verschiedene Läden eingezogen.


1) Berliner Architekturwelt 5 (1903), S. 130 f., 140; Baugewerks-Zeitung 35 (1903), S. 1095 ff.; BusB X B (2), S. 65, 165; Finger 2009, S. 24 f., 116. In der Berliner Architekturwelt taucht in zwei Bildunterschriften als Architekt des Bahnhofs Fritz Brüning, Zehlendorf, auf, der 1901-03 in Zehlendorf bzw. Steglitz nachweisbar ist. Im ausführlichen Artikel zum Bahnhofsneubau in der Baugewerks-Zeitung wird allerdings nur Paul Vogler, Hausarchitekt der HAG, als Entwerfer genannt.

2) Verkaufskataloge der HAG 1901 ff.

3) Die Stützen der Bahnsteigdächer gehören noch zum frühen Typ der paarweise angeordneten gusseisernen Stützen in historisierenden Formen. Vgl. Tomisch, Jürgen: Die Berliner S-Bahn, Verpflichtung und Problem für die Denkmalpflege. In: Verloren, gefährdet, geschützt, Baudenkmale in Berlin, hrsg. v. Norbert Huse, Berlin 1989, S. 104. (4) Bley, Peter: Berliner S-Bahn, Berlin 1993 (1. Aufl. 1980), S. 43 ff. Im Jahr 2003 wurde darüber hinaus ein Treppenaufgang des nördlichen Verbindungsganges durch einen Aufzug ersetzt.