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Straßenbahndepot Friedrich-Wilhelm-Straße 17 & 18 & 19 Kaiserin-Augusta-Straße 76 & 77

Obj.-Dok.-Nr.: 09075208
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Friedrich-Wilhelm-Straße
Hausnummer: 17 & 18 & 19
Strasse: Kaiserin-Augusta-Straße
Hausnummer: 76 & 77
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Straßenbahndepot
Datierung: 1924-1925
Entwurf: Krämer, Jean (Architekt)
Ausführung: R. Guthmann
Bauherr: Berliner Straßenbahn-Betriebs-GmbH

Mit dem Straßenbahndepot in Tempelhof, Friedrich-Wilhelm-Straße 17-19 und Kaiserin-Augusta-Straße 76-77, schuf Jean Krämer 1924-25 ein Meisterwerk moderner Architektur und Ingenieurbaukunst. (1) Auf dem Grundstück befand sich seit 1875 das Depot der Großen Berliner Pferdeeisenbahn, aus der 1902 die Große Berliner Straßenbahn AG hervorging. In den 1920er Jahren begann die Straßenbahngesellschaft, ihre Depots durch große, möglichst stützenfreie Hallen zu ersetzen. Jean Krämer, der Hausarchitekt der Großen Berliner Straßenbahn AG, entwarf eine industriegemäße, äußerst eindrucksvolle Halle, die aus gewaltigen vollwandigen Stahlbindern konstruiert ist. Der markante, spitz zulaufende Tudorbogen zeigt, dass aus den ingenieurtechnischen Anforderungen heraus eine architektonisch ansprechende Form entwickelt wurde. Damit das Licht von allen Seiten in das Straßenbahndepot einfallen kann, bildete Krämer an den Längsseiten verglaste Dachgauben aus, die sich zwischen den Stahlbindern kielbogenartig nach oben wölben. Unter der weit gespannten, türkisgrün gestrichenen Hallenkonstruktion konnten einhundert Straßenbahnfahrzeuge gereinigt, repariert und gewartet werden. An den Längsseiten schließen sich schmale Seitenschiffe an, die ursprünglich Werkstätten enthielten. Die Rückwand der Halle, eingebunden in die Mietshausbebauung der Friedrich-Wilhelm-Straße, beeindruckt durch ihre kraftvolle Gestaltung. Mit dem gewaltigen Tudorbogen zeichnet sich die Hallenkonstruktion ab. Zwischen dem unteren Wandabschnitt, durch Putzstreifen linear gegliedert, und dem verglasten Bogenfeld ist eine von Gesimsen begrenzte, vertikal geteilte Fensterreihe eingeschoben. Die gegenüberliegende Einfahrtsseite enthielt sechzehn große Rechtecktore, die jedoch nach der Schließung des Straßenbahndepots 1961 größtenteils beseitigt wurden. Den vorgelagerten Hof an der Kaiserin-Augusta-Straße hat man 1972 bebaut. Die Straßenbahnhalle konnte 1997/98 einer neuen Nutzung zugeführt werden. (2) Als Markthalle beherbergt sie einen Verbrauchermarkt und eine Ladenstraße. Durch Einbau einer Zwischendecke wurde ein Parkdeck geschaffen.


(1) Osborn, Max: Jean Krämer, in: Neue Baukunst 2 (1926), Heft 18, S. 1-3, 8-11; Osborn, Max: Jean Krämer (= Neue Werkkunst), Berlin, Leipzig, Wien 1927, Tafeln 1-2; Osborn, Max/Kremer, Philipp: Bahnhofsbauten der Berliner Straßenbahn, Berlin 1928, S. 23, 25, 28; BusB X B (1), S. 232, 263; Tempelhof - Bauten, Straße, Plätze 1992, S. 41-42; Engel 1998.

(2) Der Umbau wurde 1997-98 nach Plänen des Architekten Jürgen Meißner durchgeführt.

Literatur:
  • BusB X B 1 1979 / Seite 231 f. & S. 263
  • Reclam Berlin / Seite 357 & 481
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 130ff.