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Druckenmüller/Krupp -Stahlbau

Obj.-Dok.-Nr.: 09075194,T
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Bergholzstraße
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 4
Strasse: Gottlieb-Dunkel-Straße
Hausnummer: 50 & 52
Strasse: Tempelhofer Weg
Hausnummer: 14 & 15 & 16 & 17 & 18 & 19 & 20 & 21 & 22 & 23 & 24 & 25 & 26 & 27 & 28 & 29 & 30 & 31 & 32
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Fabrikanlage

Über die Teilestraße sind der Abzweig Neukölln der Stadtautobahn und die Gleisverbindung zwischen dem Güterbahnhof Teltowkanal und der Ringbahn hinweggeführt. An der Kreuzung mit der Gottlieb-Dunkel-Straße geht die Teilestraße in die Bergholzstraße über, die als Sackgasse endet. Auf dem Grundstück Bergholzstraße 1-4, Gottlieb-Dunkel-Straße 50-52 und Tempelhofer Weg 14-32 ließ sich 1907 die A. Druckenmüller GmbH nieder. (1) Der 1865 von August Druckenmüller gegründete Betrieb, der zeitweise 800 Arbeiter beschäftigte, gehörte zu den drei großen Stahlbauunternehmen, (2) die am Teltowkanal ihren Montageplatz unterhielten und dort Stahlkonstruktionen für Straßen- und Eisenbahnbrücken sowie Hallenüberdachungen aller Art fertigten. Nach dem Ersten Weltkrieg erlangte der Stahlskelettbau eine große Bedeutung. 1911 erwarb die Friedrich Krupp AG in Essen die Mehrheit an der A. Druckenmüller GmbH, um sich in der Baubranche einen Absatzmarkt für Kruppstahl zu sichern. Der Betrieb, 1929 umbenannt in Krupp-Druckenmüller GmbH, zuletzt Krupp Stahlbau GmbH, montierte ingenieurtechnisch herausragende Stahlkonstruktionen, zum Beispiel die Hangar- und Flugsteigdächer des Flughafens Tempelhof (1935/36), die Ausstellungshalle der Neuen Nationalgalerie (1965), das Dachtragwerk des Internationalen Congress Centrums (1970) und die Überdachung der Radsporthalle an der Landsberger Allee (1995/96). Die Krupp Stahlbau GmbH wurde 2001 geschlossen und aufgelöst. Die auf dem abgeräumten Gelände noch vorhandenen Bauten erinnern an die einstige Bedeutung des Stahlbauunternehmens, das zu den größten der Branche gehörte. Die bauliche Disposition mit einem Ladesteg am Teltowkanal, zwei Montagehallen, verbunden durch eine imposante Kranbahn, die über den Werkhof führt, und den Nebengebäuden, die an der Bergholzstraße angeordnet sind, geht auf Emil Schütze zurück, der 1908 die erste Bebauung entwarf. Die Stabeisenhalle wurde 1911 errichtet und 1928 bis zur Gottlieb-Dunkel-Straße verlängert. Über die weiträumige Halle, die in ihrer ganzen Länge von einer Kranbahn durchfahren wird, spannen sich filigrane Stahlfachwerkbinder, die das mit quer gestellten Oberlichtraupen versehene Dach tragen. Beachtung verdient die Fassade an der Gottlieb-Dunkel-Straße. Über dem Backsteinsockel ist eine beeindruckende Glasfront ausgebildet, die durch Stahlrahmen und zwei dreiseitig vorspringende Erker gegliedert wird. Der Fassadenaufbau ist funktional begründet, denn die Erker zeigen an, wo die Schienen der Kranbahn auf die Wände treffen. Die Montagehalle an der Ostseite des Werkhofs stammt im Kern noch aus dem Jahr 1908, wurde aber mehrfach verlängert und umgebaut. Das östlich anschließende Grundstück, das in den Bezirk Neukölln hineinragt, kam 1925 zum Werksgelände dazu. Zwei Backsteinbauten flankieren die Zufahrt an der Bergholzstraße. Das Verwaltungsgebäude nördlich der Grundstückseinfahrt wurde 1908 erbaut und 1910 sowie 1921 aufgestockt. Das ansatzweise noch sichtbare Walmdach hat man in der Nachkriegszeit durch eine flach gedeckte, zweigeschossige Aufstockung ersetzt. Ähnlich kompliziert verlief die Baugeschichte des Kantinen- und Verwaltungsgebäudes südlich der Einfahrt. (3) Das schmucklose viergeschossige Gebäude mit Flachdach erhielt 1928 sein heutiges Aussehen. Im Zweiten Weltkrieg beteiligte sich die Krupp-Druckenmüller GmbH an der Rüstungsproduktion. Rudolf Wander errichtete 1939 auf dem östlichen Grundstücksteil die an den Tempelhofer Weg angrenzende U-Boot-Montagehalle, in der Metallteile für U-Boote geschweißt und montiert wurden. Mit der Backsteinumkleidung, den langen, rechteckigen Fensterbahnen und dem gebrochenen Dach ähnelt das Gebäude der 1911-12 von Peter Behrens erbauten AEG-Montagehalle für Großmaschinen an der Hussitenstraße.


(1) Tempelhof und seine Industrie 2000, S. 93-104.

(2) Neben der A. Druckenmüller GmbH hatten am Teltowkanal die Firmen Steffens & Nölle sowie G. E. Dellschau ihre Niederlassungen, siehe Tempelhof und seine Industrie 2000, S. 83-110.

(3) Das Gebäude wurde 1908 erbaut, 1921 und 1928 aufgestockt und dabei äußerlich vollkommen verändert.

Literatur:
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 147f.
Teilobjekt Stabeisenhalle mit Erweiterungsbauten
Teil-Nr.: 09075194,T,001
Sachbegriff: Lagerhalle
Datierung: 1911
Umbau: 1928 & 1932-1933 & 1936 & 1938 & 1939
Entwurf: Wander, Rudolf
Ausführung: Held und Francke AG (Großbauunternehmen)
Ausführung: Elbe und Ludwig
Bauherr & Ausführung: Krupp-Druckenmüller-GmbH
Teilobjekt Stahlbauhallen I und II
Teil-Nr.: 09075194,T,002
Sachbegriff: Werkhalle & Montagehalle
Datierung: 1908
Umbau: 1928
Teilobjekt U-Boot-Halle
Teil-Nr.: 09075194,T,003
Sachbegriff: Fabrikhalle
Datierung: 1939
Entwurf: Wander, Rudolf (Architekt)
Teilobjekt Bürogebäude
Teil-Nr.: 09075194,T,004
Sachbegriff: Bürogebäude
Datierung: 1908
Umbau: 1910 & 1921
Ausführung: Reichhelm, Max (Architekt)
Ausführung: Reiche (Maurerpolier)
Ausführung: Held und Francke AG (Baugeschäft)
Ausführung: C. Gumm
Teilobjekt Kantine
Teil-Nr.: 09075194,T,005
Sachbegriff: Kantine
Datierung: 1908
Umbau: 1921 & 1928
Ausführung: Reichhelm, Max (Architekt)
Ausführung: Reiche (Maurerpolier)
Bauherr & Ausführung: Druckenmüller GmbH