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Sowjetische Botschaft (Botschaft der Russischen Föderation)

Obj.-Dok.-Nr.: 09075006
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Unter den Linden
Hausnummer: 55 & 57 & 59 & 61 & 63 & 65
Strasse: Behrenstraße
Hausnummer: 66 & 67
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Botschaft & Wohnhaus & Schule
Datierung: 1949-1951
Entwurf: Stryshewski, Anatoli Jakowlewitsch (Architekt)
Entwurf: Kollektiv Lebedinskij, Sichert, F. Skujin
Ausführung: Kollektiv A. P. Sirin, W. A. Buschkowski, N. F. Worobjow
Bauherr: Regierung der Sowjetunion

Die Sowjetische Botschaft - heute Botschaft der Russischen Förderation -, Unter den Linden 55/65, wurde 1949-51 auf dem Grundstück der kriegszerstörten Russischen Botschaft erbaut. Unter Hinzunahme der angrenzenden Parzellen, unter anderem des Hotels Bristol, und mit der Überbauung der Kleinen Mauerstraße entstand ein Gebäudekomplex, der sich mit Verwaltungsräumen und Beamtenwohnungen bis zur Behrenstraße ausdehnt. Für Entwurfsplanung und Ausführung waren der Chefarchitekt des Außenministeriums der UdSSR, Anatoli Stryshewski, und das Kollektiv Lebedinskij, Sichert und Skujin verantwortlich. Dieser erste Neubau im westlichen Abschnitt der Linden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, in Nachbarschaft der zerstörten ehemaligen Botschaften Frankreichs, Englands und Amerikas, war bei der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 im Rohbau fertig gestellt. Die Sowjetunion erkannte den neuen Staat bereits am 15. Oktober 1949 an und versuchte, trotz eingeschränkter Souveränität des deutschen Teilstaates und Wiedervereinigungsrethorik, durch strikte Beachtung der neuen Staatlichkeit seine äußere Legitimation zu stärken. Zu diesem Zweck nahm die DDR diplomatische Beziehungen auch mit anderen sozialistischen Ländern auf. (1)

Architektonisch stellt der Botschaftspalast Manifest und Auftakt der Architektur des "sozialistischen Realismus" in der DDR dar. Der imposante stalinistische Bau vertrat die zeitgenössische sowjetische Architektur im neu entstehenden Stadtbild Berlins an prominenter Stelle äußerst wirkungsvoll. Das viergeschossige Gebäude nimmt im Anschluss an die Nachbarbauten die durch das Lindenstatut festgelegte Bauflucht und Traufhöhe auf, durchbricht beide jedoch mit dem großen Ehrenhof und dem turmartig erhöhten, von einer quadratischen Laterne bekrönten Mittelteil. Das hohe Sockelgeschoss mit Rustikaquaderung, die Bänderung der Gebäudeecken und die über drei Geschosse reichende Kolossalordnung mit kannelierten Halbsäulen geben den werksteinverkleideten Fassaden eine machtvolle Wirkung. Neben vier Sandsteinfiguren am Turmaufsatz gehören Hoheitszeichen der Sowjetunion wie im Relieffries über dem Hauptportal - Hammer und Sichel im Ehrenkranz, flankiert von den Flaggen der Sowjetstaaten - zum sparsamen plastischen Schmuck an den sonst streng gegliederten Fassadenflächen. Im Inneren liegen die aufwändig gestalteten Repräsentationsräume - Kuppelhalle, Haupttreppenhaus und Festsaal - hintereinander in der Hauptachse. Wandvertäfelungen, Stuckdecken, Parkettfußböden und Säulenordnungen greifen neoklassizistische Formen auf.

Die Gartenanlage im Ehrenhof der Botschaft wird zur Straße hin abgegrenzt von einem hohen schmiedeeisernen Zaun, der von symmetrisch angeordneten Pförtnerhäuschen flankiert wird. Die innerhalb der hufeisenförmigen Vorfahrt gelegene Fläche ist mit Rasen begrünt und wird von niedrigen Ligusterhecken und Rosenbeeten gerahmt. Eine Lindenreihe bildet den Abschluss zu Zaun und Straße. Durch den Ehrenhof wird die Fassade entlang der Straße verlängert, der zentrale Mittelteil wird eindrucksvoll zur Geltung gebracht. Die Bepflanzung belebt die strenge Architektur.


(1) Vgl. Staritz 1985, S. 37.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 184
  • BusB III 1966 / Seite 120, 122
  • Abrassimow, Pjotr, Das Haus Unter den Linden, Dresden 1978 / Seite 109 f, 132f.
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 283-285