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Denkmale in Berlin

Siedlung Ceciliengärten

Obj.-Dok.-Nr.: 09066419
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Schöneberg
Strasse: Ceciliengärten
Hausnummer: 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10 & 11 & 12 & 13 & 14 & 15 & 16 & 17 & 18 & 19 & 20 & 21 & 22 & 23 & 24 & 25 & 26 & 27 & 28 & & 29 & 30 & 31 & 32 & 33 & 34 & 35 & 36 & 37 & 38 & 39 & 40 & 41 & 42 & 43 & 44 & 45 & 46 & 47 & 48 & 49 & 50 & 51 & 52 & 53
Strasse: Baumeisterstraße
Hausnummer: 4 & 5 & 6 & 7 & 8
Strasse: Rubensstraße
Hausnummer: 14 & 16 & 18 & 20 & 22 & 24 & 26 & 28 & 30 & 32 & 34 & 36 & 38 & 40 & 42 & 44 & 46 & 48 & 50
Strasse: Semperstraße
Hausnummer: 2
Strasse: Sponholzstraße
Hausnummer: 40 & 41
Strasse: Traegerstraße
Hausnummer: 2 & 3
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wohnhausgruppe & Siedlung
Literatur:
  • Wolf, Paul, Städtebau, Leipzig 1919 / Seite S. 169 - 173
  • Lassen, Heinz, Siedlung Ceciliengärten in Berlin-Schöneberg in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 47 (1927) 14 / Seite S. 457 - 460
  • Wedemeyer, A.: Die neuen Wohnhausbauten der Berliner Straßenbahn in
    Deutsche Bauzeitung 60 (1927) 23 / Seite 193-199
  • BusB IV A 1970 / Seite S 134, 136
  • BusB IV B 1974 / Seite S 462 - 465
  • Architekturführer Berlin, 1994 / Seite S. 251
  • Dr. Jacobs & Hübinger 2000 / Seite 10
  • Der Städtebau 21 (1937) 5 / Seite 67
  • Wedemeyer 1926 / Seite 198
  • Schade 2000 / Seite 3ff
  • Bloch 1990 / Seite 239ff
  • Berger 1990 / Seite 80, 92
  • Scheffler 1926 / Seite 297
  • Ethos und Pathos I, II, / Seite 96 ,443

Die Grünanlagen der Siedlung Ceciliengärten, Ceciliengärten 2-53 u.a., die 1924-28 von Albert Brodersen und Heinz Lassen vollendet wurden, zeugen noch von der Planung Paul Wolfs aus dem Jahr 1912. (1) Nach seiner Konzeption, mit der er Gartenstadtideen im innerstädtischen Bereich zu realisieren suchte, sollte hier ein ruhiges Wohnviertel für das gehobene Bürgertum mit einem "Zentralpark" und begrünten Hofanlagen entstehen. Ein heute am höchsten Geländepunkt gelegener angerartiger Stadtplatz erfuhr 1912 unter Einbeziehung des ehemaligen Willmannschen Gartens seine Gestaltung, wobei zunächst eine rahmende Promenade unter einer Rosskastanienallee ausgeführt wurde. (2)

Die lang gestreckte, nach Süden sich erweiternde Grünanlage, die in Nord-Süd-Richtung von der drei- bis viergeschossigen Blockrandbebauung mit drei in sich abgeschlossenen Höfen eingefasst wird, wurde bis 1990 wiederhergestellt. Von Norden und Süden ist der Zentralpark über eine Fahrstraße erreichbar, von Osten und Westen wird sie über breite Treppen für Fußgänger erschlossen. Die Wegeachsen der Anlage, die formal in der Tradition neobarocker Architekturgärten der Zeit nach 1900 steht, setzen sich in den Grünflächen fort, sodass drei Bereiche entstehen: Am nördlichen Ende befindet sich ein von einer Hecke eingefasster Kinderspielplatz; davor bildet inmitten eines achteckigen Platzes der 1912 von Max Esser geschaffene Fuchsbrunnen einen Blickpunkt für die Wegeachse mit der Westtreppe. Die Brunnenschale, deren Stele von einem bronzenen Fuchs mit gesenktem Kopf bekrönt wird, erhebt sich über einem gestuften achteckigen Podest, das wie der Brunnen aus Muschelkalk gearbeitet ist. (3)Einen weiteren gestalterischen Höhepunkt bildet im Süden ein formaler Platz mit einem großen ovalen Fontänenbecken, der über eine von Kalksteinkugeln flankierte Treppe betreten und nach Norden von einer Brüstungsmauer aus Kalkstein begrenzt wird. Vier Wege führen auf das Becken zu und verbinden sich mit dem inneren Promenadenweg, der von einer Buchenhecke eingefasst wird. Die große Fontäne bildet einen Point de vue sowohl für vier mit Bänken ausgestattete Heckenkabinette in den Platzecken als auch vom Fuchsbrunnen im Norden. Zwischen beiden Bereichen erstreckt sich das vertiefte, von einer Rosenrabatte gerahmte Rasenparterre, in dessen Längsachse seit 1990 wieder die zwei überlebensgroßen Bronzefiguren, die der Bildhauer Georg Kolbe 1925 schuf, aufgestellt sind. (4)

In der Straße Ceciliengärten betonen Säulenpappeln vorspringende Gebäudeecken. Die Struktur der geometrisch ausgebildeten Vorgärten mit abgerundeten Kunststeineinfassungen sowie die Beläge der Gehwege mit Betonplatten und Mosaikpflaster aus Kalkstein sind weitgehend erhalten; die Bepflanzung ist jedoch erneuert. (5) Die Höfe zeigen trotz baulicher Veränderungen in den 1960er Jahre noch interessante Details aus der Entstehungszeit, wie Pergolen, Kalksteinmauern, Treppenanlagen und die halbkreisförmige Pergola mit gemauerten Pfeilern im südöstlichen Hof; sie ist mit Blauregen berankt und rahmt einen Kinderspielplatz. Eine Besonderheit ist die hofseitige Terrasse vor der Eingangshalle (6) im nordöstlichen Hof, hinter der Stützmauer verbirgt sich ein Lagerraum. Auf Höhe des Hauses Rubensstraße 20 ist mit einer expressionistisch gestalteten Trennmauer im Hof ein besonderes Schmuckelement erhalten. Die durch horizontale Bänderungen und senkrechte Schlitze gegliederte Mauer aus roten Klinkern weist zwei seitliche Durchgänge auf. Die Mauerflächen sind an der Südseite jeweils mit einem Relief aus Sandstein, den Allegorien "Fischfang" und "Obsternte", geschmückt. Von einem ehemals frei stehenden Uhrenpfeiler in der Wandmitte ist nur der gestufte kreuzförmige Sockel mit Pflanzbeeten erhalten. Auch im südlichen Teil des Hofes sorgte einst ein Uhrenpfeiler für die Pünktlichkeit der Straßenbahner; von diesem ist ebenfalls nur der Sockel imnitten einer gepflasterten Fläche bewahrt. (7)

Mit der Architektur verbinden sich die Grünflächen zu einer einzigartigen Wohnanlage, die überwiegend in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild bewahrt ist und bis heute eine besondere Atmosphäre ausstrahlt. (8) Die Bauten der Siedlung Ceciliengärten, Ceciliengärten 2-53 u.a. entstanden zwischen 1924 und 1928 nach Entwurf von Heinz Lassen für zwei verschiedene Bauherren: Der Block nordöstlich der zentralen Grünanlage an Träger- und Rubensstraße wurde 1924-25 für die Gemeinnützige Heimstättenbau-Gesellschaft der Berliner Straßenbahn (später BVG) errichtet; die restlichen Häuser an der Westseite der Ceciliengärten und der südöstliche Block an Semper- und Rubensstraße wurden 1926-28 im Auftrag der Wohnstätten GmbH ausgeführt. (9) Trotz der unterschiedlichen Auftraggeber sind die Wohnhäuser mit dezent expressionistischen Schmuckelementen an Hauseingängen, Erkern und Wandreliefs weitgehend einheitlich gestaltet. Eine Besonderheit ist der hohe Torbau mit kupfernem Turmaufsatz an der Semperstraße, der den südlichen Abschluss der Straße Ceciliengärten bildet. (10) Die Realisierung der Siedlung steht im direkten Zusammenhang mit der Einführung der Hauszinssteuer, die zwischen 1924 und 1931 den öffentlich geförderten Wohnungsbau kräftig ankurbelte und auch in diesem Fall erst die Finanzierung ermöglichte, sowie mit dem Bemühen um die Linderung der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg. (11)

Darüber hinaus gehören die Ceciliengärten zu den Siedlungen der frühen 1920er Jahre in Berlin, die in ihrer Gestaltung noch nicht dem Neuen Bauen, sondern noch den Traditionen der Vorkriegszeit folgten, die aber dennoch zu den bedeutenden Bauleistungen der Weimarer Republik zählen.

Die drei- und viergeschossigen Zeilenbauten (12) fassen die zentrale Grünfläche in der Straße Ceciliengärten als Randbebauung ein und verleihen der Anlage einen wohnlichen Charakter. Die Häuser an der Ostseite bilden mit denen an der Rubensstraße großzügige Wohnhöfe; die westliche Zeile renzt mit ihrem schmalen Hofstreifen an die ältere Mietshausbebauung in der Sponholzstraße (13). Diese von Paul Wolf vorgegebene Struktur der Anlage nahm Heinz Lassen auf, die architektonische Gestaltung und die Ausstattung der Wohnungen passte er jedoch den in mehr als zehn Jahren geänderten Auffassungen an. Nur das Mietshaus Ceciliengärtenl, Ecke Trägerstraße, wurde um 1918 nach dem Entwurf von Wolf als Musterbau umgesetzt. Ursprünglich umfasste die Siedlung in beiden Teilen insgesamt 621 Wohnungen mit einem bis fünf Zimmern sowie Atelierwohnungen; die Ausstattung mit Diele, Kammer, Bad, Balkon und Erker war in allen Wohnungen gleich. Mit den Erkern schuf Heinz Lassen sowohl für die Wohnungen eine gewisse Großzügigkeit als auch Plastizität und Rhythmisierung für die hell geputzten Fassaden, die zudem durch Gesimse über und unter den Fenstern sowie dekorierte Eingänge gegliedert sind. Die Hauseingänge sind jeweils zwischen den Erkerachsen angeordnet und als zurückgesetzte, gegen die Witterung geschützte Nischen gestaltet. Reicher geometrischer und zum Teil figürlicher Stuckdekor mit terrakottafarbenem Anstrich kennzeichnet die Hauseingänge am Bauteil der Straßenbahner, schlichte Reliefs die Nischen in den übrigen Siedlungsteilen.


1) Albert Brodersen (1857-1930), Kgl. Gartenbaudirektor, Gartendirektor von Berlin (1910-25), seine Autorenschaft für die zentrale Grünanlage ist nicht gesichert. Vgl. Dr. Jacobs & Hübinger 2000, S. 10; Zu den Innenhöfen: Zuschreibung nach: Der Städtebau 21 (1937), Heft 5, S. 67; Wedemeyer 1926, S. 198. Für den Hof zwischen Ceciliengärten 17-21 und Sponholzstraße 40-41 existiert ein von Lassen 1924 signierter Entwurfsplan mit Detailzeichnungen in der Bauakte (1. Bd., Bl. 159, BA Tempelhof-Schöneberg). Eine Werbebroschüre der Boden-Aktiengesellschaft Berlin-Nord von 1912 zeigt schon Ansichten von zur Ausführung gekommenen Details der zentralen Grünanlace. Unklar ist der Anteil von Paul Wolf (1879-1957) an den Gestaltungsdetails.

2) Nach einer Englandreise Wolfs mit Stadtrat Licht 1911 wurde beschlossen, einen neuen Bebauungsplan aufzustellen und die Siedlung nun um eine zentrale Grünfläche zu konzipieren. Zuvor wurde der Baumbestand des vom Besitzer Willmann zur Verfügung gestellten Gartens aufgenommen, zahlreiche Bäume wurden erhalten. Vgl. Schade 2000, S. 3 ff.

3 )Zum Bildhauer Max Esser (1885-1943) vgl.: Bloch 1990, S. 239 f£, Ethos und Pathos I, S. 96 f, II, S. 443 f.; Schmitz 1934/35, S. 301 ff.

4) Die weiblichen Aktfiguren "Morgen", mit erhobenen Armen, und "Abend`, in gesenkter Armhaltung, wurden erst nach erheblichen Diskussionen in einer Berliner Kunstkommission zur Aufstellung freigegeben. Beanstandet wurden die Größe und die raue Oberflächenbehandlung. Die Figur "Morgen" stand noch zweimal Ende der 1920er Jahre im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Das Gipsmodell war 1927 im Kolbe-Raum in der Münchner Kunstausstellung und 1929 im deutschen Pavillon von Mies van der Rohe auf der Weltausstellung in Barcelona ausgestellt. Seit dessen Rekonstruktion 1986 befindet sich dort ein Bronzenachguss der Plastik. Vgl. Berger 1990, S. 80 f., 92; Scheffler 1926, S. 297. Zum Bildhauer Georg Kolbe (1877-1947) vgl. Ethos und Pathos I, S. 154-158, Il, S. 499.

5) Nicht erhalten sind die Fassadenberankung und die von Hecken umsäumten Rasenflächen der Vorgärten.

6) An Nord- und Südfront der Blocks sind die Hauseingänge als Hallen mit großen Bogenöffnungen zum begrünten Hof erweitert, die als Aufenthaltsräume für die Hausbewohner dienen.

7) Ab 1961 wurden Teilbereiche des nördlichen Hofes überfonnt und der südliche Uhrenpfeiler abgetragen.

8) Im Zweiten Weltkrieg wurden die Häuser Ceciliengärten 4-9 zerstört und in den 1950er Jahren vereinfacht wieder aufgebaut. Bei der umfassenden Sanierung 1987 wurden Fassaden, Dächer und Grünanlagen erneuert.

9) Diese Zweiteilung ist bis heute geblieben: Der Besitz der Straßenbahner (später BVG) gehört nach wie vor einer Wohnungsbaugesellschaft, während der Rest in Eigentumswohnungen umgewandelt wurde. Die Siedlung wurde nach der Kronprinzessin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin benannt. Vgl. Wolf, Paul: Städtebau, Leipzig 1919, S. 169-173 (Abb. 147-159); Die Wohnungsfürsorge der Berliner Straßenbahn, Berlin 1925, S. 12-19, Lassen, Wedemeyer, A.: Die neuen Wohnungsbauten der Berliner Straßenbahn. In: Deutsche Bauzeitung 60 (1926), Nr. 23, S. 193-199 (Abb. 1, 3-8); Heinz: Siedlung Ceciliengärten in Berlin-Schöneberg. In: Zentralblatt der Bauverwaltung 47 (1927), Nr. 14, S. 457-460; BusB IV A, S. 134, 136, 321 (Abb. 125, 219); BusB IV B, S. 462-465.

10) Im Turm hatte 1929-33 der Maler Hans Baluschek (1870-1935) sein Atelier.

11) Wedemeyer, A.: Die neuen Wohnungsbauten der Berliner Straßenbahn. In: Deutsche Bauzeitung 60 (1926), Nr. 23, S. 194 ff.

12) Das Gelände steigt von der Rubensstraße nach Westen steil an, deshalb sind die Häuser an der Rubensstraße viergeschossig, an den Ceciliengärten dreigeschossig. In den Innenhöfen ist der Höhenunterschied ausgeglichen, auch die jeweils um ein Geschoss höheren Eckbauten vermitteln zwischen den unterschiedlich hohen Zeilen. Vgl. Wedemeyer, A.: Die neuen Wohnungsbauten der Berliner Straßenbahn. In: Deutsche Bauzeitung 60 (1926), Nr. 23, S. 198.

13) Das Doppelhaus Sponholzstraße 40-41 gehört ebenfalls zur Siedlung Ceciliengärten.