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Gleimtunnel

Obj.-Dok.-Nr.: 09065204
Bezirk: Mitte & Pankow
Ortsteil: Wedding & Prenzlauer Berg
Strasse: Gleimstraße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Eisenbahnbrücke
Entwurf: 1903
Datierung: 1904
Umbau: 1908-1911
Entwurf: Zabinski (Bauingenieur)
Ausführung: Hein, Lehmann und Co.
Ausführung: Signalbauanstalt REI
Bauherr: Königliche Eisenbahndirektion

Die Gleimstraße unterquert mit dem Gleimtunnel das Eisenbahngelände der Nordbahn. Die 130 m lange Unterführung unter den Gleisen des Güterbahnhofs wurde 1903-04 angelegt, um eine direkte Verbindung zwischen den dicht besiedelten Stadtvierteln beiderseits der Nordbahn zu schaffen. Die im Prenzlauer Berg lebenden Arbeiter konnten über den Gleimtunnel schneller die Fabriken von AEG und Schwartzkopff in der Rosenthaler Vorstadt erreichen. Die ingenieurtechnische Konstruktion des Tunnels ist vollständig erhalten. Die Tunneldecke besteht aus einem zusammenhängenden Trägerrost, an das sich im Osten vier einzelne Gleisbrücken anschließen. Zwei Reihen gusseiserner Säulen stützen die Eisenträger. Das Modell für die Säulen wurde 1882 beim Bau der Stadtbahn entwickelt und bis in die Zeit um 1910 für Eisenbahnunterführungen benutzt. Die reiche Dekoration mit antikisierenden Motiven ist kein Selbstzweck, sondern reagiert auf die Erfordernisse der Statik. Zwischen dem korinthischen Korbkapitell und dem seitlich weit ausgreifenden Kopfstück mit ionischen Voluten ist ein Kugelgelenk ausgebildet, mit dem die Säule, statisch wirksam als Pendelstütze, Erschütterungen und Materialspannungen abfangen kann. Der kannelierte Schaft verjüngt sich nach oben und unten. Der Schaftring, verziert durch ein Flechtbandmuster, verstärkt genau die Stelle, an der die Knickbeanspruchung ihr Maximum erreicht. Durch den Gleimtunnel verlief die Sektorengrenze zwischen dem französischen und russischen Sektor Berlins. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde die Unterführung geschlossen. Der östliche Abschnitt war bis 1990 zugesetzt.

Literatur:
  • Joop, Heidrun/ Berliner Straßen, Beispiel Wedding, 1987 / Seite 105
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 109