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ehem. Grenzabfertigungshalle, "Tränenpalast"

Obj.-Dok.-Nr.: 09065041
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Reichstagufer
Hausnummer: 17
Strasse: Friedrichstraße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Grenzanlage
Datierung: 1961-1962
Umbau: 1974 & 1990
Entwurf: Lüderitz, Horst
Entwurf: Entwurfs- und Vermessungsbüro, Gruppe Hochbau der Deutschen Reichsbahn.
Entwurf: Entwurfs-und Vermessungsbüro der DR
Ausführung: Deutsche Reichsbahn
Bauherr: Deutsche Reichsbahn

Einen besonderen Status erhielt der Bahnhof Friedrichstraße als DDR-Grenzbahnhof von 1961 bis 1989. Von West-Berlin aus konnte man ihn über die Stadtbahn, die U-Bahnlinie 6 und die S-Bahnlinie 2 erreichen. Eine an den Bahnhof 1962 angefügte Grenzabfertigungshalle am Reichstagufer 17 ist als "Tränenpalast" in die deutsche Nachkriegsgeschichte eingegangen. Sie wurde nach Plänen eines Entwurfs- und Vermessungsbüros der Deutschen Reichsbahn auf dem Gelände vor dem nördlichen Eingang mit einem Verbindungsgang zum Bahnhof erbaut. Die Halle diente der Separierung der "Grenzübergangsstelle" vom normalen Bahnhofsbetrieb. Zugleich wurden durch weitere umfangreiche Baumaßnahmen im Bahnhof die West-Berliner S-Bahnlinien von den Ost-Berliner Linien getrennt. Der Pavillon knüpfte mit der Transparenz und Eleganz seiner freitragenden Stahl-Glas-Konstruktion, den Aluminium-Profilen und der Keramikverkleidung an die Standards der zeitgenössischen internationalen Architektur an, während er gleichzeitig seine tatsächliche Funktion verbarg. Die Konfrontation mit dem DDR-Grenzregime im Inneren hat den Grenzgängern schnell den wahren Kern dieser Architektur offenbart. Zweck des Gebäudes war es auch, die oft tränenreichen Abschiede von Freunden und Verwandten, die offen in der Bahnhofshalle stattfanden, vor unbeteiligten Passanten zu verbergen. Sie sollten nicht täglich neu an die Teilung der Stadt erinnert werden. Neben den erhaltenen Resten der Grenzmauer ist der "Tränenpalast" ein tief im Bewusstsein der Berliner Bevölkerung verankertes Dokument der deutschen Teilung. Der Verbindungsgang zum Bahnhof wurde nach der Grenzöffnung 1990 entfernt. Die Halle wird heute für kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 310 f.