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Französischer Dom

Obj.-Dok.-Nr.: 09065017
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Gendarmenmarkt
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche
Datierung: 1701-1705
Umbau: nach 1780
Umbau: um 1980
Entwurf: Gayard, Louis (Architekt)
Entwurf: Gontard, Carl Philipp Christian von

Die beiden Kirchenbauten waren die ersten Bauwerke auf dem "Mittelmarkt" der Friedrichstadt. (1) (...)

Glanzpunkt des hugenottischen Kirchenbaus in Berlin ist der Französische Dom, Gendarmenmarkt 5-6, der 1701 nach Plänen von Louis Gayard begonnen und nach dessen Tod von Abraham Quesnays vollendet wurde. Vorbild der 1705 eingeweihten Pfarrkirche für die in der Friedrichstadt angesiedelten Réfugies war die 1624 errichtete und 1688 zerstörte Hugenottenhauptkirche in Charenton. Der ursprüngliche querrechteckige Saalbau mit halbrunden Konchen wurde 1905 von Otto March im neobarocken Stil unter Beibehaltung der äußeren Gestalt erneuert. Kanzel und Altar von 1705 wurden an die Ostseite versetzt und der schmucklose Emporensaal barockisiert. Der neue Haupteingang, von der Südseite an die Westseite verlegt, erhielt einen dreiachsigen Mittelrisalit mit Pilastergliederung und Giebelbekrönung. (2) Drei Figurengruppen auf dem Giebel von Ernst Müller, George Morin und Martin Schauß versinnbildlichen hugenottisches Leben.

1773 hatte Friedrich II. beschlossen, den Gendarmenmarkt repräsentativ zu gestalten. Die Stall- und Kasernenbauten sowie die Hauptwache auf dem südlichen und westlichen Quartier konnten 1774, nachdem der Standort des Regiments der Gens d'armes in die Dorotheenstadt verlegt worden war, abgebrochen werden. Zunächst wurde 1774 zwischen den beiden Kirchen der erste Theaterbau, das Französische Komödienhaus von Johann Boumann d. Ä. und Georg Christian Unger, errichtet. 1775 begann die Umbauung des Platzes mit insgesamt zwanzig dreigeschossigen Immediatbauten nach Entwürfen von Unger. Als Attraktion für die Platzgestaltung ließ Friedrich II. 1780-85 nach Plänen von Karl von Gontard die Turmbauten des Deutschen und Französischen Doms aufführen. (3) Errichtet ohne eigentliche Funktion, hatten die Türme zu den namensgebenden Kirchen keine formale oder proportionale Beziehung. Die baugleichen Kuppeltürme, die einen großartigen Akzent innerhalb der Stadtsilhouette setzen, haben ihr städtebauliches und architektonisches Vorbild in den barocken Kuppelkirchen der Piazza del Popolo in Rom.

Die Turmbauten erheben sich über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes mit Säulenportiken, die den Bauwerken an drei Seiten als sechssäulige Tempelfronten korinthischer Ordnung vorgelegt sind. Hohe Eckpostamente vermitteln zum aufsteigenden Tambour, der jeweils von zwölf korinthischen Säulen eingefasst ist und über dem Balustradengebälk von einem steilen, kupfergedeckten Kuppeldach bekrönt wird. Die Kuppelfiguren der beiden Dome, Darstellungen der Tugend und der Religion, waren ursprünglich von Heinrich Friedrich Kambly in Kupfer getrieben und wurden 1985 von Achim Kühn neu geschaffen. Der reiche plastische Schmuck der Turmbauten zählt zu den bedeutendsten monumentalen Figurenprogrammen im deutschen protestantischen Kirchenbau des 18. Jahrhunderts. Der Entwurf für die Bauplastik am Deutschen Dom stammt von Christian Bernhard Rode, die Ausführung der mit Szenen aus der Pauluslegende geschmückten Giebelfelder dagegen oblag dem Bildhauer Constantin Philipp Sartori d. J. Das Bildprogramm am Französischen Dom entstand ebenfalls nach Zeichnungen von Rode unter Mitwirkung von Daniel Chodowiecki. Die Giebelfelder zeigen Szenen aus dem Leben Christi, Jesus und die Samariterin, die Bergpredigt und der Gang nach Emmaus. Sie wurden von dem Stuckateur Föhr geschaffen. Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg mussten die wertvollen Skulpturen aufwändig restauriert werden.

Der Wiederaufbau der Französischen Kirche 1978-83 folgte weitgehend dem Umbau von 1905, wobei durch Einziehen einer Zwischendecke der Innenraum in zwei Geschosse unterteilt und der Kirchenraum im Hauptgeschoss durch die Anlage einer doppelläufigen Freitreppe erschlossen wurde. Nach Einbau einer Treppenanlage im Turmschacht und eines offenen Umgangs als Aussichtsgeschoss wird der Turm der Kirche heute vom Hugenottenmuseum und als Restaurant genutzt. (...)


(1) Vgl. Demps 1988; Goralczyk 1987; Badstübner-Gröger 1988, S.142-166.

(2) Der Giebel an der Westseite trägt folgende Inschrift: "Gott zu Ehre. Der Gemeinde zum Segen. Unter dem Schutze der Hohenzollern. Erbaut 1705. Erneut 1905."

(3) Nach Einsturz des Turms der Deutschen Kirche 1781 erhielt Georg Christian Unger die Kontrolle über die Ausführung.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite S. 217 f.
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 321