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Deutscher Dom

Obj.-Dok.-Nr.: 09065016
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Gendarmenmarkt
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Kirche
Datierung: 1701-1708
Umbau: 1780
Umbau: 1881
Entwurf: Grünberg, Martin (Architekt)
Entwurf: Gontard, Carl Philipp Christian von (Architekt)
Ausführung: Simonetti, Giovanni

Die beiden Kirchenbauten waren die ersten Bauwerke auf dem "Mittelmarkt" der Friedrichstadt. (1) Der Deutsche Dom, Gendarmenmarkt 1-2, wurde nach Entwürfen von Martin Grünberg 1701-08 von Giovanni Simonetti als fünfseitiger Zentralbau mit fünf halbkreisförmigen Konchen und inneren Emporen ausgeführt und stellte eine Weiterentwicklung des holländisch beeinflussten Grundrisstyps der Berliner Parochialkirche dar. 1881-82 errichtete die Architektengemeinschaft Hermann von der Hude und Julius Hennicke über dem ursprünglichen Grundriss einen Neubau in neobarocken Formen mit gewölbtem Innenraum.

(...)

1773 hatte Friedrich II. beschlossen, den Gendarmenmarkt repräsentativ zu gestalten. Die Stall- und Kasernenbauten sowie die Hauptwache auf dem südlichen und westlichen Quartier konnten 1774, nachdem der Standort des Regiments der Gens d'armes in die Dorotheenstadt verlegt worden war, abgebrochen werden. Zunächst wurde 1774 zwischen den beiden Kirchen der erste Theaterbau, das Französische Komödienhaus von Johann Boumann d. Ä. und Georg Christian Unger, errichtet. 1775 begann die Umbauung des Platzes mit insgesamt zwanzig dreigeschossigen Immediatbauten nach Entwürfen von Unger. Als Attraktion für die Platzgestaltung ließ Friedrich II. 1780-85 nach Plänen von Karl von Gontard die Turmbauten des Deutschen und Französischen Doms aufführen. (2) Errichtet ohne eigentliche Funktion, hatten die Türme zu den namensgebenden Kirchen keine formale oder proportionale Beziehung. Die baugleichen Kuppeltürme, die einen großartigen Akzent innerhalb der Stadtsilhouette setzen, haben ihr städtebauliches und architektonisches Vorbild in den barocken Kuppelkirchen der Piazza del Popolo in Rom.

Die Turmbauten erheben sich über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes mit Säulenportiken, die den Bauwerken an drei Seiten als sechssäulige Tempelfronten korinthischer Ordnung vorgelegt sind. Hohe Eckpostamente vermitteln zum aufsteigenden Tambour, der jeweils von zwölf korinthischen Säulen eingefasst ist und über dem Balustradengebälk von einem steilen, kupfergedeckten Kuppeldach bekrönt wird. Die Kuppelfiguren der beiden Dome, Darstellungen der Tugend und der Religion, waren ursprünglich von Heinrich Friedrich Kambly in Kupfer getrieben und wurden 1985 von Achim Kühn neu geschaffen. Der reiche plastische Schmuck der Turmbauten zählt zu den bedeutendsten monumentalen Figurenprogrammen im deutschen protestantischen Kirchenbau des 18. Jahrhunderts. Der Entwurf für die Bauplastik am Deutschen Dom stammt von Christian Bernhard Rode, die Ausführung der mit Szenen aus der Pauluslegende geschmückten Giebelfelder dagegen oblag dem Bildhauer Constantin Philipp Sartori d. J. Das Bildprogramm am Französischen Dom entstand ebenfalls nach Zeichnungen von Rode unter Mitwirkung von Daniel Chodowiecki. Die Giebelfelder zeigen Szenen aus dem Leben Christi, Jesus und die Samariterin, die Bergpredigt und der Gang nach Emmaus. Sie wurden von dem Stuckateur Föhr geschaffen. Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg mussten die wertvollen Skulpturen aufwändig restauriert werden.

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Der 1983 begonnene Wiederaufbau der Deutschen Kirche war 1996 vollendet. Das im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Gebäude wurde nach der Vereinigung im Inneren in modernen Formen für die Ausstellung des Deutschen Bundestages "Bilder Deutscher Geschichte" ausgebaut.


(1) Vgl. Demps 1988; Goralczyk 1987; Badstübner-Gröger 1988, S.142-166.

(2) Nach Einsturz des Turms der Deutschen Kirche 1781 erhielt Georg Christian Unger die Kontrolle über die Ausführung.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite S. 217 f.
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 320 f.