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Postamt

Obj.-Dok.-Nr.: 09055122
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Tempelhof
Strasse: Tempelhofer Damm
Hausnummer: 171 & 173
Strasse: Theodor-Francke-Straße
Hausnummer: 10 & 11
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Post
Datierung: 1915-1917
Entwurf: Spalding, Otto
Ausführung: Hoffmann und Wüstenhagen (Postverwaltungsbehörde)
Bauherr: Kaiserliche Oberpostdirektion

Kurz nach dem Rathausentwurf von Bräuning erbaute Postbaurat Otto Spalding 1915-17 das Postamt, Tempelhofer Damm 171/173 und Theodor-Francke-Straße 10-11, auf einem Grundstück in der Nähe des geplanten Rathauses. Gemeindebaumeister Bräuning nahm Einfluss auf den Entwurf des Postgebäudes, um eine harmonische Einheit mit dem vorgesehenen Rathausbau zu garantieren. (1) Die zweiflügelige Anlage lässt Anklänge an die italienische Frührenaissance und den französischen Barock erkennen. Die zum Tempelhofer Damm gerichtete Hauptfront mit dem als Sockel gestalteten Erdgeschoss und der im Mittelteil über drei Geschosse aufragenden Kolossalordnung aus ionischen Pilastern und Säulen hat ihr Vorbild im Stadttheater Potsdam, 1793-98 von Carl Gotthard Langhans und Georg Friedrich Boumann errichtet. Die Geschosse sind durch eine subtile Differenzierung des Bauschmucks unterschiedlich betont. Das Erdgeschoss zeigt eine Streifenquaderung, in den Obergeschossen heben sich die architektonischen Gliederungen aus Sandstein von den rosafarbenen Wandflächen ab. Eine Attikabalustrade mit aufgesetzten Vasen, unterbrochen von einer Kartusche mit dem Reichsadler, akzentuiert den Mittelbereich. Der als Belvedere gestaltete Turm über dem Walmdach wurde 1957 beseitigt. Im Vorderflügel befanden sich die Schalterhalle und die Rohrpoststation, im einfacher gestalteten Seitenflügel an der Theodor-Francke-Straße die Hauptkasse sowie die Garagen. Die dreigeschossigen Seitentrakte werden von einem bis in den Hof reichenden Querflügel unterbrochen, der die Paketpost, den Zustellersaal und Fernmelderäume aufnahm. Dessen Attikageschoss ist in einem reduzierten Klassizismus gestaltet, das Portal dagegen ist eher dem Jugendstil zugehörig. Das Gewände ist mit Blumen- und Fruchtgirlanden, Eulen, Spechten und anderen Vögeln geschmückt. Auch der Nebeneingang wurde künstlerisch hervorgehoben. Das Tympanonrelief zeigt zwei Fasane, die auf einer Vase sitzen. Das Postamt wurde zuletzt 1986 restauriert und im Inneren umgestaltet. (2)


(1) BusB X B (4), S. 188; Jaeger, Falk: Posthorn & Reichsadler. Die historischen Postbauten in Berlin, Berlin 1987, S. 111-117. In den Bauakten liegt eine Pause des Rathausentwurfs mit skizzenhaft eingezeichneter Dachpartie des Postgebäudes. Bräuning strich ein vorgesehenes Satteldach mit überstehender Brandwand. 1915 reichte die Oberpostdirektion beim Bauamt eine entsprechende Nachtragszeichnung ein.

(2) Bei der Restaurierung 1986 wurde der 1937 in die Mittelachse verlegte Haupteingang der historischen Gestaltung angepasst. Die Attika erhielt die 1957 beseitigten Vasen zurück. Die Schalterhalle wurde modern ausgestaltet. Bereits 1952 und 1969 war die Schalterhalle im Stil der Zeit verändert worden.

Literatur:
  • BusB X B 4 1987 / Seite 65 und Abb. 116; 118;
  • Jaeger/ Posthorn und Reichsadler, 1987 / Seite 110-117
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 118