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Moltkebrücke

Obj.-Dok.-Nr.: 09050379
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Willy-Brandt-Straße & Alt-Moabit
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Brücke
Datierung: 1888-1891
Umbau: 1947 & 1986
Entwurf: Stahn, Otto (Architekt)
Entwurf: Bernhard, Karl (Architekt)
Bauherr: Magistrat von Berlin

Die Moltkebrücke zwischen der Willy-Brandt-Straße und Alt-Moabit verbindet das Regierungs- und Parlamentsviertel am Platz der Republik mit dem Moabiter Werder und dem Berliner Hauptbahnhof. (1) An dieser Stelle bestand seit 1851 eine einfache Holzbrücke, die 1864-65 durch eine schmiedeeiserne Bogenbrücke ersetzt wurde. (2) Die heutige steinerne Brücke ließ die Stadt Berlin 1888-91 unter der künstlerischen Leitung von Otto Stahn erbauen. Das prachtvolle Brückenbauwerk, benannt nach Helmuth von Moltke, dem Chef des Generalstabs der preußischen Armee, ist außerordentlich reich geschmückt. Die Bildwerke, Skulpturen und Kandelaber stammen von bedeutenden Bildhauern der wilhelminischen Ära. Die Ansichtsflächen, verblendet mit rotem Mainsandstein, und die Flusspfeiler, geschmückt mit aufgetürmten Trophäen und allegorischen Darstellungen, beziehen sich auf die militärischen Leistungen Moltkes. Die Eule, die vor Büchern und einer Landkarte hockt, verweist auf die Weisheit des Feldherrn, während der preußische Adler über erbeuteten Waffen den Sieg im Krieg gegen Frankreich symbolisiert. Diese Bildhauerarbeiten stammen von Johannes Boese. Carl Begas schuf die Schlusssteine der Brückenbögen, die mit Porträtköpfen versehen sind. An der Ostseite sieht man die Porträts von Moltke, Derfflinger und Blücher, an der Westseite erscheint abermals Moltke, umgeben von Köpfen römischer Feldherren. Von Carl Begas stammen auch die Bildhauerarbeiten der Brückenbalustrade. Über reich gegliederten Steinsockeln erheben sich acht Bronzekandelaber, deren Schäfte von Kindern in römischer Soldatenkleidung umstellt sind. An den Enden der Balustrade sitzen eindrucksvolle Greifen mit Wappenschilden, geschaffen von Carl Piper. (3) In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde die Moltkebrücke hart umkämpft, als die sowjetische Armee von Moabit her ihren verlustreichen Angriff auf den Reichstag begann. (4) Die kriegsbeschädigte Moltkebrücke konnte bereits 1947 wieder hergestellt werden. Der Bildschmuck wurde 1983-86 umfassend restauriert und ergänzt. (5)


(1) Fichtner, E.: Zur Baugeschichte der Moltke-Brücke. In: Der Bär 18 (1892), S. 212-222; BusB 1896, Bd. 1, S. 122, 154-155; Die Straßen-Brücken der Stadt Berlin. Hrsg. vom Magistrat der Stadt Berlin. Bd. 1. Berlin 1902, S. 30, 47, 73, 95, 96, 177-180, 206, 212; Wirth 1955, S. 236; Hoffmann, Andreas: Moltkebrücke. In: Geschichtslandschaft 1989, S. 176-181; Endlich/Wurlitzer 1990, S. 160; Weinland 1994, S. 189-190; Dehio Berlin 2000, S. 449.

(2) Die Holzbrücke wurde errichtet, um die Verbindungsbahn zum Hamburger Bahnhof zu führen. Die 1864-65 erbaute Brücke war die erste dreigelenkige Bogenfachwerkbrücke Deutschlands, siehe BusB 1877, Bd. 2, S. 40-42; Weinland 1994, S. 190. Sie diente zunächst dem Straßenverkehr und dem Eisenbahnverkehr der Verbindungsbahn. Im Zuge der Spreekanalisierung brach man sie 1887 für die heutige Moltkebrücke ab.

(3) Die vier Wappenschilde zeigen das Familienwappen Moltkes, das Wappen seiner Geburtstadt Parchim, das von Berlin und das von Preußen.

(4) Hoffmann, Andreas: Moltkebrücke. In: Geschichtslandschaft 1989, S. 176-181.

(5) Die Repliken zerstörter Skulpturen stammen von August Jäkel.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 236
  • Hoffmann, Andreas/ Moltkebrücke in
    Geschichtslandschaft, Tiergarten 1, 1989 / Seite 176-181
  • Weinland, Martina, Wasserbrücken in Berlin, Berlin 1994 / Seite WV Nr.64 (dort w. Lit)
  • N.N./ Berliner städtische Brückenbauten in
    Deutsche Bauzeitung 22 (1888) 48 / Seite 290
  • Pinkenburg/ Die Moltkebrücke in Berlin in
    Deutsche Bauzeitung 21 (1887) 7 / Seite 37-38, 41, 49-50
  • N.N./ Neubau der Moltke-Brücke in
    Deutsche Bauzeitung 23 (1889) 30 / Seite 180, 307, 426, 527, 549
  • Pinkenburg/ Baugeschichtliches von der Moltke-Brücke über die Spree in Berlin in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 11 (1891) / Seite 346-348
  • Katamon Exposé Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 111