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Rathaus Tiergarten

Obj.-Dok.-Nr.: 09050351
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Mathilde-Jacob-Platz
Hausnummer: 1
Strasse: Arminiusstraße
Hausnummer: 1 & 3 & 5
Strasse: Bremer Straße
Hausnummer: 1 & 2
Strasse: Jonasstraße
Hausnummer: 10 & 11
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Rathaus
Entwurf: 1935
Datierung: 1936-1937
Umbau: 1941 & 1952
Entwurf: Ermisch, Georg Friedrich Richard (Architekt)
Bauherr: Hochbauamt Tiergarten

Das mächtige Rathaus Tiergarten, Mathilde-Jacob-Platz 1, dominiert gegenüber der Heilandskirche den Stadtraum an der Turmstraße. (1) Der fünfgeschossige Baukomplex, der den gesamten Baublock zwischen Bremer Straße und Jonasstraße einnimmt, bildet mit der dahinter liegenden Arminius-Markthalle das städtische Zentrum Moabits. (2) Zur Turmstraße öffnet sich die Anlage raumgreifend mit einem Ehrenhof. Der Haupteingang wird mit einem Portikus hervorgehoben. Das Rathaus des 1920 gebildeten Bezirks Tiergarten, entworfen von Stadtbaudirektor Richard Ermisch, wurde 1936-37 während der nationalsozialistischen Herrschaft ausgeführt, was sich im Raumprogramm und im Grundriss niederschlug. (3) Nach der Einführung des "Führerprinzips" benötigte man nur noch Verwaltungsräume, während Räumlichkeiten für die kommunale Selbstverwaltung entfallen konnten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ließ der Bezirk Tiergarten 1952-53 den Bezirksverordnetensaal anfügen. (4) Das Gebäude zeigt mit dem steilen Walmdach, der Werksteinrahmung der Fenster in der Mittelachse, der Pfeilerarchitektur des Portikus und nicht zuletzt mit dem darüber liegenden Balkon, der an "Führerbalkone" der Partei- und Staatsbauten erinnert, typische Merkmale der nationalsozialistischen Repräsentationsarchitektur. Gleichwohl hielt sich Richard Ermisch an die sachliche, zwischen Tradition und Moderne stehende Architektur der 1920er Jahre. Auf jegliches theatralische Pathos wurde verzichtet. Die ambivalente Baugesinnung verdeutlicht zum Beispiel die filigrane Gestalt des schlichten Uhrenturms, der die Mittelachse betont. Das travertinverkleidete Foyer bildet mit seiner völlig verglasten Rückwand einen anschaulichen Kontrast zum massigen Außenbau.


(1) Delius, Hellmut: Entwurf zum Bezirksverwaltungsgebäude Tiergarten, Berlin. In: Bauamt und Gemeindebau 17 (1935), S. 271; Feierliche Grundsteinlegung des Rathausbaues für den Bezirk Tiergarten. In: Bauen-Siedeln-Wohnen 15 (1935), S. 392; Riedrich, Otto: Welche Bauaufgaben stehen der Stadt Berlin bevor? in: Die Bauzeitung 47 (1937), S. 381-382; Wirth 1955, S. 70-71; BusB III, S. 23, 56; Ermisch, Eberhard-Günther und Weber, Klaus Konrad: Richard Ermisch - Portrait eines Baumeisters. Berlin-München-Düsseldorf 1971, S. 44; Schäche 1991, S. 315-316; Donath 2004, S. 93-95.

(2) Der rückwärtige Teil des Westflügels wurde im Krieg zerstört. Die Wiederherstellungsarbeitern dauerten von 1948 bis 1951.

(3) Bis zum Rathausneubau 1937 war die Bezirksverwaltung sechzehn Jahre lang auf mehrere Standorte im Bezirk verteilt. Die Bezirksversammlung tagte im Friedrichs-Werderschen Gymnasium an der Bochumer Straße.

(4) Zu den Architekten des Bezirksverordnetensaals bestehen unterschiedliche Angaben. Wirth 1955, S. 70, nennt Karl Fritz, in BusB III, S. 56, sind die Architekten Franz Rogge und Oberbaurat Schumann vom Hochbauamt Tiergarten verzeichnet.

Literatur:
  • Inventar Tiergarten, 1955 / Seite 70-71
  • BusB III 1966 / Seite 22-23
  • Ermisch, Weber/ Richard Ermisch, 1971 / Seite 44
  • Schäche, Architektur, 1991 / Seite 315-318
  • Schmidt, H.P., Chronik des Bezirks Tiergarten, Berlin 1961 / Seite 15,53
  • Bauamt und Gemeindebau 17 (1935) / Seite 271
  • Bauen, Siedeln, Wohnen 15 (1935) / Seite 392
  • Bauwelt 26 (1935) / Seite 863
  • Die Baugilde 18 (1936) / Seite 102f.
  • Die Bauzeitung 34 (47) (1937) / Seite 381f.
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 261ff.