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Sowjetisches Ehrenmal

Obj.-Dok.-Nr.: 09050347
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Tiergarten
Strasse: Straße des 17. Juni
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Denkmal & Militäreinrichtung & Friedhof
Datierung: 1945-1946
Umbau: 1966
Entwurf: Kerbel, Lew E. (Bildhauer)
Entwurf: Sergijewski, Nicolai W. (Architekt)
Bauherr: Shukow, Georgi K. (Marschall der sowj. Besatzungstruppen in Deutschland)
Ausführung: Sonderstab für Gedenkstättenbau

Die durchgehende Achse im Tiergarten, die am Kemperplatz beginnt und an der Straße des 17. Juni endet, erinnert an die frühere Siegesallee, die man 1873 zusammen mit der Aufstellung der Siegessäule am damaligen Königsplatz angelegt hatte, um der siegreichen Kriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich zu gedenken. Die Siegesallee musste 1938-39 der monumentalen Nord-Süd-Achse weichen, die nach Plänen Albert Speers zur Prachtstraße des nationalsozialistischen Berlin ausgebaut werden sollte. Angesichts dieser Zusammenhänge verwundert es nicht, dass das erste große Sowjetische Ehrenmal nach dem Zweiten Weltkrieg genau in der Achse der alten Siegesallee und damit in der Nähe des Reichstages und des Brandenburger Tors errichtet wurde. (1) Das Ehrenmal wendet sich der Straße des 17. Juni zu, während die Rückseite zum Platz der Republik weist. Die in mehreren Stufen terrassierte, teils gepflasterte, teils gärtnerisch gestaltete Anlage wurde 1945-46 auf Befehl der Roten Armee von deutschen Arbeitskräften ausgeführt. Eine halbrunde, Pfeilerarchitektur mit wuchtigen blockhaften Granitpfeilern bildet die Rückwand für einen von Panzern und Geschützen gesäumten Vorplatz, auf dem zwei Sarkophage angeordnet sind. Die Pfeiler stehen für die Waffengattungen der Roten Armee, die dort angebrachten Namen erinnern an die militärischen Einheiten, die an der Schlacht um Berlin beteiligt waren, und an die gefallenen Soldaten. Über dem mittleren Postament steht eine überlebensgroße, von Lew Kerbel geschaffene Bronzefigur. Sie zeigt einen siegreichen, heldenhaften Sowjetsoldaten, der auf seine gefallenen Gefährten hinweist. Die seitlich aufgestellten sowjetischen Panzer des Typs T 34 waren die ersten, die das Stadtgebiet Berlins erreichten, während die beiden Geschütze am 1. Mai 1945 das Ende der Kämpfe verkündet haben sollen. Im rückwärtigen, gärtnerisch gestalteten Teil, der von einer Kolonnade und zwei Wachgebäuden begrenzt wird, ruhen 2.500 gefallene Soldaten. Das Ehrenmal bildete bis 1990 eine sowjetische Enklave im britischen Sektor Berlins. (2)


(1) Das Sowjetische Ehrenmal in Berlin Tiergarten. Hrsg. von der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft West-Berlin. Berlin 1987; Endlich/Wurlitzer 1990, S. 178-179; Gottschalk, Wolfgang: Ausländische Ehrenfriedhöfe und Ehrenmale in Berlin. Hrsg. von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz. Berlin 1992, S. 6-9; Dehio Berlin 2000, S. 452. Das Ehrenmal wurde am 11. November 1945 mit einer provisorischen Gipsskulptur eingeweiht. Den Bronzeguss führte 1945-46 die Gießerei Noack aus.

(2) Das Sowjetische Ehrenmal war ein Schauplatz des Kalten Kriegs. Die Anlage war von 1961 bis 1990 von Stacheldraht umgeben und von britischen Militärwachen gesichert. Auf einen sowjetischen Ehrenposten wurde 1970 ein Anschlag verübt.

Literatur:
  • Das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Tiergarten, Berlin 1987 Gottschalk, Wolfgang, Ausländische Ehrenfriedhöfe und Ehrenmale in Berlin, Berlin 1992 / Seite 6-9
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 107