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Straßenbahndepot

Obj.-Dok.-Nr.: 09050339
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Wiebestraße
Hausnummer: 29 & 30 & 31 & 32 & 33 & 34 & 35 & 36 & 37 & 38 & 39
Strasse: Sickingenstraße
Hausnummer: 59 & 60 & 61
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Straßenbahndepot & Wohnhaus
Datierung: 1899-1901
Umbau: 1926 & 1964
Entwurf: Fischer-Dick, Joseph (Architekt)
Entwurf: Krämer, Jean (Architekt)
Ausführung: Wittling und Güldner (Baufirma)
Bauherr: Große Berliner Straßenbahn AG

Eingezwängt zwischen den Mietshäusern des Huttenkiezes und dem Industrierevier besetzt das riesige Straßenbahndepot der Großen Berliner Straßenbahn AG das Grundstück Wiebestraße 29-39 und Sickingenstraße 59-61. (1) Die 1899-1901 errichtete Anlage, zu der an der südwestlichen Ecke des Grundstücks, an der Wiebestraße, ein dreigeschossiges Wohn- und Verwaltungsgebäude gehört, entstand mit der Elektrifizierung der Berliner Straßenbahn zur Jahrhundertwende. Die Pläne stammen von Joseph Fischer-Dick, dem Leiter der technischen Abteilung der Großen Berliner Straßenbahn AG, der maßgeblichen Anteil am betriebstechnischen Aufbau und an der architektonischen Gestaltung der Straßenbahndepots in Berlin hatte. Die vierschiffige Straßenbahnhalle konnte 320 Wagen aufnehmen. Zeitweise gingen zehn Straßenbahnlinien von der Wiebestraße aus, während mehr als tausend Beschäftigte für den reibungslosen Betrieb sorgten. Nach der Stilllegung des Straßenbahnverkehrs in West-Berlin wurde das Depot 1964 geschlossen. Gleichwohl ist der Zweck der technischen Einrichtung noch immer erkennbar. Neben den Resten des Gleissystems tragen dazu vor allem die 24 Korbbogentore bei. Die Hallenschiffe zeichnen sich im Straßenraum durch die Giebel und die längs laufenden Oberlichtraupen ab. Die nüchterne, schmucklose Gestaltung der gelben Backsteinfassaden geht auf einen Umbau in den 1920er Jahren zurück. Die von der Straßenbahngesellschaft 1924 ausdrücklich geforderte "neue Formgebung" wurde von Jean Krämer umgesetzt, dem Hausarchitekten der Großen Berliner Straßenbahn AG, der zwischen 1924 und 1931 in Berlin eine Reihe beeindruckender Straßenbahnhallen schuf. (2) Jean Krämer ließ den gotisierenden Dekor aus Zinnen und Rundbogenfriesen entfernen und reduzierte die vorgeblendeten Knickgiebel zu einfachen, nüchternen Dreiecksflächen. Der beibehaltene Okulus fügt sich in diesen Giebelaufbau sehr gut ein. Die neue, sachlich gestaltete Giebelfront verdeutlicht zwar den technischen Zweck der Straßenbahnhalle, wiederholt aber nicht mehr die mehrfach gebrochene Kontur der Dachbinder. Der konstruktive Aufbau wird von filigranen Eisenfachwerkbindern bestimmt, die sich jeweils über ein Hallenschiff spannen und eine verglaste Oberlichtraupe tragen. Das Wohn- und Verwaltungsgebäude an der Wiebestraße zeigt noch den ursprünglichen historisierenden Backsteinstil. Das Straßenbahndepot gehört zu den Verkehrseinrichtungen, die zur Jahrhundertwende das Bild der Großstadt entscheidend prägten. Es erinnert an den Beginn des elektrischen Straßenbahnverkehrs und verkörpert damit ein Stück Berliner Verkehrsgeschichte. Seit 2003 beherbergt die ehemalige Straßenbahnhalle unter dem Namen "Meilenwerk" ein Zentrum für Oldtimer und Liebhaberfahrzeuge.


(1) Hengsbach, Arne: Moabiter Verkehrsgeschichte. In: Schwarz 1981, Bd. 1, S. 537; BusB X B (1), S. 228, 264; Steube, Matthias: Das ehemalige Straßenbahndepot Moabit. In: Beusselkiez und Hutteninsel. Hrsg. v. S.T.E.R.N. Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung Berlin mbH. Berlin 1993, S. 113-117.

(2) Zitat aus dem Nachtragsschreiben zum Bauantrag vom November 1924, siehe Bauakte.

Literatur:
  • BusB X B 1 1979 / Seite 264, 227f
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005 / Seite 301