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Mietshaus Thomasiusstraße 4

Obj.-Dok.-Nr.: 09050240
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Moabit
Strasse: Thomasiusstraße
Hausnummer: 4
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus
Entwurf: 1901
Datierung: 1902-1903
Umbau: 1978 & 1993
Entwurf: Gottlob, Fritz (Architekt)
Ausführung: Schröder, Rudolph (Baugeschäft)
Bauherr: Gottlob, Fritz (Architekt)

Südlich der Straße Alt-Moabit, zwischen Calvin- und Kirchstraße, vermitteln einige gut erhaltene Mietshäuser ein Bild von dem einstigen vornehmen Charakter des Quartiers. Die bis zur Spree durchlaufenden Erschließungsstraßen konnten erst nach der Verlagerung der Maschinenbauanstalt von August Borsig 1899 bebaut werden. Hierfür hatte die Magdeburger Bau- und Credit-Anstalt das Fabrikgelände erworben und die Parzellen nach 1900 entweder verkauft oder selbst bebaut. Es entstanden bürgerliche Mietshäuser für den Mittelstand mit zum Teil großzügig geschnittenen Wohnungen, die sich über Vorderhaus und Seitenflügel erstreckten. Mit einem hohen Staffelgiebel hebt sich das Mietshaus Thomasiusstraße 4, das Fritz Gottlob als Bauherr und Architekt 1902-03 errichten ließ, von der angrenzenden Mietshausreihe ab. (1) Fritz Gottlob, der um die Jahrhundertwende in Berlin als Vertreter der märkischen Backsteingotik bekannt war, versuchte, die Formenwelt der norddeutschen Backsteingotik mit zeitgenössischen Stilelementen zu vereinen. (2) Die fünfgeschossige Fassade zeigt die typische Mischung aus roten Backsteingliederungen und weiß abgesetzten Putzflächen, während der Dekor dem Jugendstil verhaftet ist. Loggien und Erker geben der Straßenfront eine symmetrische Ordnung. Beim Erdgeschoss, das Ladengeschäften vorbehalten ist, wiederholte der Architekt die in der märkischen Gotik verbreitete Verbindung der Backsteinarchitektur mit einem bossierten Werksteinsockel. Vestibül und Treppenhaus erhielten eine reiche Ausstattung. Die hölzernen Paneele, das geschnitzte Treppengeländer, die dekorativen Wohnungstüren, die thronartigen Ruhesitzbänke im Treppenhaus und auch die ornamentalen Malereien der Decken und Unterläufe gehen wohl auf Entwürfe des Architekten zurück. Auch hier verbinden sich gotisierende Elemente mit Motiven des Jugendstils.


1) [Giebel des Hauses Thomasiusstr. 4 in Berlin] in: Berliner Architekturwelt 6 (1904), S. 271. Siehe auch: Fritz Gottlob - Formenlehre der Norddeutschen Backsteingotik. Hrsg. v. Markus Jager. Kiel 1999.

2) Fritz Gottlob errichtete unter anderem folgende Gebäude, vor allem evangelische Kirchen: Pauluskirche in Lichterfelde, Hindenburgdamm, 1898-1900; Martin-Luther-Kirche in Neukölln, Fuldastraße, 1909; Nikodemuskirche in Neukölln, Nansenstraße, 1912-13; Philipp-Melanchthon-Kirche in Neukölln, Kranoldstraße, 1914-16; Schalthaus in Lichterfelde, Elmo-Werk der Siemenswerke in Spandau, Rohrdamm, 1899.

Literatur:
  • Berliner Architekturwelt 5 (1903) / Seite 271
  • Gottlob, Backsteingotik, 1999 Katamon Exposé / Seite 207
  • Topographie Mitte/Tiergarten, 2005