denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Garten des Wohnhauses Falckensteinstraße 10

Obj.-Dok.-Nr.: 09046267
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Lichtenrade
Strasse: Falckensteinstraße
Hausnummer: 10
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Hausgarten
Datierung: 1939
Entwurf: Mattern, Hermann (Gartenarchitekt)
Bauherr: Mohrmann, K. & Mohrmann, K.

Der 1939 von Hermann Mattern gestaltete Hausgarten in der Falckensteinstraße 10 dokumentiert die enge Zusammenarbeit von Hans Scharoun mit dem befreundeten Landschaftsarchitekten, die wohl bereits in der konzeptionellen Phase von Haus und Garten erfolgte. Trotz des Verlustes einiger Gartenelemente ist noch heute Matterns grundlegende, auf das Haus und die Anforderungen der Bewohner bezogene Gestaltungsweise ablesbar. (1) Das im Grundriss L-förmige Haus öffnet sich nach Süden und umschließt den Hauptbereich des Wohngartens. Während straßenseitig noch immer zahlreiche Sträucher, darunter Flieder aus der Entstehungszeit, das Gebäude abschirmen, sind die Übergänge an seiner Süd- und Westseite vom Innen- zum Außenraum fließend. Die enge Verbindung zwischen Haus und Garten, bereits durch große Fenster- und Türöffnungen, die Fassadenberankung und zwei Terrassen am Haus verdeutlicht, wird durch die Raumkomposition noch verstärkt. Den beiden Wohnterrassen sind Rasenmulden vorgelagert, die durch eine Birkengruppe voneinander getrennt werden. Strauchgruppen mit Blüten- und zahlreichen Haselnusssträuchern schirmen die fließend ineinander übergehenden Bereiche des Wohngartenteils ab. Über ein Staudenbeet gleitet der Blick in die Tiefe, wo sich heute anstelle des Nutzgartens und Spielbereichs an der Westseite eine nur mit wenigen Bäumen und Sträuchern bepflanzte Rasenfläche erstreckt. Die Beläge eines schmalen Zugangswegs an der nördlichen Grundstücksgrenze und der Terrassen bestehen aus polygonal verlegten Sandsteinplatten und sind mit den anschließenden Vegetationsflächen verzahnt. Reste des Belags zeichnen sich auch in Nähe des ehemaligen runden Planschbeckens ab, das einst einen Kulminationspunkt der Gartengestaltung darstellte.


1) Zum Werk des bedeutenden Landschaftsarchitekten der Moderne und Hochschulprofessors Hermann Mattern (1902-1971) vgl. Gröning, Gert/Wolschke-Bulmahn, Joachim: Grüne Biographien. Biographisches Handbuch zur Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Berlin, Hannover 1997, S. 244-251; Reitsam, Charlotte: Der Landschaftsanwalt Hermann Mattern. Aufgaben und Konflikte, in: Stadt und Grün 52 (2003) 3, S. 20-29; Zutz, Axel: Grüne Moderne passé? Zum 100. Geburtstag von Reinhold Lingner (1902-1968) und Hermann Mattern (1902-1971), in: Stadt und Grün 52 (2003) 3, S. 11-19; Hermann Mattern 1902-1971. Gärten, Gartenlandschaften, Häuser, Ausstellungskatalog der Akademie der Künste und der Technischen Universität Berlin, Berlin 1982, Nr. 1.43, S. 44, 132. 1935 legte Hermann Mattern die Leitung des Entwurfsbüros im Betrieb von Karl Foerster nieder und gründete ein eigenes Planungsbüro. Hans Scharoun gehörte wie Mattern zum so genannten "Karl-Foerster-" oder "Bornimer" Kreis, einem Freundeskreis fortschrittlicher intellektueller Künstler, Gartenarchitekten und Architekten, wo sich u.a. Herta Hammerbacher, Hermann Göritz, Walter Funcke, Berthold Körting, Gottfried Kühn, Alfred Reich, Otto Bartning und Hans Poelzig, der Pianist Wilhelm Kempff, die Schriftstellerin Karla Höcker und der Kunsthistoriker Edwin Redslob trafen. Lesser, Katrin: Herta Hammerbacher (1900-1985), gartenhistorische Untersuchung der zehn denkmalgeschützten Anlagen in Berlin, Gutachten im Auftrag des Landesdenkmalamtes Berlin, Berlin 2001, S. 7 f. Weitere Beispiele der Zusammenarbeit Scharouns mit Mattern an Villenbauten in gestaffelter organischer Grundrissform mit versetztem Niveau sind am 1935 errichteten Haus Baensch in Berlin-Spandau (hier mit H. Hammerbacher) sowie am Haus Möller von 1937 am Zermützelsee bei Altruppin/ Land Brandenburg erhalten. Siehe auch Hermann Mattern 1902-1971. Gärten, Gartenlandschaften, Häuser, Ausstellungskatalog der Akademie der Künste und der Technischen Universität Berlin, Berlin 1982, Nr. 1.37, 1.43, 1.44, 1.45, 1.55, 1.60, 1.62 und 1.69.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite 42 & 257f. & 358-360
  • Reclam Berlin, 1987 / Seite 383
  • Privatgärten in Berlin, Petersberg 2005 / Seite 260
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 237ff.