denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Schloßpark Buch

Obj.-Dok.-Nr.: 09046057
Bezirk: Pankow
Ortsteil: Buch
Strasse: Alt-Buch
Hausnummer: 41
Strasse: Pölnitzweg & Röntgentaler Weg & Wiltbergstraße
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Parkanlage & Einfriedung & Portal
Datierung: 1670-1672
Umbau: nach 1725 & 1810-1820 & 1927 & 1950/1959
Entwurf & Ausführung: Pölnitz, Gerhard Bernhard von (Gartenarchitekt)
Bauherr: Viereck, Adam Otto von

Der an den Gutshof angrenzende Schlosspark Buch, Alt-Buch 41, gehört mit den Relikten des 1670/72 unter Gerhard Bernhard Freiherr von Pölnitz angelegten Holländischen Gartens zu den ältesten barocken Anlagen Berlins und der Mark Brandenburg. Auch einige Gestaltungselemente und Achsen des nach 1724 unter Adam Otto von Viereck angelegten und den Holländischen Garten erweiternden Französischen Gartens sind noch erkennbar. Heute zeigt sich der Park nach Umgestaltungen um 1800 ("ornamented farm") und im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts überwiegend landschaftlich geprägt. Auch nach 1945 sind erhebliche Umformungen und Veränderungen zu verzeichnen. (1)

Der Haupteingang an der Straße Alt-Buch, der ursprünglich direkt zum Schloss Buch führte, stammt noch aus der Zeit um 1760. Die sich an die Eingangssituation anschließende, durch Rosenbeete aufgewertete, leicht erhöht liegende Terrasse markiert den ehemaligen Standort des 1964 abgerissenen Bucher Schlosses. Auf dieser ebenen Fläche steht die stelenartige Skulptur "Mitwelt" des Bildhauers Karl Blümel aus dem Jahr 1987.

Vor der Terrasse erstreckt sich in nördlicher Richtung der ehemalige Holländische Garten. Von dem in Rechteckfeldern eingeteilten und mit Hecken eingefassten Garten fehlt heute das südöstliche Viertel, weil dieses für die Erweiterung des Gutshofs in den 1980er Jahren verändert wurde. Daher verlaufen vom ehemaligen Schloss aus nur noch zwei von ursprünglich drei parallelen Alleen in nördliche Richtung. Diese bestehen überwiegend noch aus Rotund Weißbuchen, die schon bei der Anlage des Holländischen Gartens Ende des 17. Jahrhunderts gepflanzt worden sind. Die dominierenden Alleen und schmaleren Querwege umfassen heute weitgehend offen gehaltene Wiesenbereiche. Im Norden schließt sich der zweite Teil des Holländischen Gartens an, der ursprünglich wohl vollständig von einem Kanal umgeben war. (2) Im Zuge einer Überformung im Stil früher englischer Landschaftsgärten um 1800 wurde der östliche Kanalarm zugeschüttet und der westliche Arm landschaftlich ausgebildet und teichartig erweitert. Diese Wasserflächen sollten sich malerisch in den neuen Landschaftspark einfügen. Ein kleiner Aussichtshügel, im waldartigen Gebiet westlich des Kanalsystems gelegen, geht auch auf diese Umgestaltung zurück. Mit seinen abgeschrägten Ecken erinnert der Verlauf des Kanalarms immer noch an die ursprüngliche Disposition, wie sie auf früheren Plänen dargestellt ist. (3) Von den ursprünglich gliedernden, die Quartiere einfassenden Buchenhecken sind heute im Norden der Gartenanlage noch lückenhafte Bestände erhalten. Mehrere Brücken erschließen die von den Kanälen eingeschlossenen Wiesenflächen. Trotz der Überformungen ist die ursprüngliche Gestaltung des Holländischen Gartens noch gut erkennbar.

Von der Schlossterrasse überblickt man in westlicher Richtung den Bereich, in dem zwischen 1724 und dem Beginn des 19. Jahrhunderts ein Französischer Garten angelegt war. (4) Die Gestaltung dieses Gartens ist wohl dem Architekten der Schlosskirche, Friedrich Wilhelm Diterichs, zuzuschreiben, der auch das Schloss im Auftrag von Otto von Viereck gestaltet und ein einmaliges Ensemble von Schloss, Schlosskirche und Garten geschaffen hat. Auf die Schlossfassade bezog sich ein zweigeteiltes, vorgelagertes Broderieparterre, das entsprechend der Geländeneigung abgestuft war. Dieses Parterre wurde im Norden durch eine Kastanienallee und im Süden von Heckenkabinetten begrenzt. Im Schnittpunkt der Mittelachse des Parterres mit der westlichen Längsachse des Holländischen Gartens befand sich eine kleine Fontäne. Diesen Platz bezeichnet heute ein Blumenrondell. Dessen vier umgebende rechteckige Rasenstücke und eine von Ost nach West führende, von Kastanien gerahmte Längsachse erinnern noch an die vor dem Schloss gelegenen Parterreanlagen des ehemaligen Französischen Gartens. (5) Auch eine schon im Französischen Garten vorhandene Seitenachse, die zur ehemaligen Orangerie führte, ist in Form einer abschüssigen Wiesenfläche noch erhalten. Diesen Raum markieren parallelständige Taxusreihen. Die Lage der ehemaligen Orangerie lässt sich anhand der 1995/96 freigelegten Grundmauern am Ende des leicht abfallenden Wiesenbereichs unmittelbar vor dem Teich nachvollziehen. (6) Bis auf diese Reminiszenzen zeigt sich der ehemalige Französische Garten heute als ein landschaftlich gestalteter Bereich mit großzügigen Wiesen und einem Hügel, der bereits auf dem Plan von 1805 zu finden ist. (7)

Das waldartige Gelände im nördlichen und westlichen Parkbereich wird von landschaftlich geführten Wegen erschlossen. Besondere Beachtung verdienen in diesem heute etwas verwilderten Gebiet die zahlreichen alten Parkbäume, die zum Teil noch auf die Entstehungszeit der "ornamented farm" um 1800 zurückgehen. In den Jahren von 1955-57 wurden nach einem Rekonstruktionsentwurf von Folkwin Wendland umfangreiche Wiederherstellungsarbeiten im Park durchgeführt, darunter die Erneuerung des Wegenetzes, die Entschlammung der Kanäle samt ihrer Zu- und Abflüsse sowie der Neubau sämtlicher Brücken. Auch wurden die Ufer der Panke und der Wassergräben mit Faschinen weitestgehend befestigt. (8) Die Kanalisierung einiger Wasserläufe erfolgte jedoch erst in den 1980er und 1990er Jahren. Auf Wendland geht auch das Blumenrondell in der Achse des ehemaligen Schlosses zurück, dass zwischen Landschaftspark, Holländischem Garten und der Schlosskirche vermittelt.

Der Schlosspark in Buch ist eine Gartenanlage von herausragender gartengeschichtlicher Bedeutung, da er in einer selten guten Überlieferung die Einflüsse der holländischen Gartenkunst in Berlin und der Mark Brandenburg zeigt. Darüber hinaus stellt er sich heute als eine Synthese aus verschiedenen Gestaltungsphasen dar, wobei neben den Elementen des Holländischen Gartens insbesondere noch wesentliche Passagen der landschaftlichen Gartenkunstaus der Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts sowie aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bewahrt sind.


1) Elßholtz, Johann Sigismund: Vom Garten-Baw oder Unterricht von der Gärtnerey auff das Clima der Chur-Marck Brandenburg/wie auch der benachbartenTeutschen Länder gerichtet./In: VI. Bücher abgefasset und mit nöthigen Figuren gezieret, 2. Auflage. Cölln an der Spree 1672; Nicolai, Friedrich: Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam. Berlin 1786, Bd. III. S. 1089; Zobel, Viktor: Alte deutsche Gärten. In: Gartenkunst 12 (1910), Heft 2, S. 22-23; Pfannschmidt 1927; Wendland 1979; Petras, Renate: Archivkarte Schlosspark Buch, 1980. In: Wimmer, Clemens Alexander: Vorarbeiten zum denkmalpflegerischen Zielkonzept für den Schlosspark Berlin-Buch, 1990/91 (Archiv Landesdenkmalamt Berlin); Petersen, Christina und Knud: Archivaliensammlung und Bestanddokumentation zum Schlosspark Buch. Berlin-Buch, 1993; Teske, Hartmut, Kirchhoff, Agnes: Parkpflegewerk Schlosspark Berlin-Buch. Berlin1994. Band I Parkgeschichte; Band II Bestandsaufnahme, Band III Entwicklungskonzept; Band IV Baumkataster und Anhang (Archiv LandesdenkmalamtBerlin).

2) Auf dem Plan: PLAN, Hochadelich von Voßischen Schlosses und Garten zu Buch. Der Bucher Schlosspark um 1760. (Nachzeichnung, Original verschollen, ehemals im Bestand der Bucher Akten im Vermessungsamt, abgedruckt in Pfannschmidt 1927) ist der nördliche Teil des Holländischen Gartens nur im Westen, Norden und Osten von einem Kanal umgeben. Erst auf dem "Plan des Gutsgartens von Buch, 1783 (Original um 1760, verschollen, ehemals im Bestand der Bucher Akten im Vermessungsamt) werden in der Querachse des Holländischen Gartens zwei von Wegen unterbrochene, rechteckige Wasserflächen dargestellt. Der Plan von dem Hochfreyherrl. Excellenz des Geheimen Etats Krieges u. dirigierenden Ministers Herrn Dohm Probst von Voss gehoerigen Garten zu Buch", Thal 1805 (Archiv Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Buch) zeigt diesen südlichen und den östlichen Kanalarm in landschaftlicher Manier.

3) Unter anderem der Plan von dem Hochfreyherrl. Excellenz des Geheimen Etats Krieges u. dirigierenden Ministers Herrn Dohm Probst von Voss gehoerigenGarten zu Buch", Thal 1805 (Archiv Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Buch).

4) Wimmer, Clemens Alexander: Überlagerungskarte der verschiedenen historischen Gärten mit der amtlichen Karte von 1927. In: Vorarbeiten zumdenkmalpflegerischen Zielkonzept für den Schlosspark Berlin-Buch, 1990/91 (Archiv Landesdenkmalamt Berlin).

5) Plan Hochadelich von Voßischen Schlosses und Gartens zu Buch", um 1760. In: Pfannschmidt 1927.

6) Die erste Orangerie wird 1760 als eingeschossiger Putzbau errichtet. Um 1800 wird die Rückseite des Gebäudes als neogotischer Staffagebau in Form einer historisierenden Burg umgestaltet.

7) Plan von dem Hochfreyherrl. Excellenz des Geheimen Etats Krieges u. dirigierenden Ministers Herrn Dohm Probst von Voss gehoerigen Garten zu Buch", Thal 1805 (Archiv Evangelische Kirchengemeinde Berlin-Buch).

8) Wendland, Folkwin: Berlins Gärten und Parke von der Gründung der Stadt bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert. Berlin 1979, S. 316.

Literatur:
  • Keil, Barbara, Baudenkmale in Pankow, Berlin 1993 / Seite 16-18
  • Reclam Berlin, 1991 / Seite 132
  • Wendland/ Berlins Gärten und Parke, 1979 / Seite 312ff.
  • Brandenburgische Jahrbücher 14/15 (1939) / Seite 148
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin II, Berlin 1987 / Seite 104.
  • Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 11 (1894) / Seite 66-72
  • Pfannschmidt/ Vororte Buch und Karow, 1927 / Seite 91f. & 104 & 148f.
  • Topographie Buch, 2010 / Seite 81ff.