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Pfaueninsel

Obj.-Dok.-Nr.: 09045989
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Wannsee
Strasse: Pfaueninsel
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Parkanlage & Schloßpark
Datierung: 1804 nach
Umbau: nach 1804 & 1824-1834 & 1980
Entwurf & Ausführung: Mörsch, Johann Friedrich & Eyserbeck, Johann August (?) (Gartenarchitekt)
Entwurf & Ausführung: Fintelmann, Johann August Ferdinand (Gartenarchitekt)
Entwurf & Ausführung: Lenné, Peter Joseph & Fintelmann, Johann August Ferdinand (Gartenarchitekt)

Die am nordwestlichen Rande des Stolper Werders gelegene, 76 Hektar große Pfaueninsel ist seit dem frühen 19. Jahrhundert eine der populärsten und weit über die Grenzen Preußens hinaus bekannten "königlichen" Parkanlagen. (1) Sie zeichnet sich durch ihre einzigartige, trotz der Inselsituation enge Verbindung mit zahlreichen in Sichtbeziehung liegenden königlichen Schlössern und Gärten aus. Diese vielfältigen Blickbeziehungen zwischen der Pfaueninsel und Glienicke, Sacrow, Nikolskoe oder Neu-Kladow verankern die Havelinsel im besten Sinne in der Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft. Auch wenn in der Anfangsphase eine besonders starke Bindung zum Neuen Garten am Marmorpalais vorgeherrscht hat, ist die Pfaueninsel doch immer Teil eines größeren Ganzen gewesen. Sie dominiert bis heute die wasserreiche Kulturlandschaft im nordöstlichen Grenzbereich Potsdams. Schon im 17. Jahrhundert erregte sie erstmals das Interesse eines preußischen Monarchen; der Große Kurfürst überließ die Insel 1684-86 dem damals bekannten Alchimisten Johannes Kunckel zum Betreiben eines Geheim-Laboratoriums. Jedoch erst seitdem Friedrich Wilhelm II., der bei Gondelfahrten vom Marmorpalais aus die vier Kilometer entfernte Havelinsel, damals Kaninchenwerder genannt, für sich entdeckte, bestand ein königliches Interesse, mehr noch ein Gestaltungswille an dem Eiland. Nach dem 1793 erfolgten Ankauf der Insel betraute der allen neuen Kunstströmungen aufgeschlossene König schon sehr bald seinen Gärtner Morsch den Älteren, wohl unter der Anleitung des Gärtners Johann August Eyserbeck aus Wörlitz, mit der Gestaltung erster Anlagen. Es waren dies in der Anfangsphase zwei Bereiche, einerseits an der Westspitze der Insel um das Pfaueninselschlösschen und andererseits um die ganz im Osten der Insel errichtete Meierei.

Zu der die Insel bis heute prägenden Gestalt sollte es allerdings erst unter Friedrich Wilhelm III., auch unter der Einflussnahme seiner Frau, Königin Luise, ab 1800 kommen. Der König, der mit seiner Familie das einfache Landleben nicht nur in Paretz schätzte, formte die Insel Schritt für Schritt weiter zu einer "ferme ornée", einer nach Wörlitzer Vorbild aufgeschmückten Landschaft, um. Unter sorgfältiger Einbeziehung der mehrere Jahrhunderte alten, die Insel bis heute prägenden Eichen, gestaltete nun im Auftrag des Königs der 1804 zum Hofgärtner auf der Pfaueninsel angestellte August Ferdinand Fintelmann die Insel unter Einbeziehung des gartenkulturellen Erbes von Eyserbeck und Morsch, jedoch auch unter Anlage von Ackerflächen, die eine Wechselwirtschaft auf sechs großen Feldern im Inneren der Insel ermöglichten. Fintelmann selbst zeichnete in einem kolorierten Plan der Insel von 1810 - der frühesten Planzeichnung der Pfaueninsel überhaupt - die unter seiner Leitung um- und neu gestaltete Insel; der Plan enthält auch die damals schon bestehenden Gebäude einschließlich des kapellenförmigen Stallgebäudes in unmittelbarer Nähe der Meierei. Er trug damit nicht nur den Notjahren in der Zeit der napoleonischen Kriege Rechnung, sondern auch der Vorliebe des Königs für eine erfolgreiche ländliche, jedoch immer ästhetisch geprägte Gutswirtschaft und leistete damit zugleich einen konkreten Beitrag im Sinne der sich damals in Preußen entwickelten Thaerschen Landwirtschaftsreformen.

Bekannt geworden ist die Pfaueninsel jedoch auch als der wohl früheste Zoologische Garten Berlins. Bei seinen wiederholten Aufenthalten in Paris, hatte der König dort den bekannten Jardin des Plantes, mehr ein Botanischer, denn ein Zoologischer Garten kennen und schätzen gelernt, mit der Folge, dass nun auch die Pfaueninsel nach und nach entsprechend umgestaltet wurde. Zahlreiche Menageriegebäude entwickelten sich zu gern aufgesuchten Attraktionen der Besucher, denen das Betreten der Insel an zwei Tagen der Woche gestattet war. Die vielen Tiergehege wurden zu "Kleinen Colonien" in einem besonderen Teil der Insel zusammengefasst und Lenné, der den Pariser Jardin des Plantes ebenfalls studiert hatte, gestaltete das Erscheinungsbild der zahlreichen Gehege mit. Er ordnete sie derart an, dass der Besucher einerseits ein Höchstmaß an Erlebnis hatte und sich das Menagerieprojekt andererseits in ästhetisch anspruchsvoller Form in die Landschaft einfügte.

Im Zeitraum von 1822-34 formte Lenné schließlich gemeinsam mit Fintelmann die Insel nochmals um. In jenem Jahrzehnt wurde auch der berühmte Rosengarten angelegt, der 3.000 hoch- und halbstämmige Rosen enthielt. Ausgangspunkt der Anlage, die in den 1990er Jahren grunderneuert wurde, war 1821 die Übernahme der damals berühmten Berliner Rosensammlung des Arztes Dr. Böhm. (2) Auch der Rundgarten am Hofgärtnerhaus wurde an Stelle eines bis dahin noch bestehenden Weinberges angelegt. Die entsprechenden Bepflanzungsringe in konzentrischer Ordnung präsentieren bis heute im Sommerhalbjahr die schönsten blühenden Pflanzen der Insel.

Zum prägenden Charakteristikum der Insel sollte jedoch das großartige System von Wiesenzügen werden, das für jeden Landschaftsgarten entscheidende Raumerlebnisse, aber auch die unerlässlichen Ausblicke ermöglicht. Auf den von Fintelmann und Lenné sorgfältig als "stumme Führer" projektierten Wegen gehend, erlebt man nicht nur die ausgefeilte Bodenmodellierung der Insel, sondern auch alle sorgfältig komponierten Attraktionen innerhalb und außerhalb der Insel. Nichts ist dem Zufall überlassen - alles ist Teil einer Inszenierung. In einem von seinem Mitarbeiter Gerhard Koeber 1834 angefertigten Plan der Pfaueninsel wurde diese unter Lenné vollendete arkadische Parklandschaft mit ihren zahlreichen dekorativen Baulichkeiten festgehalten. Hierzu gehörten unter anderem auch das 1830/31 errichtete Palmenhaus und das 1824/25 umgebaute gotische Kavalierhaus, beide nach Schinkels Entwurf, oder der kleine Luisentempel.

Mit dem Tod Friedrich Wilhelms III. im Jahr 1840 ließ das Interesse der Hohenzollern an der Pfaueninsel deutlich nach. 1842 wurde der größte Teil der Menagerie an den zwei Jahre zuvor in Berlin neu gegründeten Zoologischen Garten abgegeben; 1880 brannte das Palmenhaus ab. Um die in jeder Beziehung kostbare Insel mit ihrem reichen kulturlandschaftlichen, aber auch naturlandschaftlichen Erbe vor drohender Bebauung und anderen zerstörerischen Eingriffen zu bewahren, wurde sie als erster historischer Garten in Berlin-Brandenburg 1924 unter Naturschutz gestellt - jedoch mit der Maßgabe, das die Insel so prägende gartenkulturelle Erbe sorgfältig zu erhalten. Die Pfaueninsel steht exemplarisch für ein einvernehmlich zwischen Naturschutz und Denkmalschutz abgestimmtes langfristiges Erhaltungs- und Unterhaltungskonzept, das sowohl der Inselökologie und dem Naturreservat verpflichtet ist, als auch dem sorgfältigen Erhalt des Gestaltungskonzeptes von Lenné und seinen Vorgängern.


1) Seiler, Michael: Die Pfaueninsel - Inszenierung des Exotischen. In: Nichts gedeiht ohne Pflege, Die Potsdamer Parklandschaft und ihre Gärten, Ausstellungskat. hrsg. v. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam 2001, S. 78 ff;

Berlin-Pfaueninsel Schloss und Park. In: Katalog 10 Jahre Unesco Welterbe der Potsdam-Berliner Kulturlandschaft, hrsg. v. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, S. 172-175; Berger-Landefeldt, Ulrich/Sukopp, Herbert: Bäume und Sträucher der Pfaueninsel, hrsg. v. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Berlin 1980;

Börsch-Supan, Helmut: Die Pfaueninsel, Kunstgeschichtlicher Führer, hrsg. v. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Berlin 1982;

Elvers, Heinrich: Die Vogelwelt der Pfaueninsel, Ein vogelkundlicher Führer, hrsg. v. Deutscher Bund für Vogelschutz, Berlin 1984;

Fintelmann 1837; Sukopp, Herbert; Das Naturschutzgebiet Pfaueninsel in Berlin-Wannsee, Beitrag zur Landschafts- und Florengeschichte, hrsg. v. Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Berlin 1967;

Seiler, Michael: Die königliche Pfaueninsel, Muster einer ländlichen Parkanlage. In: Berlin durch die Blume oder Kraut und Rüben Gartenkunst in Berlin-Brandenburg, Ausstellungskat. hrsg. Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz-Gartendenkmalpflege, Berlin 1985, S. 110-120.

2)Seiler, Michael: Der Pfaueninsel-Rosengarten. In: Lenné Ausstellungskatalog 1989, S. 125 ff.

Literatur:
  • BusB XI 1972 / Seite 55ff.
  • Topographie Zehlendorf/Wannsee, 2013 / Seite 187f
  • Seiler, Michael: Die Pfaueninsel - Inszenierung des Exotischen in
    Nichts gedeiht ohne Pflege, Die Potsdamer Parklandschaft und ihre Gärten, Ausstellungskat., Potsdam 2001 / Seite 78ff
  • Seiler, Michael: Die königliche Pfaueninsel, Muster einer ländlichen Parkanlage in
    Berlin durch die Blume oder Kraut und Rüben Gartenkunst in Berlin-Brandenburg, Ausstellungskat., Berlin 1985 / Seite 110-120
  • Seiler, Michael: Der Pfaueninsel-Rosengarten in
    Lenné Ausstellungskatalog 1989 / Seite 125ff
  • Berlin-Pfaueninsel Schloss und Park in
    Katalog 10 Jahre Unesco Welterbe der Potsdam-Berliner Kulturlandschaft, Potsdam 2000 / Seite 172-175
  • Börsch-Supan, Helmut: Die Pfaueninsel, Kunstgeschichtlicher Führer, Berlin 1982 Elvers, Heinrich: Die Vogelwelt der Pfaueninsel, Ein vogelkundlicher Führer, Berlin 1984 Fintelmann 1837; Sukopp, Herbert; Das Naturschutzgebiet Pfaueninsel in Berlin-Wannsee,