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Garten der Villa Stauss

Obj.-Dok.-Nr.: 09045984
Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
Ortsteil: Dahlem
Strasse: Pacelliallee
Hausnummer: 14
Denkmalart: Gartendenkmal
Sachbegriff: Landhausgarten
Datierung: 1915
Entwurf: Lange, Willy (Gartenarchitekt)
Bauherr: Stauss, Emil Georg von (Bankier & Industrie-Präsident)

Der 1915 von Willy Lange gestaltete Landhausgarten des Hauses Stauss in der Pacelliallee 14 wird durch die ungewöhnliche Trapezform des Grundstückes bestimmt. (1) Um dem Garten eine größtmögliche Ausdehnung zu geben und künstlerisch an das Gebäude anknüpfen zu können, entwickelten die Architekten Cremer & Wolffenstein in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherrn und Willy Lange einen in Bezug auf die Straße gedrehten Hauptbau. Der axialsymmetrisch auf das Gebäude ausgerichtete Garten wurde von Willy Lange - eigentlich einem Verfechter des landschaftlichen Gartens - als formale Anlage mit Elementen des Jugendstils geplant. 1993-94 konnte der rund 3.800 Quadratmeter große Garten umfassend restauriert werden. (2) Lange unterteilte die Gartenanlage in fünf voneinander getrennte Bereiche: einen Vorgarten als Ehrenhof, einen seitlichen Wirtschaftshof, einen Tennisplatz, ein der Blumenterrasse vorgelagertes zentrales Rasenparterre sowie eine schattige, eher landschaftlich geprägte "Boskettzone". (3) Diese sollte durch den leichten Zaun eine Verbindung zur angrenzenden öffentlichen Parkanlage schaffen.

Das in Bezug auf die Straße erhöht liegende Gebäude wird durch eine ansteigende Vorfahrt erreicht, welche vor dem Eingangsportal durch ein das Wappen des Bauherrn darstellendes Pflastermosaik geziert wird. Eine mit einem Wandbrunnen geschmückte Stützmauer überbrückt den Höhenunterschied. Direkt an die barocke Muschelgrotte auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes schließt eine breite Terrasse mit Staudenbeeten an, die durch eine Natursteinmauer gehalten wird. Von der Terrasse hat man einen weiten Blick auf das hufeisenförmige Rasenparterre, an dessen Scheitel ein Brunnenplatz angeordnet ist. Das von Stauden umstandene, runde Brunnenbecken wird von drei Muschelkalkstein-Bänken umrahmt und ist mit aufwändigem Goldmosaik geschmückt. Als Point de vue des Gartens dienen drei 1916 aufgestellte Nymphen aus Bronze des Bildhauers Walter Schott, welche um einen Wasserstrahl herumtanzen. (4) Um diesen Gartenbereich einerseits gegen Blicke von außen zu schützen und ihn andererseits formal an das Gebäude zu binden, wurde das Rasenparterre schon zur Entstehungszeit mit einer drei Meter hohen Hainbuchenhecke umschlossen.

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(1) Lange, Willy: Gartenpläne, Leipzig 1927, S. 147 ff., 424 f. Vgl. auch Gartendenkmale in Berlin: Privatgärten 2009, S. 138-140 mit weiterführenden Literaturangaben.

(2) Krosigk, Klaus von: Haus und Garten als Gesamtkunstwerk, Die Gartendenkmalpflege restaurierte den Garten einer Dahlemer Residenz. In: Zehlendorfer Heimatbrief 41 (1998), H. 1, S. 8 ff.

(3) Krosigk, Klaus von: Der Berliner Villen- und Landhausgarten in der Zeit zwischen 1900 und dem Ersten Weltkrieg. In: Die Gartenkunst 7 (1995), H. 2, S. 210 ff.

(4) Kuhn, Jörg: Erfassung/ Inventarisation plastischer Denkmäler, Brunnen und anderer Werke der bildenden Kunst in denkmalgeschützten Privatgärten und auf Friedhöfen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, Gutachten i.A. des Landesdenkmalamtes Berlin, Berlin 2004, Archiv Landesdenkmalamt Berlin. Vgl. auch Berger, Ursel/ Gabler, Josephine: Drei Mädchen mit Vergangenheit, Die Geschichte des Brunnens "Drei tanzende Mädchen" von Walter Schott. In: Jahrbuch des Landesarchivs Berlin 2002, S. 79 ff.

Literatur:
  • BusB IV C 1975 / Seite 99
  • Topographie Dahlem, 2011 / Seite 194
  • Deutsche Bauzeitung 57 (1923) / Seite 143ff.
  • Bauwelt 6 (1915) / Seite Kunstbeilage Nr. II, S. 9ff.
  • Blätter für Architektur und Kunsthandwerk 28 (1915) / Seite 39f., T 99/100
  • Lange, Willy, Gartenpläne, Leipzig 1927 / Seite 147ff. & 424f.
  • Tagesspiegel / Seite 06.01.1992 & 02.10.1990 & 07.04.1991
  • Berliner Morgenpost / Seite 02.06.1991
  • Privatgärten in Berlin, Petersberg 2005 / Seite 138
  • Krosigk, Klaus von/ Garten Villa von Strauss, Pacelliaallee 14-16, Dahlem in
    In/ Reparieren, Renovieren, Restaurieren. Vorbildliche Denkmalpflege in Berlin, Berlin 1998 / Seite 48ff.