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Berliner Mauer, Grenzmauerabschnitte und Wachtürme

Obj.-Dok.-Nr.: 09040273,T
Bezirk: Pankow
Ortsteil: Prenzlauer Berg
Strasse: Bornholmer Straße & Schwedter Straße & Eberswalder Straße
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Grenzanlage
Fertigstellung: nach 1961
Bauherr: Regierung der DDR

Allgemeine Anmerkung zum Aufbau des innerstädtischen Grenzanlagen-Systems:

Das Großbauwerk "Berliner Mauer" war eine komplexe, sich kontinuierlich verändernde, immer undurchdringlicher werdende Barriere, die aus einem breiten Todesstreifen mit zahlreichen Sperr- und Überwachungselementen bestand. Je nach Lage im Berliner Stadtgebiet variierte die Breite des Grenzstreifens. An exponierten Orten wie dem Potsdamer Platz dehnte sich der in der Regel rund 70 Meter breite Grenzstreifen auf bis zu 500 Meter aus. Auf Ost-Berliner Seite lag vor dem eigentlichen Grenzstreifen ein Sperrgebiet, in dem nur speziell autorisierte Personen wohnen bzw. arbeiten durften. Den Übergang zum Sperrgebiet markierten viersprachige Schilder mit der Aufschrift "Grenzgebiet - Betreten und Befahren verboten" sowie rotweiße Absperrgeländer und Pfosten. In besonders unübersichtlichen Sperrgebieten befanden sich Elemente der so genannten Vorfeldsicherung: Mauern, Zäune, Beleuchtungsanlagen, Fenstergitter oder Durchfahrtssperren in Form von Blumenkästen. Die rund drei Meter hohe so genannte Hinterlandsicherungsmauer (HiSM) bildete aus Ost-Berliner Sicht das erste feste Sperrelement des komplexen Grenzanlagen-Systems und verstellte zugleich den Blick auf den Todesstreifen. Als "Erkennungszeichen" war die Ostseite der "Hinterlandmauer" mit großen weißen Rechteckfeldern in grauer Rahmung angestrichen. Die zum Todesstreifen weisende Seite war weiß, damit sich Flüchtende in der Dunkelheit besser vor ihr abzeichneten. An einigen Abschnitten standen anstelle der "Hinterlandmauer" Grenzsicherungszäune aus Streckmetall. Das erste Element im Todesstreifen war der elektrische Grenzsignalzaun von zwei bis drei Metern Höhe, der bei Berührung Alarm auslöste. Seine elastische Konstruktion sollte das Übersteigen erschweren. Dem Signalzaun folgten unterschiedliche Flächensperren, wie Stahlspitzenmatten oder aus kreuzweise verschweißten Eisenbahnschienen bestehende Panzersperren. Dann kam ein zwei Meter breiter Kontrollstreifen, der so genannte K 2. Mit seiner geharkten Sandfläche diente er der Feststellung von Fluchtspuren, mancherorts befanden sich hier Hundelaufanlagen. Ungefähr in der Mitte des Grenzstreifens standen die Wachtürme, die eine freie Rundumsicht über das gesamte Gelände boten. Nach dem Grenzturmbereich folgte der Kolonnen- bzw. Postenweg aus Asphalt oder Betonplatten. Er diente als Verkehrsweg innerhalb des Grenzsystems, auf ihm patrouillierten die Grenzposten und wurden die Soldaten zu ihrem Postenabschnitt gebracht. Es schloss sich eine Lichttrasse aus Peitschenlampen an, die einen zweiten, sechs Meter breiten Kontrollstreifen - den K 6 - ausleuchteten. In manchen Abschnitten standen die Lampen bereits vor dem Kolonnenweg. Der K 6 bestand aus geharktem Sand und durfte nur von befugten Grenzsoldaten, in der Regel Offizierspatrouillen, betreten werden. Genau wie der K 2 diente auch der K 6 der Sicherung von Fluchtspuren. Kurz vor der Grenzmauer lag der so genannte Kfz-Sperrgraben, der aufgrund der räumlichen Enge in Berlin oft durch Panzersperren ersetzt worden war. Sperrgraben und Panzersperren sollten den Grenzdurchbruch mit schweren Fahrzeugen verhindern. Das vorderste Sperrelement, die Grenzmauer war in Berlin eine rund vier Meter hohe Betonplattenwand mit Rundrohraufsatz. Sie war das letzte Hindernis für einen Flüchtling, diente vor allem aber auch dazu, die Einsicht von Westen in den Todesstreifen zu verstellen. In den 28 Jahren zwischen Mauerbau (13.8.1961) und Mauerfall (9.11.1989) wurde die Grenzanlage ständig verändert, erweitert und "perfektioniert".

(s. Erläuterungsbögen zu den Einzelabschnitten von Dr. Anke Kuhrmann, 2006)

Literatur:
  • Ritter, Jürgen; Lapp, Peter Joachim: Die Grenze. Ein deutsches Bauwerk, Berlin 1998 / Seite .
  • Friedrich, Thomas, Hampel, Harry: Wo die Mauer war, Berlin 1997 / Seite .
  • Camphausen, Gabriele u.a.: Eine Stadt wächst zusammen. 10 Jahre Deutsche Einheit - Was aus der Berliner Mauer wurde, Berlin 1999 / Seite .
  • Cramer, Johannes u.a. (Hg.): Forschungsprojekt des Fachgebietes Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Berlin zur Berliner Mauer / Seite www.baugeschichte.a.tu-berlin.de/bg/forschung/projekte/20jah rhundert/berlin_mauer.htm
  • Feversham, Polly; Schmidt, Leo: Die Berliner Mauer heute. Denkmalwert und Umgang, Berlin 1999 / Seite .
  • Flemming, Thomas; Koch, Hagen: Die Berliner Mauer. Geschichte eines politischen Bauwerks, Berlin 1999 / Seite .
  • Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (Hg.): Berliner Mauerstreifzüge. Auf politisch-historischen Spuren entlang des ehemaligen Grenzstreifens, Berlin 2003 / Seite 385-401
  • Friedrich, Thomas; Hampel, Harry: Wo die Mauer war, Berlin 1997 (1996) / Seite .
  • Hammer, Manfred u.a. (Hg.): Das Mauerbuch. Texte und Bilder aus Deutschland von 1945 bis heute, Berlin 1981 / Seite .
  • Haupt, Michael: Die Berliner Mauer. Vorgeschichte, Bau, Folgen. Literaturbericht und Bibliographie zum 20. Jahrestag des 13. August 1961, München 1981 / Seite .
  • Hertle, Hans-Hermann u.a.: Mauerbau und Mauerfall. Ursachen - Verlauf - Auswirkungen, Berlin 2002 / Seite 140-143
  • Höynck, Rainer: Was war was blieb was ist. Berliner Grenzübergänge fünf Jahre danach, in: Architektenkammer Berlin (Hg.): Architektur in Berlin. Jahrbuch 1995, Berlin 1995 / Seite .
  • Jodock: Die Mauer entlang. Auf den Spuren der verschwundenen Grenze, Berlin 1996 / Seite .
  • Klausmeier, Axel; Schmidt, Leo: Mauerreste - Mauerspuren, Berlin/Bonn 2004 / Seite .
  • Lapp, Peter Joachim; Ritter, Jürgen: Die Grenze - Ein deutsches Bauwerk, Berlin 1997 / Seite https://www.berlin.de/landesdenkmalamt/denkmale/berliner-mau er/
  • Landesdenkmalamt Berlin (Hg.): Internetseiten zur Berliner Mauer (2005) / Seite .
  • Petschull, Jürgen: Die Mauer. August 1961 bis November 1989. Vom Anfang und Ende eines deutschen Bauwerks, Hamburg 1989 / Seite .
  • Schmidt, Leo; Preuschen, Henriette von: On Both Sides of the Wall. Preserving Monuments and Sites of the Cold War Era. Auf beiden Seiten der Mauer. Denkmalpflege an Objekten aus der Zeit des Kalten Krieges, Bad Münstereifel 2005 / Seite .
  • Schultke, Dietmar: "Keiner kommt durch". Die Geschichte der innerdeutschen Grenze 1945-1990, Berlin 1999 / Seite 385-401
  • Wolfrum, Edgar: Die Mauer. In: François, Etienne; Schulze, Hagen (Hg.): Deutsche Erinnerungsorte. Eine Auswahl (Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 475), Bonn 2005
Teilobjekt "Hinterlandsicherungsmauer" der ehemaligen innerstädtischen Grenzanlage am einstigen Grenzübergang Bornholmer Straße
Teil-Nr.: 09040273,T,001
Sachbegriff:
Strasse: Bornholmer Straße
Teilobjekt Sicherungsmauer der ehemaligen innerstädtischen Grenzanlage in der Nähe des einstigen Grenzübergangs Bornholmer Straße
Teil-Nr.: 09040273,T,002
Sachbegriff:
Strasse: Norweger Straße
Datierung: ?
Teilobjekt Plattenwand der Vorfeldsicherung der ehemaligen innerstädtischen Grenzanlage im Bereich des Nordkreuzes
Teil-Nr.: 09040273,T,003
Sachbegriff:
Strasse: Behmstraße
Datierung: ab 1961
Teilobjekt "Hinterlandmauer" der ehemaligen innerstädtischen Grenzanlage im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
Teil-Nr.: 09040273,T,004
Sachbegriff:
Datierung: 1961