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Denkmale in Berlin

Märkisches Museum

Obj.-Dok.-Nr.: 09035412
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Wallstraße
Hausnummer: 52 & 53 & 54
Strasse: Am Köllnischen Park
Hausnummer: 5
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Museum
Entwurf: 1901
Fertigstellung: 1907
Umbau: 1953-1955
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Literatur:
  • N.N./ Das Märkische Provenzial-Museum zu Berlin in
    Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen 44 (1898) / Seite Sp. 12-13
  • N.N./ Berliner Neubauten. No. 99. Das Märkische Museum am Märkischen Platz in
    Deutsche Bauzeitung 35 (1901) / Seite 357-359, 360-361, 365, 367
  • Huth, Friedrich/ Vom Märkischen Provenzialmuseum in Berlin in
    Deutsche Bauhütte 7 (1903) / Seite 260, 262
  • Hoffmann, L., Neubauten der Stadt Berlin, Bd. 8, 1909 / Seite (Sonderband Märkisches Museum)
  • Schultze, F./ Das Märkische Museum in Berlin in
    Zentralblatt der Bauverwaltung 28 (1908) / Seite 400-403, 405-407
  • N.N./ Der Neubau des Märkischen Provenzial-Museums in Berlin in
    Deutsche Bauzeitung 42 (1908) / Seite 696-701, 705-709, 713, 717-718
  • Osborn, Max/ Das märkische Museum in Berlin in
    Zeitschrift für Bildende Kunst N.F. 19 (1908) / Seite 269-281
  • Zetzsche, Carl/ Das Märkische Museum in Berlin in
    Architektonische Rundschau 25 (1909) 1 / Seite 1-5
  • Stahl, Fritz/ Ludwig Hoffmann in
    Berliner Architekturwelt Sonderheft 14 (1914) / Seite II-V, XII-XIII, 1-23
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 390

Mit der Verlängerung der Straße Am Köllnischen Park nach Süden bis zur Köpenicker Straße und dem Bau der steinernen Waisenbrücke entstand 1893 eine verbesserte und attraktive Verbindung von NeuKölln am Wasser zur Innenstadt. (1) Am Brückenkopf der Waisenbrücke entwickelte sich der belebte Märkische Platz, an dem das 1901-07 nach Plänen Ludwig Hoffmanns errichtete Märkische Museum, Am Köllnischen Park 5, den zentralen baulichen Akzent setzte. (2) Auch heute noch stellt das reich gegliederte Gebäude mit mächtigem Turm eine stadtbildprägende Dominante dar.

Stadtbaurat Ludwig Hoffmann schuf einen unregelmäßigen Baukomplex um zwei Innenhöfe, dessen einzelne Bauteile in unterschiedlichen Formen und Stilen gegliedert sind. Durch Anlehnung an die historische Architektur der Mark Brandenburg und mit direkten Architekturzitaten wie der Rathausfassade von Tangermünde oder dem Wandsystem des Katharinenklosters in Brandenburg geriet das Bauwerk selbst zu einem Lehrstück heimatlicher Architekturgeschichte. Aber nicht nur der Außenbau ist geprägt von einer historisierenden Museumsauffassung: "Bei der Anfertigung des Bauentwurfs" war für Hoffmann "der Gedanke maßgebend, die verschiedenartigen Ausstellungsstücke in einer ihrer Eigenart entsprechenden räumlichen Umgebung und Belichtung in Erscheinung zu bringen." (3) Im Inneren entstand eine verschachtelte Raumfolge mit unterschiedlichsten Stilmerkmalen: "Die Kirchenhalle und die Kapelle veranschaulichen die ernste Würde märkischer Gotteshäuser aus gotischer Zeit, eine Waffenhalle mit wuchtigen Pfeilern und Sterngewölben die Bauart, die in alten Klosterräumen (...) herrschte." (4) Der Entwurf, der sechs verschiedene Bauteile in Formen der märkischen Backsteingotik bis zur deutschen Renaissance als historische Collage zusammenfügt und damit den Eindruck eines über Jahrhunderte gewachsenen Gebäudes erweckt, stellt eines der bedeutendsten Beispiele des Wilhelminischen Historismus dar, dessen herausragender Vertreter Ludwig Hoffmann war.

Das Museum wurde nach Kriegsschäden 1953-58 vollständig wieder aufgebaut und in den Jahren 1996-2001 restauriert.

Der Bärenzwinger im Park, der in den 1930er Jahren gebaut wurde, und in dem das - lebendige - Wappentier Berlins präsentiert wird, passt zu diesem Ort der inszenierten Heimatgeschichte.


(1) Die steinerne Waisenbrücke, die die ehemalige hölzerne Blocksbrücke ersetzte, wurde um 1960 nach einer Teilzerstörung im Zweiten Weltkrieg abgetragen. Vgl. Berlin und seine Brücken 1987.

(2) Nachdem die Sammlung des 1874 offiziell gegründeten Museums zunächst an verschiedenen Orten provisorisch untergebracht war, wurde 1892 ein Wettbewerb für einen Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Bastion ausgeschrieben, den Regierungsbaumeister Möller gewann. Da Möller kurz darauf starb, kam der Entwurf nicht zur Ausführung. Ludwig Hoffmann, der 1896 zum Stadtbaurat ernannt worden war, übernahm die Aufgabe.

(3) Vgl. Hoffmann 1902-1912, Bd. VIII, S. II.

(4) Vgl. Osborn 1908, S. 272. Diese historistische, museale Gestaltung der Architektur, vor allem auch der Innenräume, hatte sich für die Bauaufgabe des Provinzialmuseums durchgesetzt. 1896 waren z.B. das Bayerische Nationalmuseum, 1902 das Provinzialmuseum in Hannover und 1906 das Hessische Landesmuseum in Darmstadt eingeweiht worden, dessen Planungen Alfred Messel seit 1892 in Anspruch genommen hatten.