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Orenstein & Koppel-Arthur Koppel AG & Orenstein und Koppel-Verwaltung

Obj.-Dok.-Nr.: 09031253
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Tempelhofer Ufer
Hausnummer: 23 & 24
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Verwaltungsbau
Datierung: 1913
Umbau: 1965
Entwurf: Cremer und Wolffenstein (Architektengemeinschaft)
Bauherr: Orenstein und Koppel

Am Tempelhofer Ufer befand sich ein bedeutender Fabrik- und Verwaltungsstandort der 1876 gegründeten Feldbahnen- und Maschinenbaufirma Orenstein & Koppel. Bereits in den 1880er Jahren wurde in der Trebbiner Straße, nahe dem Anhalter Güterbahnhof, die erste Lokomotivenwerkstatt eingerichtet, in der später auch eigene Lokomotiven und Schienen gefertigt wurden. Arthur Koppel, der 1885 aus der gemeinsamen Firma ausgetreten war und ein eigenes Exportgeschäft für Feldbahnen gegründet hatte, richtete 1885 auf einem von der Norddeutschen Gummi- und Guttapercha-Waren-Fabrik gemieteten Gebäude am Tempelhofer Ufer 17 eine eigene Fabrikationsstätte ein. Die beiden Firmenzweige, die Aktiengesellschaft für Feld- und Kleinbahnen-Bedarf vorm. Orenstein & Koppel und die Arthur Koppel AG, teilten sich fortan das Geschäft. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ließen die beiden Unternehmensteile, die 1908 zur Orenstein & Koppel - Arthur Koppel AG vereinigt wurden, östlich des Anhalter Güterbahnhofs einen neuen Unternehmenssitz errichten. (1) Unter Verwendung schon bestehender Gebäude entstand eine weitläufige, in die Blockrandbebauung integrierte Anlage, die sechs Höfe umschloss. Davon blieben zwei Bauten am Tempelhofer Ufer 23-24 und in der Möckernstraße 120 erhalten, die beide vom renommierten Architekturbüro Cremer & Wolffenstein errichtet wurden. (2) Im 1913 fertig gestellten Verwaltungsgebäude Tempelhofer Ufer 23-24 war bis Anfang der 1950er Jahre die Hauptverwaltung der Aktiengesellschaft untergebracht. Mit dem imposanten Gebäude setzten Orenstein & Koppel einen beeindruckenden Akzent am Landwehrkanal. Die weitgespannte Schaufront antwortete der mächtigen Straßenfassade des Land- und Amtsgerichts auf der gegenüberliegenden Uferseite. Die gewünschte repräsentative Wirkung erzielten Cremer & Wolffenstein, indem sie die Fassade als Palastfront in neoklassizistischen Formen gestalteten. Der Bau unterscheidet sich von den umgebenden Mietshäusern nicht nur durch seine schiere Größe, sondern auch typologisch und stilistisch. Den besonderen Anspruch unterstreichen die sorgfältig gearbeitete Natursteinfassade und die Vorgartenzone. Die fünfgeschossige Front hatte im Grundriss der zweifach geknickten Baufluchtlinie zu folgen. Dessen ungeachtet wirkt die Fassade klar und straff strukturiert. Symmetrie und zweischichtiger Aufbau sind die bestimmenden Gliederungsmerkmale. Dominierendes gestalterisches Motiv ist der dreiachsige Mittelrisalit mit dem dorischen Portikus und dem mächtigen Dreiecksgiebel. Einen vereinheitlichenden Effekt haben die flächigen Wandvorlagen in den oberen Geschossen. Auf die Erzeugnisse und den internationalen Rang der Firma verweist symbolhaft der Bauschmuck, etwa die im Tympanon eingelassene Weltkugel, auf der ursprünglich eine kleine Feldbahn fuhr, oder das Relief mit dem Löwen, dessen Pranken ein geflügeltes Rad halten. Der Bauschmuck zeigt sich heute in reduziertem Zustand. So fehlen die vier überlebensgroßen, von Ernst Westphal gefertigten Figuren über dem Haupteingang. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre erfolgte ein wenig einfühlsamer Umbau mit Abriss der noch vorhandenen Seitenflügel und Quergebäude. Dabei wurde auch das Vorderhaus im Innern modernisiert. (3)


(1) Die 1876 gegründete Firma verfügte bereits um die Jahrhundertwende in mehreren Städten Europas über Produktionsstandorte und zudem über Verkaufsniederlassungen in aller Welt. 1998 ist die O & K Mining GmbH im Terex-Konzern aufgegangen. Zu Firmengeschichte vgl. Orenstein & Koppel - Arthur Koppel Actiengesellschaft. Denkschrift anlässlich der Fertigstellung der 5000. Lokomotive, Berlin 1913; Bengs, Carsten: Orenstein & Koppel. 125 Jahre Baumaschinen, Lokomotiven, Traktoren, Brilon 2002.

(2) Orenstein & Koppel - Arthur Koppel Actiengesellschaft. Denkschrift anlässlich der Fertigstellung der 5000. Lokomotive, Berlin 1913, S. 9, 21-22; Berliner Architekturwelt 17 (1915), S. 399-401; Cremer & Wolffenstein. Königliche Geheime Bauräte, Berlin 1915, S. 36; Dehio Berlin 2006, S. 308.

(3) An die Stelle der früheren Seitenflügel und Quergebäude setzten die Architekten Eckart Muthesius und Klemens Weigel einen mittig angeordneten Kubus in Rahmenbauweise.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 366 f.