denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Martin-Gropius-Bau

Obj.-Dok.-Nr.: 09031246
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Niederkirchnerstraße
Hausnummer: 7
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Museum
Datierung: 1877-1881
Umbau: 1978-1981 & 1998-1999
Entwurf: Gropius, Martin Carl Philipp (Architekt)
Entwurf: Kampmann, Winnetou & Weström, Ute (Architekt)

Die Stresemannstraße (früher Königgrätzer Straße) stellt die westliche Begrenzung der südlichen Friedrichstadt dar. An der Straßenachse bildete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Museumsquartier heraus, zu dem das Kunstgewerbe-Museum mit Unterrichtsanstalt und Bibliothek sowie das Museum für Völkerkunde gehörten.

Davon ist allein der Martin-Gropius-Bau in der Niederkirchnerstraße 7/Stresemannstraße 110 erhalten. Das Ausstellungsgebäude wurde 1877-81 nach Entwürfen der Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden als Kunstgewerbe-Museum errichtet. Die Anregung zum Bau des Museums kam von dem bereits 1867 gegründeten Verein Deutsches Gewerbemuseum, zu dessen Mitgliedern auch Gropius zählte. (1) Ziel des Vereins war die Hebung von Qualitätsstandards kunsthandwerklicher Erzeugnisse durch Unterricht und Ausstellung einer Vorbildsammlung. Das größtenteils staatlich finanzierte Gebäude sollte die Sammlung und die Bibliothek des Museums und darüber hinaus die angegliederte Kunstgewerbeschule aufnehmen. Der Martin-Gropius-Bau gehört zu den bedeutendsten Museumsbauten Deutschlands aus dem 19. Jahrhundert.

Das Ausstellungshaus leitet die hochrangige, repräsentative Bebauung beiderseits der Niederkirchnerstraße ein. Das palazzoartige Gebäude ist ein herausragendes Werk der späten Schinkelschule. Seine streng kubische Baukörperausbildung, der dreizonige Fassadenaufbau und die spezifische Ausformung der Fenster weisen deutliche Bezüge zur 1832-33 errichteten Bauakademie von Karl Friedrich Schinkel auf. Zugleich ist der Bau auch der Architekturlehre Gottfried Sempers verpflichtet. Architektur, Bauplastik und Malerei vereinen sich zu einem anspruchsvollen Gesamtkunstwerk, das in anschaulicher Weise die ursprüngliche Gebäudenutzung spiegelt. "Das Ausstellungsgebäude selbst war als ein architektonisches Vorbild gedacht, das durch die Anwendung verschiedenartiger Herstellungsverfahren viele handwerkliche Zweige erfassen und in einer großartigen Komposition miteinander vereinen sollte." (2) Die zeitgenössische Architekturkritik definierte das Kunstgewerbemuseum als einen "Schöpfungsbau ersten Ranges". (3)

Das freistehende, viergeschossige Gebäude prägt den Stadtraum im Bereich von Niederkirchner- und Stresemannstraße. Der kompakte Bau wurde über quadratischem Grundriss unter nahezu vollständiger Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Grundstücks errichtet. Seine breit gelagerten Fassaden zeigen allseitig einen annähernd gleichartigen, äußerst reich geschmückten Aufbau. Besonders hervorgehoben wurde dabei die Nordfassade mit Haupteingangsbereich und Unterfahrt. Während die Nord- und Südfassade jeweils siebenachsig und um eine zentrierende Mittelachse angelegt wurden, zeigen West- und Ostfassade einen der Bauakademie verwandten achtachsigen Aufbau ohne besondere Mittenbetonung. Die Erdgeschosszone wurde als Sockelgeschoss angelegt und mit belgischem Granit verkleidet. Erstes und zweites Obergeschoss wurden erkennbar als Hauptgeschosse behandelt und durch eine Verblendung aus gleichmäßig angeordneten, horizontalen Streifen hell- und dunkelroter Klinker gestalterisch zusammengefasst. Ein Schmuckfries trennt diese Zone vom darüberliegenden Mezzaningeschoss, dessen üppiger Mosaikschmuck Teil des ikonografischen Programms ist und den Bau in besonderer Weise kennzeichnet. Den oberen Abschluss bildet ein weit vorkragendes Kranzgesims aus Terrakotta. In den Hauptgeschossen wird das Gebäude, auch hierin der Bauakademie folgend, über dreigeteilte Fenster großen Formats belichtet. Ein gleichermaßen prägendes Motiv sind die flachen Dreiecksgiebel der Fenster des zweiten Obergeschosses. Der strengen Gliederung der Fassaden entspricht im Innern die klare Anordnung der Grundrisse. Alle Räume wurden um einen großen, von Galerien umsäumten Lichthof gruppiert. Von Nord nach Süd erfolgt die Erschließung über eine axial angelegte, monumentale Raumfolge aus Vorsaal, Vestibül, Lichthof und Haupttreppenhaus. Dabei wird die sukzessive Steigerung der Raumeindrücke durch die ebenso reichhaltige wie sorgfältige Ausstattung der Räume noch erhöht. An der Ausführung und der dekorativen Ausstattung des Museums wirkten namhafte Künstler und Kunsthandwerker mit, darunter Otto Lessing, Ludwig Brunow, Rudolf Siemering, Louis Sussmann Hellborn, Otto Geyer und Emil Hundrieser. Die hervorragenden Terrakottareliefs lieferte die Tonwarenfabrik Ernst March.

Bereits kurz nach der Jahrhundertwende wurde das Museum durch ein auf dem östlichen Nachbargrundstück errichtetes Lehrgebäude baulich ergänzt. Ab 1922 wurde der Martin-Gropius-Bau durch das benachbarte Völkerkundemuseum genutzt. 1945 durch Kriegseinwirkungen schwer beschädigt und danach lange Zeit abrissgefährdet, erfolgte der Wiederaufbau erst 1978-81 durch Winnetou Kampmann und Ute Weström. (4) Nach technischem Ausbau und Wiederherstellung des nördlichen Haupteingangs in den Jahren 1998-99 durch das Architekturbüro Hilmer und Sattler dient das Gebäude heute als Ausstellungshaus und Sitz verschiedener Kulturinstitutionen.


(1) Deutsche Bauzeitung 13 (1879), S. 523; Deutsche Bauzeitung 14 (1880), S. 426 ff.; Zeitschrift für Bildende Kunst 16 (1881), S. 742-744; Baugewerks-Zeitung 13 (1881), S. 748-750; Das Kunstgewerbemuseum zu Berlin. Festschrift zur Eröffnung des Museumsgebäudes, Berlin 1881; Bekiers, Andreas/Schütze, Karl-Robert: Zwischen Leipziger Platz und Wilhelmstraße. Das ehemalige Kunstgewerbemuseum zu Berlin und die bauliche Entwicklung seiner Umgebung von den Anfängen bis heute, Berlin 1981; Beier, Rosmarie/Koschnick, Leonore: Der Martin-Gropius-Bau. Geschichte und Gegenwart des ehemaligen Kunstgewerbemuseums, 2. Aufl., Berlin 1988; Berlin baut 5. Der Martin-Gropius-Bau, Berlin 1988; Klinkott 1988, S. 292-302; Spode, Hasso: Das Kunstgewerbemuseum und die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums. In: Geschichtslandschaft Berlin 1994, S. 21-51; Martin-Gropius-Bau. Die Geschichte seiner Wiederherstellung, hrsg. v. Winnetou Kampmann und Ute Weström, München-London-New York 1999; Dehio Berlin 2006, S. 303-305.

(2) Klinkott 1988, S. 292.

(3) Zentralblatt der Bauverwaltung 2 (1882), S. 380.

(4) Dabei wurde der Haupteingang an die Südseite verlegt, da die Nordseite des Gebäudes unmittelbar an der Sektorengrenze lag. Nach Abschluss der Wiederherstellungsarbeiten wurde der Bau für Großausstellungen genutzt. Zugleich hatten hier bis vor einigen Jahren die Berlinische Galerie, das Jüdische Museum im Stadtmuseum und das Werkbundarchiv ihren Sitz.

Literatur:
  • BusB II/III 1896 / Seite 223-227
  • BusB V A 1983 / Seite 54
  • Spode, Hasso/ Das Kunstgewerbemuseum und die Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums =Geschichtslandschaft, Kreuzberg, 1994 / Seite 21-51
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 152 ff.