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Hochbahnhof Schlesisches Tor

Obj.-Dok.-Nr.: 09031242
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Skalitzer Straße & Schlesische Straße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bahnhof (U)
Datierung: 1898-1901
Entwurf: Grisebach und Dinklage (Architektengemeinschaft (?))
Bauherr: Siemens und Halske

An ihrem östlichen Ende knickt die Skalitzer Straße nach Nordosten ab, wobei sie sich zu einem rechteckigen Platz aufweitet. Das Zentrum der platzartigen Fläche besetzt der in reichen Neorenaissanceformen erstellte Hochbahnhof Schlesisches Tor, Skalitzer Straße und Schlesische Straße. Der 1899-1901 ausgeführte Bahnhof geht auf Pläne der Architektengemeinschaft Grisebach & Dinklage zurück. (1) Mit seinem Namen erinnert der Bahnhof an das frühere Stadttor, das sich an dieser Stelle bis zum Abriss der alten Zollmauer befand. Der Bahnhof gehört zum Ostteil der Stammstrecke der Hoch- und Untergrundbahn (heute U1). Während die Mehrzahl der Stationen dieser Linie als schlichte Ingenieurbauwerke auf der Grundlage eines Typenentwurfs ausgeführt wurden, erhielt der Hochbahnhof am Schlesischen Tor entsprechend seiner besonderen Stellung im Stadtraum eine anspruchsvoll gestaltete bauliche Hülle. Er wurde nicht als nüchterne Stahl-Glas-Konstruktion, sondern in Massivbauweise errichtet. Die individuelle Formgebung und die exponierte Stellung im Stadtraum machen den Bahnhof zu einem Gebäude mit hoher identitätsstiftender Wirkung. Aufgrund technischer Erfordernisse konnten die Architekten den Hochbahnhof nicht exakt in die Längsachse des Platzes stellen. Die leichte axiale Verschwenkung beeinträchtigt die Gesamtwirkung des reich gruppierten Baus jedoch nicht, sondern unterstützt vielmehr die malerische Anmutung. Der Bahnhof wurde zweigleisig und mit Seitenbahnsteigen unter separaten Dächern angelegt. Auffällig sind die äußerst lebhafte, asymmetrische Fassadenabwicklung, die vielfach variierte Dachlandschaft und der unregelmäßige Grundriss. Die Fassaden zeigen einen zweigeschossigen Wandaufbau, wenngleich der Bau im Innern in Teilen dreigeschossig angelegt wurde. Das rote Sichtmauerwerk wird durch reichhaltige Gliederungselemente und plastischen Bauschmuck aus Sandstein wirkungsvoll belebt. Die Anfertigung des Bauschmucks übernahm der Bildhauer Heinrich Giesecke. Das Erdgeschoss wurde nach Maßgabe eines sorgfältig durchdachten Raumkonzepts angelegt. Auf der Ostseite legten Grisebach & Dinklage die Eingangshalle mit der einzigen Erschließungstreppe an, während auf der westlichen Seite ein großes Bahnhofsrestaurant untergebracht war. Mehrere kleine, hauptsächlich von der Straße zugängliche Ladeneinheiten vervollständigen das Raumprogramm. (2) Auch die Innenräume waren ursprünglich reich ausgestaltet. Sie waren mehrheitlich überwölbt und wie etwa im Deckenbereich der Eingangshalle prunkvoll ausgemalt. Nach dem Mauerbau war der Bahnhof Schlesisches Tor lange Zeit Endstation der Linie 1. Bei der grundlegenden Sanierung, die 1980-84 erfolgte, wurde unter anderem die aufwendige Farbgestaltung der Eingangshalle mit den vergoldeten Nietenknöpfen der Deckenträger in Teilen wieder hergestellt. (3)


(1) BusB X B (1), S. 102-103, dort weitere Literaturangaben; Bohle-Heintzenberg 1980, S. 45-46. Für die Gestaltung des Bahnhofs ließ die Hochbahngesellschaft einen internen Wettbewerb ausschreiben. Als Ergebnis des Wettbewerbs wurden die Architekten Hans Grisebach und August Georg Dinklage mit der Planung beauftragt, vgl. hierzu Bohle-Heintzenberg 1980, S. 45.

(2) Im Kern sind die Grundrisse und auch die baufesten Ausstattungsbestandteile trotz mehrfacher Nutzungsänderungen bis heute unverändert erhalten.

(3) Maier, Helmut: Schlesisches Tor. Premierenbahnhof damals - heute, Berlin 1985.

Literatur:
  • BusB X B 1 1979 / Seite 102
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 258 f.