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Axel-Springer-Verlag

Obj.-Dok.-Nr.: 09031173
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Axel-Springer-Straße
Hausnummer: 65
Strasse: Zimmerstraße
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Verlagshaus
Datierung: 1960-1966
Entwurf: Bega und Franzi (Architektengemeinschaft)
Entwurf: Sobotka und Müller (Architektengemeinschaft)
Bauherr: Axel Springer und Sohn

Auf dem Grundstück, das vor dem Zweiten Weltkrieg das Verlagshaus Scherl genutzt hatte und schräg gegenüber dem früheren Standort des Ullstein-Verlags errichtete der Axel-Springer-Verlag 1959-66 ein großräumiges Verlagshochhaus in der Axel-Springer-Straße 65. Mit dem Gebäudekomplex knüpfte der Verleger Axel Springer an die Tradition des alten Zeitungsviertels im Umfeld der Kochstraße an. Die Errichtung des Verlagshauses war ein bedeutender Beitrag zum Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg massiv zerstörten südlichen Friedrichstadt. Axel Springer zufolge sollte die Standortentscheidung aber auch als Appell an die Einheit Berlins und Deutschlands verstanden werden, weshalb das Verlagsgebäude als "Symbol der freien westlichen Welt" unmittelbar an die Sektorengrenze gesetzt wurde. Der Ausführung war 1958 ein interner Wettbewerb vorausgegangen. Mit der Planung wurden schließlich das italienische Architektenteam Melchiorre Bega und Gino Franzi sowie die Berliner Architekten Franz Heinrich Sobotka und Gustav Müller beauftragt. (1) Nach seiner Fertigstellung galt der Komplex als das größte und modernste Verlagshaus in Europa. Von der umfangreichen Anlage, die den gesamten Baublock zwischen Koch- und Zimmerstraße einnahm, steht nach erheblichen baulichen Umgestaltungen und Erweiterungen heute nur noch das Hochhaus. (2)

Die 66 Meter hohe Hochhausscheibe mit neunzehn Geschossen bildete nach ihrer Errichtung das Markenzeichen des Verlags. Sie stellte eine wichtige Höhendominante im Bereich der Sektorengrenze dar. Den zeitgenössischen Vorstellungen einer aufgelockerten Bauweise folgend wurde das Hochhaus auf schmalrechteckigem Grundriss zehn Meter hinter der ursprünglichen Baufluchtlinie quer zur Kochstraße angeordnet. Die golden schimmernde Vorhangfassade aus eloxierten Aluminiumplatten sorgte für ein elegantes Erscheinungsbild. Die fensterlosen, konkav nach innen gezogenen kurzen Stirnseiten wurden glattflächig mit Blechen hochrechteckigen Formats verkleidet. West- und Ostseite sind als Rasterfassaden ausgebildet und zeigen eine charakteristische, von der gebräuchlichen flächigen Verkleidung abweichende Plastizität. Die Fenster wurden in die Fassade zurückgestaffelt; ihre quadratischen Rahmungen sind gewändeartig ausgebildet. Die ersten zwei Etagen wurden als Sockel ausgebildet und das abschließende, deutlich höher geführte Obergeschoss gestalterisch hervorgehoben. Dem Hochhaus liegt eine Mischkonstruktion zugrunde. Dabei wurden Stahlstützen mit Stahlbetonlängsträgern und Querträgern in Skelettbauweise zusammengefügt. Die Etagen können deshalb je nach Bedarf als Großraumbüros genutzt oder mit separierten Büroräumen bestückt werden. Aufzüge und Nottreppenhäuser befinden sich in drei massiv ausgeführten Stahlbetonkernen. Im Gebäude sind die Verlagsbereiche und Redaktionen verschiedener Zeitungen des Axel-Springer-Verlags untergebracht. In den obersten Geschossen befinden sich eine aufwendig ausgestattete Clubetage und eine weitläufige Wohnung.

Auf Ost-Berliner Seite war das Springer-Hochhaus mit seiner bronzefarbenen Verkleidung weithin sichtbar. Der Axel-Springer-Verlag nutzte die Höhendominante als Werbeträger für die Zeitungen "Bild" und "Die Welt" und als gebautes Sinnbild für die Modernität und freiheitliche Gesinnung des Westens. Die Bevölkerung in Ost-Berlin konnte auf dem Dach in Leuchtschrift die aktuellen Nachrichten der westlichen Presse lesen. Die DDR-Regierung versuchte, die Einflussnahme zu verhindern, in dem an der Leipziger Straße in Berlin-Mitte in den 1970er Jahren eine Hochhausreihe errichtet wurde, die das Springer-Hochhaus vom Ost-Berliner Stadtzentrum abschirmte.

1992-94 wurde dem Hochhaus an seiner östlichen Seite ein gleichfalls neunzehngeschossiges Gebäude nach Plänen von Gerhard Stössner angefügt.


(1) Sobotka und Müller. Bauten - Projekte, Tübingen 1964, S. 86-107; Bauwelt 63 (1966) 41, S. 1139-1152; BusB IX, S. 179-181, 217.

(2) 1992-94 wurde dem Hochhaus an seiner östlichen Seite ein gleichfalls neunzehngeschossiges Gebäude nach Plänen von Gerhard Stössner angefügt. Für die Neugestaltung des kompletten Baublocks wurden dann bis zum Jahre 2000 weite Teile der denkmalgeschützten Substanz geopfert. Druckerei, Setzerei und die ehemalige repräsentative Eingangshalle an der Kochstraße wurden abgerissen. Die an ihrer Stelle bis 2004 errichteten Neubauten gehen auf Entwürfe des Londoner Büros RWHL zurück. Das ursprüngliche städtebauliche Konzept wurde dabei negiert. Die Neubauten wurden zum großen Teil in Blockrandbebauung ausgeführt. Zugleich wurde der Haupteingang in die Axel-Springer-Straße verlegt.

Literatur:
  • BusB IX 1971 / Seite 21, 179-181
  • Bauwelt 57(1966)41 / Seite 1139-1152
  • Sobotka und Müller/ Bauten - Projekte II, Verlag E. Wasmuth, Tübingen 1964 / Seite 86-107
  • Berlin, 6. Oktober 1966. Reden zur Einweihung des Verlagshauses Axel Springer Berlin in
    Die Welt, Hamburg 1966 / Seite .
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 151 f.