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Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker

Obj.-Dok.-Nr.: 09031131
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Dudenstraße
Hausnummer: 10
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Geschäftshaus
Datierung: 1924-1926
Umbau: 1951
Entwurf: Taut, Max (Architekt)
Entwurf: Bernhard, Karl (Architekt)
Ausführung: Hoffmann, Franz
Bauherr: Verband der Deutschen Buchdrucker

In der Nachbarschaft liegen ein Verbandshaus und eine Wohnanlage, die eng mit der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung verknüpft sind.

Als ein Markstein des Neuen Bauens gilt das Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker in der Dudenstraße 10, das 1924-26 von Max Taut und Franz Hoffman errichtet wurde. (1)

Der 1866 gegründete Verband der Deutschen Buchdrucker war die führende, der Sozialdemokratie nahestehende Druckergewerkschaft. Das neue Verbandshaus sollte neben Wohnungen den Sitz des Vorstands, die Redaktionen der Verbandspublikationen, den Bildungsverband der Deutschen Buchdrucker, die 1924 gegründete und zum Verband gehörende Büchergilde Gutenberg, umfangreiche Druckerwerkstätten und den Buchgewerbesaal für Ausstellungen und Fortbildungen zum Druckereigewerbe aufnehmen. 1933 wurde der Verband von den nationalsozialistischen Machthabern als freie Gewerkschaft aufgelöst und das Haus beschlagnahmt. Nach 1945 kam es wieder in Gewerkschaftsbesitz und gehört heute der Gewerkschaft Ver.di, in der die Nachkriegsgewerkschaften IG Druck und Papier, später IG Medien aufgegangen sind.

Max Taut hat mehrfach für gewerkschaftliche Organisationen gebaut, das Bürohaus des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes von 1922-23 in der Wallstraße 61-65 und das Verbandshaus des Deutschen Verkehrsbundes von 1927-32 am Engeldamm 70 stammen zum Beispiel von ihm.

Die Architekten Max Taut und Franz Hoffman setzten mit dem Verbandshaus sowohl konstruktiv als auch gestalterisch neue Maßstäbe. Wegen der anspruchsvollen Bauweise erwies sich das Gebäude allerdings als äußerst kostspielig. Für Grundstückserwerb, Planungs- und Ausführungskosten waren annähernd vier Millionen Reichsmark aufzuwenden. Damit war der Bau etwa dreimal so teuer wie das Dessauer Bauhaus. (2)

In der Kombination von straßenseitigem Wohnhaus und hofseitigem Verwaltungs- und Druckereigebäude folgt das Gewerkschaftshaus dem traditionellen Schema der Berliner Gewerbehofarchitektur. Taut und Hoffmann gruppierten das Haus in symmetrischer Anordnung um einen weiträumigen quadratischen Innenhof. Die Architektur ist sowohl sachlich als auch expressiv. Gestalterisch bestimmend ist die variable, in Teilen sehr plastische Gliederung und die enorme Material-, Farben- und Formenvielfalt. An der Dudenstraße steht der Wohntrakt für die Verbandsmitglieder, der sich mit seinem gelben Sichtmauerwerk von der angrenzenden Blockrandbebauung abhebt. Über der Hofdurchfahrt prangt in großen Lettern der Namenszug der Druckergewerkschaft. Mit der strengen Symmetriebildung und der klassischen hierarchischen Gliederung, aber auch mit der turmartigen Erhöhung der Seitenbereiche wirkt die Straßenfront überaus repräsentativ. Taut und Hoffmann legten grundsätzlich Wert auf die Betonung der Waagerechten, wofür vor allem die großen querrechteckigen Wandöffnungen und die kräftigen Gesimse sorgen. Auffällig ist die Vielfalt der Fensterformen, die teils als Lochfenster ausgeführt wurden, teils bündig in der Fassade sitzen oder im Bereich der Loggien eine vitrinenartige Gestaltung erhielten. Die Rückfront ist weniger aufwendig gestaltet. In der weiß verputzten Wandfläche bilden gerahmte Fenstersegmente und die mit gelben Klinkern abgesetzten Treppenhäuser eine gefällige Gliederung. Im Innern enthält das Wohnhaus achtzehn Wohnungen. In den Treppenhäusern, Bädern und Küchen sind zahlreiche bauzeitliche Elemente erhalten geblieben.

Das hofseitige Druckereigebäude entstand unter Mitwirkung des renommierten Ingenieurs Karl Bernhard. Während das Vorderhaus weitgehend als traditioneller Mauerwerksbau ausgeführt wurde, entstand die Druckerei als Rahmenbau in Stahlbeton. Die Skelettkonstruktion, die ohne Mittelstützen auskommt, stellte mit ihrer großen Spannweite von 13,50 Metern bei gleichzeitig hoher Belastungsfähigkeit für die damalige Zeit eine bemerkenswerte ingenieurtechnische Leistung dar. Auf diese Weise waren eine variable Einteilung der Etagen und eine ungehinderte Aufstellung der schweren Druckmaschinen möglich. Als geradezu spektakulär empfanden die zeitgenössischen Architekturkritiker jedoch den Umstand, dass Taut und Hoffmann das Tragwerk als vorrangigen Gestaltungsträger einsetzten. Die Architekten ließen die mächtigen Rahmenbinder vor die Fassade treten und erhielten auf diese Weise eine Pfeilerfront strengen Gepräges. Zur Steigerung des Ausdrucks überzog man sowohl die Betonrahmen als auch die ausgemauerten Brüstungsfelder mit einem vereinheitlichenden grauen Putz. Auch innen wurde, wie sich noch heute gut in den ehemaligen Druckereiräumen oder dem zweigeschossigen Sitzungssaal ablesen lässt, die Skelettkonstruktion sichtbar belassen. Erschlossen wird das Druckereigebäude durch zwei Treppenhäuser, deren Ausstattung mit dem gläsernen Aufzug und den farbigen Fliesen erhalten blieb. Im ehemaligen Buchgewerbesaal ist heute noch eine Mediengalerie des Fachbereichs Medien, Kunst und Industrie von Ver.di untergebracht. Nicht überliefert sind allerdings die von dem Bildhauer Rudolf Belling gefertigten Plastiken, die über das gesamte Gebäude verteilt waren. (3)


(1) Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 254-255; Gearbeitet - Gewerkschaftet - Gewohnt. 75 Jahre Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker von Max Taut, hrsg. v. d. IG Medien, Berlin 2000; Rehm, Robin: Max Taut. Das Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker, Berlin 2002; Menting 2003, S. 86-95, 267-270; Blumenthal, Wolfgang/Keller, Elke/Kuba, Karlheinz: Mit den Groschen der Mitglieder. Gewerkschaftshäuser in Berlin 1900 bis 1933, Berlin 2004, S. 186-191; Dehio Berlin 2006, S. 313.

(2) Rehm, Robin: Max Taut. Das Verbandshaus der Deutschen Buchdrucker, Berlin 2002, S. 11-12.

(3) Das Buchdruckerhaus wurden mehrfach instand gesetzt. 1951-54 erfolgte unter Aufsicht von Taut und Hoffmann die Beseitigung der Kriegsschäden. Zwischen 1987 und 1999 führten zunächst Winfried Brenne und Helge Pitz sowie später Georg Wasmuth und Albrecht Rau umfangreiche Sanierungsarbeiten durch. 2010 wurde das Haus durch das Büro Anderhalten Architekten behutsam weiter saniert und brandschutztechnisch ertüchtigt.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 396 ff.