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Palais Eger

Obj.-Dok.-Nr.: 09030690
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Tempelhofer Ufer
Hausnummer: 11
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mietshaus & Remise & Pferdestall
Datierung: 1880-1881
Umbau: 1921-1922 & 1954-1955
Entwurf: Kuthe, Arnold
Bauherr: Eger, Carl & Eger, Paul (Holzhändler)
Entwurf: Knoblauch und Wex (Architektengemeinschaft)
Bauherr: Siemens AG

1880 beauftragten die Holzhändler Carl und Paul Eger die Architektengemeinschaft Knoblauch & Wex mit dem Bau eines herrschaftlichen Wohnhauses auf ihrem Grundstück Tempelhofer Ufer 11. Bereits ein Jahr später konnten die beiden Brüder ihr Palais Eger beziehen. (1) Knoblauch & Wex orientierten sich an den palaisartigen Wohnbauten, wie sie vor allem nach Reichsgründung vermehrt im Innenstadtgebiet entstanden. Aufgrund der beengten Grundstücksverhältnisse mussten diese zumeist in die Blockkante eingefügt werden. Auch das Palais Eger folgt dieser grundsätzlichen Anordnung, da das Tempelhofer Ufer geschlossen zu bebauen war. Gleichwohl stellt der Bau eine Ausnahmeerscheinung dar, denn die Gegend war schon damals, wie die älteren, vier- bis fünfgeschossigen Nachbarhäuser belegen, dem großstädtischen Mietshausbau vorbehalten.

An das Vorderhaus fügten die Architekten einen breiten Seitenflügel mit abschließender Gartenloggia an. Es folgt eine vom Hauptgebäude losgelöste Wagenremise an der rückwärtigen Grundstücksgrenze. Zur Straße hin erhielt das Haus eine Schaufront in zurückhaltenden Neorenaissanceformen. Über dem Sockelgeschoss aus rotem schwedischen Granit lagen zwei verputzte Hauptgeschosse, deren Fenster sich ebenso wie das Portal durch kräftige Sandsteinrahmungen mit geraden Verdachungen auszeichnen. (2) Ihren repräsentativen Abschluss fand die Straßenfront in einem üppigen, aus Terrakotten gebildeten Kranzgesims sowie in einer Dachbalustrade aus Werkstein. (3) Die beiden Hauptgeschosse nahmen je eine Großwohnung für Carl und Paul Eger auf. Die luxuriösen Zwölf-Zimmer-Wohnungen zeigen weitgehend identische Grundrisse. Neuartig war die Anordnung des Küchentrakts und der Bäder zwischen Gesellschafts- und Schlafräumen. Im Souterrain waren neben den Wirtschaftsräumen zwei Wohnungen für den Portier und den Kutscher untergebracht. Das nicht mehr vorhandene Dachgeschoss enthielt Waschküche, Roll- und Plättstube. Noch heute verfügt das Haus zu weiten Teilen über die alten Grundrisse und eine bemerkenswerte Anzahl an Räumen mit historischer Raumfassung, sodass sich hier die gehobene bürgerliche Wohnkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts beispielhaft erleben lässt. Insbesondere nach der 1999-2002 durchgeführten Restaurierung kommt die außerordentliche Pracht der früheren Ausstattung wieder zur Geltung. So besticht etwa das von der Durchfahrt frei zugängliche Haupttreppenhaus durch den Einsatz edler Materialien, darunter Stuckmarmor und echter Marmor. Das Treppenhaus verfügt zudem mit Brunnen und Kandelaber über äußerst kunstfertige Schmiedearbeiten. Repräsentativ wirken auch die Speisesäle mit ihren qualitätvoll gearbeiteten Wand- und Deckenvertäfelungen sowie die Gartensäle mit ihrer Ausmalung im pompejanischen Stil. Selbst die aufwendig gestaltete, aus gelben Ziegeln erbaute Remise lässt eine anspruchsvolle Gestaltung erkennen. Fachwerk, Schieferdach und nicht zuletzt der spitzbehelmte Treppenturm verleihen ihr ein malerisches Aussehen. Das Palais Eger verzeichnet eine wechselvolle Nutzungsgeschichte. 1891 wurde das Haus an Herzog Friedrich von Anhalt verkauft, dessen Sohn Aribert hier bis 1910 wohnte. 1921-22 wurde es in ein Bürogebäude umgewandelt, um vier Etagen aufgestockt und mit einem mächtigen Walmdach versehen. Heute sind hier überwiegend Büros untergebracht. (4)


(1) Berliner Neubauten 15. Wohnhaus der Herren C. und P. Eger, Tempelhofer Ufer 11. In: Deutsche Bauzeitung 34 (1882), S. 195; BusB 1896, Bd. 3, S. 195-196; Bossmann, Annette/Teltow, Andreas: Drei Architekten in Berlin. Eduard Knoblauch 1801-1865, Gustav Knoblauch 1833-1916, Arnold Knoblauch 1879-1963, Ausst.-Kat. Museum im Knoblauchhaus, Berlin 1993, S. 24 ff.

(2) Mit Ausnahme des Portalbereichs ist der Sandstein heute jedoch in der Fassadenfarbe übermalt.

(3) Das Kranzgesims und die Terrakotten sind heute nicht mehr vorhanden.

(4) Ende der 1960er Jahre wurde das Haus als Arbeiterwohnheim für ca. 200 Bewohner hergerichtet, worunter die Innenausstattung erheblich gelitten hat. Schließlich übernahm 1999 die Primus AG das Gebäude und sanierte es denkmalgerecht.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 362 f.