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Stadtbad Kreuzberg & Baerwaldbad

Obj.-Dok.-Nr.: 09030458
Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
Ortsteil: Kreuzberg
Strasse: Baerwaldstraße
Hausnummer: 64 & 65 & 66 & 67
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Bad
Datierung: 1898-1901
Umbau: 1913-1917
Entwurf: Hoffmann, Ludwig Ernst Emil (Architekt)
Entwurf: Neyne, A.
Bauherr: Magistrat Berlin

Mit seinen prunkvollen Neorenaissancefassaden gehört das Stadtbad in der Baerwaldstraße 64-67 zu den baukünstlerisch und städtebaulich anspruchsvollsten Werken, die Stadtbaurat Ludwig Hoffmann in Berlin schuf. (1) Die umfangreiche Anlage entstand in zwei Bauabschnitten. Nachdem man 1898-1901 den südlichen Trakt mit der kleinen Schwimmhalle errichtet hatte, folgte 1913-17 der Erweiterungsbau an der Wilmsstraße/Baerwaldstraße, der eine große Schwimmhalle für Männer enthält. Das Stadtbad ist in die mehrgeschossige Blockrandbebauung auf der Ostseite der Baerwaldstraße eingegliedert. Da die Straße hier als breiter Grünzug angelegt ist, kommen die außergewöhnlich stattlichen Fassaden besonders gut zur Geltung. Durch die Anlage einer Vorgartenzone ließ sich dabei die monumentale Wirkung der Straßenfronten noch einmal effektvoll steigern. Das Stadtbad belegt, dass Hoffmann ein ausgezeichneter Kenner italienischer Baukunst war. Der Stadtbaurat orientierte sich an Stadtpalästen der italienischen Hochrenaissance, bildete die Wandgliederungen und die üppigen Schmuckformen jedoch so aus, dass die Fassaden gut zu den verschachtelten Geschoss- und Raumstrukturen passten, die gleichermaßen Schwimmhallen und lange Flure mit Brause- und Wannenbädern bewältigen mussten. Über dem wuchtigen Sockel mit Bossenmauerwerk aus Wünschelburger Sandstein folgt die glatt verputzte obere Wandzone, die durch Fenstereinfassungen und Schmuckelemente aus Sandstein aufgewertet wurde und als Piano nobile in Erscheinung tritt. Den Bauschmuck fertigten Otto Lessing und Georg Wrba.

Der ältere Bauabschnitt hat den Zweiten Weltkrieg ohne große Zerstörungen überstanden. So blieb innen die eingewölbte Schwimmhalle erhalten, die in ihrer ursprünglichen Raumgestalt und mit den reich detaillierten Ausstattungselementen ein authentisches Bild der ursprünglichen Badekultur vermittelt. Umfangreiche Veränderungen hat es beim zweiten Bauabschnitt gegeben. Das durch Bombentreffer schwer beschädigte Gebäude wurde außen 1953-55 in der alten Gestalt wieder aufgebaut, erhielt aber innen nach Plänen des Kreuzberger Hochbauamts eine komplett neue Schwimmhalle. Trotz ihrer von der Nachkriegsmoderne geprägten Formen fügt sich die neue Hallenkonstruktion gut in die Altbausubstanz ein.


(1) Die städtische Badeanstalt in der Bärwaldstraße. In: Deutsche Bauzeitung 35 (1901), S. 633-635; Stahl, Fritz: Die städtischen Bauten in Berlin. In: Der Baumeister 10 (1902), S. 5-8; Hoffmann, Ludwig: Bad an der Bärwaldstraße und der Wilmsstraße in Berlin. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst 11 (1927), S. 309-314; Döhl 2004, S. 125-126, 233-234, 339-340; Dehio Berlin 2006, S. 300.

Literatur:
  • Topographie Friedrichshain-Kreuzberg/Kreuzberg, 2016 / Seite 337 f.