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Karl-Schrader-Haus

Obj.-Dok.-Nr.: 09030391
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Malplaquetstraße
Hausnummer: 14 & 14A & 14B & 14C & 15 & 15A & 15B & 16 & 16A & 16B
Strasse: Liebenwalder Straße
Hausnummer: 35 & 35A & 36 & 36A
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Wohnblock
Entwurf: 1904
Datierung: 1905-1906
Entwurf: Kristeller und Sonnenthal (Architekt)
Ausführung: Held und Francke (Baufirma)
Bauherr: Berliner Baugenossenschaft GmbH

Das 1904-06 erbaute Karl-Schrader-Haus auf dem gegenüberliegenden Eckgrundstück Malplaquetstraße 14-16B und Liebenwalder Straße 35-36 A gehört zu den beispielgebenden genossenschaftlichen Reformwohnungsbauten des frühen 20. Jahrhunderts. (1) Bauherr war die 1886 gegründete "Berliner Baugenossenschaft eG", die erste sozial orientierte Baugenossenschaft in Berlin, die neben der "Berliner Baugesellschaft" (seit 1848) den Grundstein für die gemeinnützige Wohnungswirtschaft in Berlin gelegt hatte. Die Genossenschaft baute anfangs Familienhäuser in den Berliner Vororten, die jedoch für die einfachen Arbeiterfamilien viel zu teuer waren. Daher wurde beschlossen, in den dicht bebauten Quartieren große Wohnanlagen mit billigen Arbeiterwohnungen zu errichten. Das Karl-Schrader- Haus, benannt nach dem Gründer der Genossenschaft, dem Eisenbahndirektor und Reichstagsabgeordneten Karl Schrader, war das erste Bauvorhaben dieser Art, das die Berliner Baugenossenschaft ausführte. Die von Friedrich Kristeller und Sonnenthal entworfene Wohnanlage orientiert sich um drei begrünte Innenhöfe. Während die meisten Reformwohnungsbauten dieser Zeit noch am geschlossenen Baublock festhielten, öffnet sich hier der mittlere Hof zur Malplaquetstraße, um mehr Wohnungen mit Licht und Luft zu versorgen. Das Karl-Schrader-Haus umfasst 192 Wohneinheiten mit ein bis drei Zimmern, Küche und Innentoilette, die nach einer komplizierten Grundrisslösung angeordnet sind. Die meisten Wohnungen besitzen einen Balkon, sie reichen vom Hof bis zur Straße, so dass eine Querlüftung möglich ist. Die Mitglieder der Genossenschaft konnten Festsaal, Bibliothek und Badeanstalt nutzen. Die Architekten gestalteten vornehme, repräsentative Fassaden, die nicht erkennen lassen, dass das Gebäude sehr kleine Wohnungen enthält. Mit dem geschmiedeten Gitter des Innenhofs, der Streifenquaderung in den unteren Geschossen, den geschmückten Fenstereinfassungen, Erkern und Balkonen, Zierfeldern und Festons gleicht das Karl-Schrader-Haus herrschaftlichen Wohngebäuden im Berliner Westen. Den hohen gesellschaftlichen Anspruch bezeugen nicht zuletzt die reichen Jugendstilornamente, zum Beispiel stilisierte Masken, Frauenköpfe und Girlanden. Der städtebaulich wirksame Kopfbau an der Straßenkreuzung, flankiert von turmartigen Erkern mit geschwungenen Dachhauben (2) , beherrscht den kleinen dreieckigen Stadtplatz, an dem Amsterdamer Straße, Liebenwalder Straße und Malplaquetstraße aufeinandertreffen.


(1) 75 Jahre Berliner Baugenossenschaft eGmbH [Innentitel: 1886-1961. Festschrift der Berliner Baugenossenschaft ... anläßlich ihres 75jährigen Bestehens am 16. Mai 1961]. Berlin 1961, S. 12-14; BusB IV A, S. 240; BusB IV B, S. 142-143; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 135, 137; Schimmler 1985, S. 72. Eisenbahndirektor Karl Schrader, Mitbegründer der Berliner Baugenossenschaft eG, lebte von 1834 bis 1913.

(2) Das Karl-Schrader-Haus wurde 1980-84 umfassend modernisiert und restauriert. Dabei hat man auch die zerstörten Dachaufsätze der Erker wiederhergestellt.

Literatur:
  • BusB IV B 1974 / Seite 142f.
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 213