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Postamt N 65

Obj.-Dok.-Nr.: 09030380
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Gerichtstraße
Hausnummer: 50 & 51
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Post
Datierung: 1926-1928
Entwurf: Tietze, Wilhelm (Architekt)
Entwurf: Reger (Bildhauer)
Ausführung: Held und Francke
Bauherr: Deutsche Reichspost

Die Gerichtstraße verbindet Müllerstraße und Nettelbeckplatz, begrenzt dabei den dreieckigen Max-Josef-Metzger-Platz und erschließt den Urnenfriedhof Wedding. Gegenüber dem Eingang zum Krematorium, an der Gerichtstraße 50-51, errichtete Postbaurat Wilhelm Tietze 1926-28 das Postamt N 65, ein sachliches Gebäude, das sich durch eine differenzierte Fassadengestaltung auszeichnet. (1) Der mit Backstein verblendete Stahlskelettbau besteht aus einem Vorderhaus an der Gerichtstraße, dem anschließenden Mittelflügel und einem Quergebäude. Der Außenbau bietet kaum einen Hinweis auf die Nutzung. Die in sich ruhende Straßenfront ist symmetrisch gegliedert und mit gleichförmigen Fensterreihen besetzt. In den oberen Geschossen öffnen sich breite Metallfenster, mit denen das Postamt wie ein Fabrikgebäude wirkt. Wilhelm Tietze gelang es aber, allein mit Backstein und Terrakotta eine ausdrucksstarke, subtil durchdachte Relieffassade zu schaffen. Die quadratischen Sprossenfenster der beiden unteren Geschosse sind durch Wandstreifen aus vor- und zurückgesetzten Backsteinlagen verbunden. Dann folgt ein Gesimsstreifen aus vorgemauerten, unregelmäßig strukturierten Tonplatten, die sich zu einem expressiven Dekor vereinen. Die Fenster der drei oberen Geschosse sind beiderseits von Reliefplatten eingefasst, die eine ganz unregelmäßige Randkontur ergeben. Ohne historische Vorbilder zu zitieren, wurde hier eine eigenständige abstrakte Reliefkunst entwickelt, die allein durch graphische und plastische Elemente eine lebendige Ausstrahlung entfaltet. Der künstlerische Entwurf stammt von Walter Reger, der auch den stilisierte Reichsadler über dem Haupteingang schuf. Der Haupteingang führt in die Schalterhalle im Mittelflügel, die man in der Nachkriegszeit mehrfach umgebaut hat.


(1) Martens, J.: Neuere Baukeramik. in: Deutsche Bauzeitung 64 (1930), S. 563; Gnewuch, Gerd und Roth, Kurt: Aus der Berliner Postgeschichte. Berlin 1975, S. 18, 48, 52-53, 81, 128; BusB X B (4), S. 75, 192-193; Jaeger, Falk: Posthorn & Reichsadler. Die historischen Postbauten in Berlin. Berlin 1987, S. 187-189; Dehio Berlin 2000, S. 477.

Literatur:
  • BusB X B 4 1987 / Seite 75, 192f.
  • Jaeger/ Posthorn und Reichsadler, 1987 / Seite 186-189
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 183