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Mietshaus & Gewerbebau Osloer Straße 116A

Obj.-Dok.-Nr.: 09030309
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Gesundbrunnen
Strasse: Osloer Straße
Hausnummer: 116A
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Mietshaus & Gewerbebau
Datierung: 1910-1911
Umbau: 1914-1916 & 1915-1918
Entwurf & Ausführung: Georg Heyer (Baugeschäft)
Bauherr: Hasse und Wrede (Werkzeugmaschinen)

Die 1897 in der Fennstraße im Wedding gegründete Werkzeugmaschinenfabrik Carl Hasse & Wrede ließ sich 1910 auf dem Grundstück Osloer Straße 116 A nieder. (1) Georg Heyer errichtete für das Unternehmen 1910-11 ein Wohn- und Geschäftshaus an der Osloer Straße, an das sich ein Gewerbehof anschließt. Am stattlichen Vorderhaus kann man nicht erkennen, dass in den rückwärtigen Bauten eine Fabrik untergebracht war. Mit einem hohen Walmdach und einem dominanten Dreiecksgiebel in der Mittelachse hebt sich das fünfgeschossige Gebäude von den umliegenden Mietshäusern ab. Wie man an der räumlich gestuften, durch Balkone und Loggien lebendig gegliederten Straßenfassade sehen kann, löste sich Georg Heyer von dem starren Mietshausschema, um die Wohnqualität zu verbessern. Die beiden Hauseingänge erhielten eine ungewohnt reiche neoklassizistische Ausstattung. Die Wandfelder unter dem kassettierten Tonnengewölbe sind unten mit Marmor verkleidet und darüber mit ornamentalen Kartuschen verziert.

Die seitliche Einfahrt führt zum vorderen Fabrikhof, der von einem fünfstöckigen Fabrikgebäude begrenzt wird. Dessen Fassade zeichnet sich durch eine strenge vertikale Ordnung aus. Die Wandpfeiler zwischen den weit geöffneten Fensterachsen sind mit weißen glasierten Klinkern verkleidet. Auf die industrielle Nutzung deuten die Reliefs der Brüstungsflächen, die, der traditionellen Ikonographie folgend, Handwerksgeräte und Maschinen abbilden, zum Beispiel Zahnräder mit Transmissionsketten oder Amboss, Zange und Hammer. Carl Hasse & Wrede lieferte Werkzeugmaschinen und Drehbänke für die Herstellung von Munition. Im Ersten Weltkrieg wurde die Fabrikation beträchtlich ausgeweitet. Der kriegswichtige Betrieb ließ an das erste Fabrikgebäude 1914-16 einen Seitenflügel anbauen. Der hintere Fabrikhof wird von einem zweistöckigen Nebengebäude und einer 1915-18 erbauten Lagerhalle umschlossen. Über den Hallenraum, eingefasst von doppelten Lagergeschossen, spannt sich eine beeindruckende Stahlkonstruktion. Das dreiseitig gebrochene Dach ist vollständig verglast. Für Carl Hasse & Wrede wurde 1940-41 in Berlin-Marzahn eine riesige Maschinen- und Munitionsfabrik errichtet. (2) Das Gebäude an der Osloer Straße wurde bis 2002 zu einem Hotel umgebaut.


(1) Matthes 1935, S. 74-75.

(2) Terlau-Friemann, Karoline: Das Industriedenkmal Hasse & Wrede (heute Knorr-Bremse). in: Die Denkmale in Berlin. Bezirk Marzahn. Biesdorf - Friedrichsfelde Ost - Marzahn. Berlin 2000, S. 131-133.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 146