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Rathaus Wedding

Obj.-Dok.-Nr.: 09030306
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Müllerstraße
Hausnummer: 146 & 147
Strasse: Genter Straße
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Rathaus
Entwurf: 1925
Datierung: 1929-1930
Umbau: 1964-1966
Entwurf: Hellwig, Friedrich (Architekt)
Entwurf: Bornemann, Fritz (Architekt)
Ausführung: Union Baugesellschaft auf Aktien
Bauherr: Bezirksamt Wedding

Das Rathaus Wedding an der Müllerstraße 146-147, nahe dem Leopoldplatz, ist von außen kaum als Rathaus zu erkennen. (1) Friedrich Hellwig errichtete das Verwaltungsgebäude 1928-30 für das Bezirksamt des 1920 gegründeten Bezirks Wedding. Der Neubau war notwendig geworden, weil das Stadtviertel, das seit 1862 zu Berlin gehörte, weder ein eigenes Rathaus noch eigene Verwaltungseinrichtungen besaß. Das blockhafte, schlichte, mit roten Klinkern verkleidete Gebäude gehört zu den wenigen kommunalen Bauten, die in Berlin während der Weimarer Republik entstanden. Friedrich Hellwig ließ sich konsequent von der Architektur der Neuen Sachlichkeit leiten. Die nüchterne Fassade wird durch gleichmäßig aufgereihte Rechteckfenster gegliedert. Bis auf ein kleines steinernes Wappen an der Straßenecke ist das Gebäude völlig schmucklos. Um Geld zu sparen, wurde auf einen Rathausturm verzichtet, wie er bisher für kommunale Verwaltungsbauten üblich war. An der Müllerstraße führt ein wenig hervorgehobener Eingang in die niedrige, lediglich als Verteilerraum angelegte Eingangshalle. Die Wände sind mit gelben und grünen Keramikplatten verkleidet, während im Boden ein Mosaik mit dem Berliner Wappen zu sehen ist. (2) Beachtung verdienen die Kandelaber der seitlichen Treppenaufgänge, die aus leuchtenden gestaffelten Türmen und einer aufgesetzten Kugellampe bestehen. Im Innenhof ist der alte Bezirksverordnetensaal angeordnet. Das Rathaus wurde 1964-66 von Fritz Bornemann um ein freistehendes zwölfgeschossiges Hochhaus und einen neuen Bezirksverordnetensaal erweitert. Der Stahlbetonskelettbau wurde außen mit Betonfertigteilen verkleidet. Dem Hochhaus ist der aufgeständerte Sitzungssaal der Bezirksverordnetenversammlung vorgelagert, der zu den herausragenden Beispielen der modernen Nachkriegsarchitektur gehört. Der kubische, von Betonstützen getragene Bau vermittelt den Gedanken einer transparenten Demokratie, indem die Wände an drei Seiten vollständig verglast sind. Die um einen großzügigen Platz an der Müllerstraße gruppierten Alt- und Neubauten bezeichnen schräg gegenüber der Alten Nazarethkirche den administrativen Mittelpunkt des Stadtbezirks.


(1) Blunck, Erich: Berliner Bauten aus neuester Zeit. in: Deutsche Bauzeitung 65 (1931), S. 4; Rück 1931, S. 16-17; Stephan 1951, S. 77-78; Rathausanbau Berlin-Wedding. in: Bauwelt 56 (1965), S. 526; BusB III, S. 20-21, 25, 33-35, 56-57; Schimmler 1985, S. 82-83; Peters, Dietlinde: Das Rathaus Wedding Müllerstraße 146/147 - Bezirksverwaltung und politischer Neuanfang 1945. in: Geschichtslandschaft 1990, S. 392; Dehio Berlin 2000, S. 475-476.

(2) Die Jahreszahlen 1928 und 1930 verweisen auf die Bauzeit des Gebäudes.

Literatur:
  • Dehio, Berlin, 1994 / Seite 519
  • Architekturführer Berlin, 1989 / Seite 251
  • BusB III 1966 / Seite 20 ff., 33ff., 56f.
  • Deutsche Bauzeitung 65 (1931) / Seite 4
  • Bauwelt 56 (1965) 19 / Seite 526
  • Dettmer, K., Wedding, Berlin 1988 / Seite ..
  • Peters, Dietlinde/ Das Rathaus Wedding in
    Geschichtslandschaft, Wedding, 1990 / Seite 392-414
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 177f.