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Paul-Gerhardt-Stift

Obj.-Dok.-Nr.: 09030304,T
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Müllerstraße
Hausnummer: 56 & 57 & 57A
Strasse: Barfusstraße
Hausnummer: 6
Strasse: Edinburger Straße
Hausnummer: 31 & 33 & 35
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Heim & Krankenhaus & Kapelle & Isolierstation
Entwurf: 1886-1887 & 1897-1898
Entwurf: Schwartzkopff, Ernst & Theising, Heinrich (Architekt)
Bauherr: Kuratorium des Paul-Gerhardt-Stifts

Um die soziale Not in der Großstadt zu lindern, entstanden im 19. Jahrhundert private Stiftungen, die sich der Armen- und Krankenpflege widmeten. Dazu gehört auch das Paul-Gerhardt-Stift, das 1876 von Pfarrer Carl Schlegel gegründet wurde. (1) Die Diakonissenanstalt, benannt nach Paul Gerhardt, dem wortmächtigen evangelischen Liederdichter des 17. Jahrhunderts, bildete Krankenschwestern aus. Die Diakonissen - 1918 waren es 432 Schwestern - arbeiteten im eigenen Krankenhaus, sie betreuten mehr als vierzig Kindergärten, betrieben Krankenstationen in ganz Berlin und unterstützen als Gemeindeschwestern die Kirchengemeinden. An der Müllerstraße, weit außerhalb der Innenstadt, erwarb das Paul-Gerhard-Stift einen Geländestreifen, der nach mehreren Erweiterungen die Grundstücke Müllerstraße 56-57 A, Barfusstraße 6 und Edinburger Straße 35 umfasst. Das Hauptgebäude, verkleidet mit roten Backsteinen, wurde 1886-87 von Ernst Schwartzkopff und Heinrich Theising errichtet und 1888 eingeweiht. Es besteht aus dem Diakonissen-Mutterhaus, zwei Seitenflügeln und dem Krankenhaustrakt, die einen beschaulichen Innenhof umschließen. (2) Zur Müllerstraße wendet sich eine symmetrisch angelegte Backsteinfassade mit schiefergedecktem Dach, die zurückhaltend gegliedert ist, aber dennoch repräsentativ wirkt. Betritt man den Eingang in der Mittelachse, dann gelangt man durch den Vorraum in die Kapelle des Stifts, die in den Innenhof hineinragt. Über dem neugotischen Kirchensaal spannt sich ein Kreuzgratgewölbe, das auf zierlichen Säulen, getragen von Konsolen, ruht. Die farbigen Glasfenster, ausgeführt 1991, schuf Erica Feist nach einem Entwurf von D. Graw. Das Mutterhaus beherbergt Wohn- und Verwaltungsräume und Unterkünfte der Diakonissen. Im Hauptgeschoss liegt der holzgetäfelte Festsaal, der mit 1912-13 ausgeführten Gemälden der Malerin Christa Weiß geschmückt ist. Im Speisesaal steht eine überlebensgroße Statue von Paul Gerhardt. Friedrich Pfannschmidt modellierte die Gipsfigur 1907 als Vorlage für das bronzene Paul-Gerhard-Denkmal in Lübben (Niederlausitz). Das Mutterhaus wurde 1897-98 erweitert. Ernst Schwartzkopff und Heinrich Theising fügten einen neugotischen Wohntrakt an, der sich dem älteren Bauwerk anpasst, aber mit Giebel und Standerker, farbigen Mosaikflächen und einer Durchfahrt viel lebhafter wirkt. (3)

Die ein- bis zweistöckigen Backsteingebäude im begrünten Hofgelände des Paul-Gerhardt-Stifts, erbaut zwischen 1889 und 1905, beherbergten früher die Abteilungen des Krankenhauses. (4) Dazu gehört die Poliklinik nahe der Einfahrt, verziert mit einem geschwungenen Giebel, die Isolierstation und das Krüppelheim, in dem die Diakonissen behinderte Menschen pflegten. Neben dem Kesselhaus befindet sich das Gebäude der Pathologie. Das Hofgelände wird vom 1927-28 erbauten Feierabendheim begrenzt, das sich mit einer sachlichen, klar gegliederten Fassade der Edinburger Straße zuwendet. Architekt Otto Rüger betonte den Mitteltrakt mit vertikalen Wandvorlagen aus keramischem Material, Ornamenten und einer expressiv gestalteten Inschrift. Das Gebäude wurde 1950-54 umgebaut und 2001-02 durch ein neues Wohnstift ergänzt. Das Paul-Gerhardt-Stift musste den Krankenhausbetrieb 1987 einstellen. In den Hofgebäuden ist heute ein Ärztezentrum untergebracht.


(1) Schlegel, Carl: Denkschrift zur Einweihung des Diakonissen-Mutterhaus Paul-Gerhardt-Stift in Berlin. Berlin 1888; Das Paul Gerhardt-Stift unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Auguste Victoria. Ein Diakonissen-Haus für und in Berlin nebst dem dazu gehörigen Krankenhaus. Ein Bericht über seine Entwicklung und sein Wachstum. Hrsg. v. Carl Schlegel. Berlin 1898; Gottwald 1924, S. 125-127; 50 Jahre Diakonissenmutterhaus Paul-Gerhardt-Stift Berlin 1876-1926. [Berlin 1926]; Diakonissen-Mutterhaus Paul-Gerhardt-Stift 1876/1951. [Innentitel: Denkschrift zum 75. Jahresfest des Diakonissen-Mutterhaus Paul Gerhardt-Stift in Berlin Müllerstraße 56/58 am 7. Juni 1951.] Hrsg. v. Hermann Wagner. Berlin 1951; Brandenburg 1974, S. 85; Stürzbecher 1984, S. 307; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 85-86; Schimmler 1985, S. 83; Dettmer 1988, S. 55.

(2) BusB 1896, Bd. 2, S. 441; BusB VII A, S. 192.

(3) In der Durchfahrt ist ein Mosaik angebracht, auf dem zu lesen ist: "Erbaut Anno Domini 1897-98".

(4) Es handelt sich um folgende Gebäude: Krankenhausflügel neben dem linken Seitenflügel des Hauptgebäudes, erbaut 1896-97 von Ernst Schwartzkopff und Heinrich Theising, Poliklinik und orthopädisches Institut, 1904-05 von Heinrich Theising, Isolierstation, 1892-93 von Ernst Schwartkopff und Heinrich Theising, erweitert 1898-99, aufgestockt 1908, Leichenhalle und Pathologie, 1889 von Ernst Schwartzkopff und Heinrich Theising, erweitert 1898-99; Kesselhaus, 1897-98 von Heinrich Theising, erweitert 1898.

Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 224
Teilobjekt Krankenhaus Müllerstraße 56 & 57 & 57A
Teil-Nr.: 09030304,T,001
Sachbegriff: Krankenhaus
Strasse: Müllerstraße
Hausnummer: 56 & 57 & 57A
Entwurf: 1896
Datierung: 1886-1887 & 1897-1898
Entwurf: Schwartzkopff, Ernst (Architekt)
Entwurf: Theising, Heinrich (Baumeister)
Ausführung: Stüwe und Pullich (Maurermeister)
Literatur:
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 224
Teilobjekt Feierabendheim
Teil-Nr.: 09030304,T,002
Sachbegriff: Heim
Strasse: Edinburger Straße
Hausnummer: 35
Datierung: 1927-1928
Umbau: 1954
Entwurf: Rüger, Otto (Architekt)
Entwurf: Schluckebier, Hermann
Ausführung: Altebauag, AG für Bauausführungen (Baugeschäft)