denkmal  

 

Liste, Karte, Datenbank - Denkmaldatenbank

Schillerhof-Siedlung

Obj.-Dok.-Nr.: 09030282
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Wedding
Strasse: Aroser Allee
Hausnummer: 29 & 30 & 32 & 34 & 36 & 38 & 39 & 40 & 41 & 42 & 43 & 44 & 45 & 46 & 47 & 48 & 49 & 50 & 51 & 52 & 53 & 54 & 55 & 56 & 57 & 59
Strasse: Barfusstraße
Hausnummer: 35 & 36
Strasse: Holländerstraße
Hausnummer: 95 & 96 & 97 & 98 & 99 & 100 & 101 & 102 & 103
Strasse: Schillerhof
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10
Strasse: Winkelriedstraße
Hausnummer: 1 & 2 & 3 & 4 & 5 & 6 & 7 & 8 & 9 & 10 & 11
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Wohnanlage & Siedlung
Datierung: 1925-1927
Umbau: 1951-1957
Entwurf: Glas, Erich (Architekt)
Bauherr: DeGeWo (Baugesellschaft)

Die Barfusstraße mündet in die Aroser Allee, eine breite Hauptstraße mit begrünten Mittelstreifen ,(1) die unvermittelt an der einstigen Stadtgrenze Berlins beginnt. Auf dem umliegenden Gelände, das bis 1938 zu Reinickendorf gehörte, ließ die Deutsche Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaus (DeGeWo) 1925-27 die Siedlung Schillerhof errichten, die ein anschauliches Beispiel für die sozialen Leistungen des Wohnugsbaus der Weimarer Republik darstellt. (2) Um die Mieten niedrig zu halten, galt es, die Wohnanlage an Aroser Allee 29-30, 32/36, 38-57, 59, Barfusstraße 35-36, Holländerstraße 95-103, Winkelriedstraße 1-11 und Schillerhof 1-10 möglichst kostengünstig zu bauen. Architekt Erich Glas entwarf daher einfache, typisierte Grundrisse. Die 422 Wohnungen umfassen jeweils ein bis zwei Zimmer mit Kammer, Küche, Bad und Balkon oder Loggia. Die städtebauliche Planung basiert auf Gedanken der Wohnreform vor dem Ersten Weltkrieg. Die viergeschossigen Wohngebäude sind am Blockrand angeordnet. Es gibt keine Hintergebäude, dafür aber große begrünte Höfe. Die Blockinnenfläche östlich der Aroser Allee ist durch eine schmale Privatstraße unterteilt. Die beiden dreigeschossigen Hauszeilen links und rechts des Verbindungswegs begrenzen den durch eine Durchfahrt erreichbaren beschaulichen Schillerhof. Der Bodenaushub der Siedlung wurde in den weiträumigen Gartenhöfen angeschüttet. Die Grünflächen sind dadurch gegenüber den einfassenden Wohngebäuden terrassenartig erhöht. Die tratitionelle Architektur des Schillerhofs mit ziegelgedeckten Dächern, Giebeln und Fensterläden vermittelt ein heimatliches Bild. Erich Glas entwarf einfache Putzfassaden mit kräftig gerahmten Fenstern und reich verzierten Hauseingängen. Die Siedlung wird durch einen effektvoll angeordneten Torbau gegenüber der einmündenden Barfusstraße eröffnet, der etwas zurückspringt. Ein Dreiecksgiebel über dem mittleren Wandabschnitt markiert die Durchfahrt zum Schillerhof. (3) Die eigenwillige Farbgebung wurde in der Nachkriegszeit beseitigt. (4) Der Mitteltrakt war durch schmale graue und weiße Streifen sowie dunkelrote Fensterfaschen hervorgehoben. Um die Bindung der Bewohner an die Siedlung zu verstärken, erhielt jeder Hauseingang individuellen Bauschmuck. An der Aroser Allee sind Tieren, Blumen oder spielenden Kinder im Relief zu sehen. An der Winkelriedstraße wurden abwechselnd Reliefs unter einem Segmentbogen und rechteckige Bildfelder angebracht.


(1) Die Aroser Allee, ehemals Schillerpromenade, wurde 1908 angelegt. Sie erschließt ein großes Wohngebiet in Reinickendorf, siehe Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Berlin. Bezirk Reinickendorf, Ortsteil Reinickendorf. Berlin 1988, S. 68-70, 167.

(2) Eine neue Wohnstadt im Norden Berlins. in: Bauwelt 18 (1927), Heft 9, Beilage, S. 9-11; Blunck, Erich: Baugruppe Schillerpromenade der DeGeWo, Berlin. in: Deutsche Bauzeitung 62 (1928), Beilage Moderner Wohnungsbau, S. 33-41; Schmidt, Friedrich und Ebel, Martin: Wohnungsbau der Nachkriegszeit in Deutschland. Berlin 1929, S. 129, 131, 209; BusB IV A, S. 270-271; BusB IV B, S. 371-372; Schwarz 1984, Bd. 3, S. 141-142; Dettmer 1988, S. 113.

(3) Auf einem Inschriftenfeld steht "Schiller- / Hof" sowie "1925-26". Im Giebelfeld, das heute verändert ist, waren ursprünglich links und rechts eines Rundfensters zwei Engel im Relief angebracht.

(4) Die Straßenfronten waren in einem gelben Ockerton gehalten, die Gesimse rot und die Fensterfaschen weiß abgesetzt. Das Eckgebäude Barfusstraße 35 war auffallend gestaltet. Dunkle Streifen wechselten mit hellen Streifen, die nochmals durch schwarze Dreiecke dekoriert waren.

Literatur:
  • Deutsche Bauzeitung 62 (1928) / Seite 33-41
  • Bauwelt 18 (1927) 9 / Seite 9ff.
  • Schmidt, Ebel/ Wohnungsbau der Nachkriegszeit, 1929 / Seite 129, 131, 209
  • BusB IV A 1970 / Seite 270-271
  • Topographie Mitte/Wedding, 2004 / Seite 240