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Gut Marienfelde

Obj.-Dok.-Nr.: 09030127
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Marienfelde
Strasse: Alt-Marienfelde
Hausnummer: 17 & 19 & 21
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Gutshaus & Inspektorenhaus & Wirtschaftsgebäude
Datierung: 1859 & 1889
Entwurf: Hornitz, Julius (Architekt)

Das Gut Marienfelde, Alt-Marienfelde 17/21, wurde um 1830 im südöstlichen Bereich der Dorfaue angelegt. (1) Der Geheime Finanzrat Goetschke aus Berlin hatte zwischen 1811 und 1821 fünf Bauernhöfe und ein Kossätengrundstück aufgekauft und zu einem großen Wirtschaftshof zusammengeschlossen. Das durch häufige Besitzerwechsel heruntergewirtschaftete Gut gelangte 1844 in den Besitz von Adolf Kiepert, der in Marienfelde einen modernen Landwirtschaftsbetrieb aufbaute. 1929 wurde das Gut von der Stadt Berlin übernommen, die es bis in die 1970er Jahre bewirtschaftete. 1977 übernahm das Bundesgesundheitsamt den Gutshof. Aus dem bundeseigenen Institut für Veterinärmedizin ist das Institut für Risikobewertung hervorgegangen.

Das klassizistische Herrenhaus setzt sich aus mehreren Gebäudeteilen zusammen. Der Gutsbesitzer Emil von Scheel ließ am Dorfanger 1832 ein einstöckiges, massives Gebäude mit Keller und Satteldach errichten, das den Kern des heutigen Gutshauses darstellt. In der Größe unterschied es sich nur wenig von den damals üblichen Bauernhäusern. Durch verschiedene Umbauten entstand aus dem einstöckigen Gutshaus eine mehrteilige repräsentative Anlage, die den Wohlstand und gesellschaftlichen Anspruch des Gutsherrn zum Ausdruck bringt. An den Ostgiebel wurde nach 1832 eine Terrasse mit Pergola angesetzt. Die Freitreppe, die zum Gutspark führt, legt sich um einen polygonal ausgebildeten Erker. Das Erscheinungsbild änderte sich durch den tief greifenden Umbau, den der Potsdamer Maurermeister Julius Hornitz 1859 für Adolf Kiepert ausführte. An das alte Gutshaus wurde ein zweistöckiger, zum Dorfanger ausgerichteter Anbau mit Flachdach angefügt, der im Erdgeschoss einen großen Saal enthielt, außerdem baute man einen dreigeschossigen Turm und einen polygonal gebrochenen Erkeranbau, der zwischen dem Saal und dem einstöckigen älteren Gebäudeteil vermittelt. An der Westseite wurde zwischen 1859 und 1871 ein Wintergarten mit großen Rundbogenfenstern errichtet, der die Ecke zwischen Turm und Saalanbau ausfüllt. Das Herrenhaus verrät den Einfluss der klassizistischen Bauten von Ludwig Persius in Potsdam-Sanssouci. Der italienische Villenstil entsprach den zeitgenössischen Vorstellungen von einem herrschaftlichen Wohnsitz auf dem Land. Das Gebäude kann von der Hofseite betreten werden. Ein überdachter Vorbau mit Freitreppe weist auf den Eingang hin. Im Erdgeschoss ist die Raumaufteilung unverändert erhalten, im Obergeschoss wurde der Zuschnitt der Räume bei zahlreichen Umbauten verändert. Der Turm diente als Belvedere. Über dem Dach befindet sich eine Aussichtsplattform. Das Gutshaus wurde 1982-84 detailgetreu restauriert.

Neben dem Gutshaus steht das 1889 errichtete Inspektorenhaus, das im Keller die Waschküche, den Backofen und eine Gesindestube aufnahm und im Erdgeschoss die Verwaltung des Gutshofs beherbergte. Mit der klassizistischen Putzfassade und den profilierten Fenstereinfassungen wurde das eingeschossige, traufenständige Gebäude dem Baustil des Gutshauses angeglichen. Der leicht hervortretende Mittelrisalit ist mit einem Dreiecksgiebel betont. Die Einfahrt zum Gutshof unterstreicht den herrschaftlichen Charakter der Anlage. Die Backsteinmauer trägt einen schmiedeeisernen Zaun, die Pfeiler links und rechts der Einfahrt sind mit preußischen Adlern geschmückt.

Der weiträumige Hof wird von zweigeschossigen Wirtschaftsgebäuden, Ställen und Scheunen umschlossen. Der Stall an der östlichen Hofseite entstand 1898. Die Wandflächen aus gelbem Backstein sind durch Lisenen und Gesimse aus roten Ziegeln gegliedert. Die übrigen Ställe wurden in den 1980er Jahren in angleichendem Stil ergänzt.


(1) Tempelhof und seine Dorfauen 1987, S. 54; Rach 1988, S. 217-218; Tempelhof - Bauten, Straßen, Plätze 1992, S. 16-17; Dehio Berlin 2000, S. 420-421.

Literatur:
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 27f.