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Mälzerei der Schloßbrauerei Schöneberg

Obj.-Dok.-Nr.: 09030117
Bezirk: Tempelhof-Schöneberg
Ortsteil: Lichtenrade
Strasse: Steinstraße
Hausnummer: 41
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Mälzerei
Datierung: 1898
Entwurf: Walther, Wilhelm
Bauherr: Schloßbrauerei Schöneberg AG

Das 1898 von Wilhelm Walther neben dem Bahnhof erbaute Mälzereigebäude der Schloßbrauerei Schöneberg, Steinstraße 41, überragt die gesamte Bebauung an der Bahnhofstraße. (1) Das imposante Bauwerk, das an hanseatische Speicher- und Kontorhäuser erinnert, dokumentiert die hochstehende Industriebaukunst der Jahrhundertwende und die Weiterentwicklung der Brauereitechnik. Die 1867 gegründete Actien-Gesellschaft Schloßbrauerei Schöneberg hatte den Standort in Lichtenrade ausgewählt, um die störenden Gerüche der Mälzerei aus dem dicht besiedelten Stadtgebiet von Schöneberg herauszuhalten. Außerdem vereinfachte der Eisenbahnanschluss die Anlieferung der Gerste. Wilhelm Walther, der sich in Berlin durch Geschäftsbauten einen Namen gemacht hatte, entwarf ein wuchtiges Backsteingebäude, das mit gliedernden Putzflächen und Wappenfeldern, den hohen geschweiften Giebeln, den Giebeleinfassungen aus Sandstein und einem schiefergedeckten Dach der norddeutschen Renaissance nachempfunden ist. (2) Die Backsteinflächen sind mit kunstvoll geschmiedeten Mauerankern verziert, während am westlichen Kopfbau das reich gestaltete Signet der Schloßbrauerei Schöneberg zu sehen ist. Hinter der historisierenden Architektur war eine fortschrittliche technische Ausstattung untergebracht, denn die Mälz- und Darranlagen waren nach neuesten Erkenntnissen konstruiert: Das von Nikolaus Galland entwickelte pneumatische Mälzverfahren löste den herkömmlichen Keimungsprozess ab. Die Gerste wurde gereinigt, gewogen, mit Elevatoren zu den Lagerböden gebracht und dann den Quellbottichen zugeleitet. Der pneumatische Keimvorgang vollzog sich in großen Trommeln, die sich im Erdgeschoss drehten, wobei Kompressionsmaschinen feuchte Luft über die Gerste leiteten. Der westliche Kopfbau, der mit einem quer gestellten Walmdach und zwei mächtigen Dunstschloten auf sich aufmerksam macht, enthielt die riesige Darranlage, die sich durch alle Geschosse hindurchzog. Dort wurde das Malz geröstet. Mit dem modernen Verfahren konnten jährlich etwa 3.000 t Malz erzeugt werden. Die Mälzerei ist nicht mehr in Betrieb und wird heute als Lager genutzt.


(1) Hirschfeld, Paul: Berlins Großindustrie, Band 2, Berlin 1899, S. 336-337; Kornik, W.: Das Mälzerei-Gebäude der Aktiengesellschaft Schloßbrauerei Schöneberg zu Lichtenrade bei Berlin, in: Neudeutsche Bauzeitung 6 (1910), S. 606-611; Hildebrandt/Lemburg/Wewel 1988, S. 96; Dehio Berlin 2000, S. 417; Tempelhof und seine Industrie 2000, S. 15.

(2) Von Wilhelm Walther stammen unter anderem das 1970 abgerissene Restaurant "Alt-Bayern" in der Potsdamer Straße, die Victoria-Versicherung in der Alten Jakobstraße (1902-04) und in der Lindenstraße (1906-13) sowie das Postamt Steglitz (1907-09).

Literatur:
  • Postier, W., Lichtenrade, Berlin 1983 / Seite 12-14, 66
  • Topographie Tempelhof, 2007 / Seite 231
  • Wille, 1985 / Seite 134
  • Rach, Dörfer, 1988 / Seite 179, 181
  • Neudeutsche Bauzeitung 6 (1910) / Seite 605-611