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Pergamonmuseum & Vorhof

Obj.-Dok.-Nr.: 09030056
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Bodestraße
Hausnummer: 1 & 2 & 3
Strasse: Am Kupfergraben
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Museum
Entwurf: 1907-1909
Baubeginn: 1910
Fertigstellung: 1930
Umbau: 1949-1959
Umbau: 1980
Entwurf: Messel, Alfred & Müller, Georg & May, Edmund (Architekt)
Entwurf & Ausführung: Hoffmann, Ludwig & Wille, Wilhelm & Bestelmeyer, German (Architekt)
Bauherr: Wilhelm II. (Kaiser)

Die südlich des Bodemuseums liegende und von diesem durch die Stadtbahntrasse getrennte Dreiflügelanlage des Pergamonmuseums, Am Kupfergraben, stellt das letzte Glied in der Kette der Museumsbauten auf der Insel dar. Mit seiner strengen, archaisierenden Architektur ist das Pergamonmuseum der glanzvolle Schlusspunkt einer nicht immer gradlinig verlaufenen, letztlich jedoch folgerichtigen baulichen Entwicklung auf der Insel, die zu einem der eindrucksvollsten Museumskomplexe der Welt geführt hat.

Die Konzeption des neuen Museumsbaus für antike, vorderasiatische und deutsche Kunst als einer zum Kupfergraben offenen dreiseitigen Anlage entwickelte der Architekt Alfred Messel 1907. Er starb 1909, ehe er seine Pläne durcharbeiten konnte. Sein Freund, Stadtbaurat Ludwig Hoffmann, führte die Planungen fort. Die lange Bauzeit von 1910 bis 1930 erklärt sich aus erheblichen Gründungsproblemen des Baues, den Auseinandersetzungen zwischen Wilhelm von Bode und Ludwig Hoffmann über die bauliche Konzeption und Verzögerungen wegen des einsetzenden Ersten Weltkriegs. Das Pergamonmuseum war auch nach der Eröffnung nicht in der vorgesehenen Form fertig gestellt. (1) Ein tempelartiger Eingangsvorbau am Mittelflügel und eine Pergola am Kupfergraben kamen nicht zur Ausführung. Erst 1980-82 erhielt der Mittelflügel einen modernen Eingangspavillon. Eine 1978-79 errichtete breite Stahlbetonbrücke mit Treppe ersetzte die provisorische Stahlbrücke von 1933.

Ebenso wie das benachbarte Bodemuseum steigt das Pergamonmuseum unmittelbar aus der Spree empor. Die Verkleidung der Schauseiten mit Muschelkalk geht auf die angleichenden Vorstellungen des Kaisers zurück. Messels Absicht war es, das Pergamonmuseum der Kubatur des Bodemuseums anzunähern. Dennoch schlug er unverkennbar neue Töne im Vergleich mit dem Wilhelminischen Barock des Bodemuseums an: Mit blockartigen Umrissen des fensterlosen Mittelflügels, den im Obergeschoss ebenfalls fensterlosen, durch flache Kolossalpilaster gegliederten Flügelbauten mit kantigen Aufsätzen und steilen Giebeln sowie mit archaisch wirkenden Details wie dorischen Halbsäulen, treppenartigem Mittelaufsatz und seitlichen Podesten des Mittelflügels knüpfte Messel an die Architektur um 1800 von Gilly und Langhans an. Dies geschah mit einem eigenen künstlerischen Ausdruck, bei dem eine ernste Strenge seiner Architektur ein modern wirkendes Profil gibt.

Die äußere Monumentalität des Gebäudes korrespondiert mit seinem Inhalt: Der Mittelflügel enthält gebäudehohe Säle, welche den Pergamonaltar und das Markttor von Milet sowie Teile von antiken Tempelfronten beherbergen. Mit Ausnahme der Räume für das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße im Südflügel wurden die Flügelbauten für die Aufnahme romanischer und gotischer Kunst, der Skulpturengalerie und der islamischen Kunst weitgehend mehrgeschossig angelegt. Messel hatte nach den Wünschen Bodes im Innern ähnlich wie beim Bodemuseum "Epochenräume" vorgesehen. Im "Museumsstreit" setzte Hoffmann jedoch deren Änderung zu Gunsten moderner Museumsräume durch. Die Änderungen, die Hoffmann am Äußeren vornahm, wirken eher konventionell und entschärfend. Am deutlichsten fällt die Erhöhung der Traufe, die Abflachung der Giebel und die Einfügung eines Metopen- und Triglyphen-Frieses ins Auge. Trotz solcher Glättungen ist dem Bau die straffe und blockhafte Modernität, die Messels letztes Werk auszeichnete, im Wesentlichen erhalten geblieben.


(1) 1930 Eröffnung des Pergamonmuseums, 1932 Eröffnung des Islamischen Museums, 1934 Fertigstellung der Vorderasiatischen Abteilung.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 124
  • Güttler/ Zeitschriften-Bibliographie, 1986 / Seite S.270
  • BusB V A 1983 / Seite 1, 23ff, 58
  • Bode, Wilhelm von, Alfred Messels Pläne für die Königlichen Museen zu Berlin, Berlin 1910 / Seite ..
  • Bode, Wilhelm von, Mein Leben, Bd. 2, Berlin 1930 / Seite 190ff.
  • Petras, Museumsinsel, 1987 / Seite 137ff, 151ff, 180 ff., 221 ff.
  • Posener, Berlin auf dem Wege, 1979 / Seite 82, 84
  • Die Museumsinsel in Berlin, 1978 / Seite 38ff.
  • Scherer, Valentin, Deutsche Museen, Jena 1913 / Seite 254ff.
  • Baugewerks-Zeitung 44 (1912) / Seite 934f.
  • Bauwelt 1 (1910) 5 / Seite 15ff.
  • Bauwelt 3 (1912) 33 / Seite 12
  • Bauwelt 3 (1912) 52 / Seite 12f.
  • Bauwelt 19 (1928) / Seite 1180
  • Deutsche Bauzeitung 44 (1910) / Seite 205 ff, 217 f, 221,
  • Deutsche Bauzeitung 46 (1912) / Seite 738 ff.
  • Deutsche Bauzeitung 58 (1924) / Seite 226ff.
  • Deutsche Bauzeitung 59 (1925) / Seite 716
  • Deutsche Bauzeitung 64 (1930) / Seite 693
  • Neudeutsche Bauzeitung 8 (1912) / Seite 778f.
  • Belvedere (1930) 2. Halbjahr / Seite 127ff.
  • Die Form 5 (1930) / Seite 599 ff.
  • Jahrbuch der Königlich-Preußischen Kunstsammlungen (1910) 2 / Seite .
  • Jahrbuch der Königlich-Preußischen Kunstsammlungen (1930) / Seite 194ff., 202f.
  • Deutsche Kunst 21 (1910) / Seite 366ff.
  • Kunst und Künstler 8 (1910) / Seite 366 ff.
  • Der Kunstwanderer (1925/26) / Seite 355f.
  • Wasmuths Monatshefte für Baukunst 14 (1930) / Seite 99
  • Zeitschrift für bildende Kunst (1930/31) / Seite 113 ff.
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 30 (1910) / Seite 198ff.
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 46 (1926) / Seite 189ff, 199f.
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 49 (1929) / Seite 326
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 50 (1930) / Seite 711
  • Zentralblatt der Bauverwaltung 54 (1934) / Seite 292
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 242 f.