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Städtische Gasanstalt Oberspree

Obj.-Dok.-Nr.: 09020128,T
Bezirk: Treptow-Köpenick
Ortsteil: Oberschöneweide
Strasse: Wilhelminenhofstraße
Hausnummer: 88 & 89
Denkmalart: Gesamtanlage
Sachbegriff: Gaswerk
Bauherr: Gasanstalt Oberspree

Oberschöneweide war ein wichtiger Standort der Berliner Gasversorgung. Die 1898 gegründete Gasanstalt Oberspree an der Wilhelminenhofstraße 88-89 lieferte Stadtgas nach Ober- und Niederschöneweide, Johannisthal, Adlershof, Karlshorst und Friedrichsfelde. (1) Die Imperial Continental Gas Association richtete das Gaswerk an der Oberspree ein, nicht weit vom ersten deutschen Drehstromkraftwerk, weil der elektrische Strom für die überwiegende Mehrheit der Einwohner zu teuer war. Die Arbeiter nutzten vielmehr das billige Stadtgas, um zu kochen und die Wohnungen zu beleuchten. Die Gasanstalt wurde auf dem Wasserweg mit Kohle beliefert. Im Retortenhaus verbrannte Kohle zu Koks. Dabei wurde Rohgas freigesetzt, das in verschiedenen Reinigungsstufen von Teer, Wasserdampf und Ammoniak befreit werden musste. Das Werk verfügte über drei Teleskopgasbehälter, die mit ihrer filigranen Eisenkonstruktion die Häuser an der Wilhelminenhofstraße überragten. Die Erzeugung von Stadtgas wurde 1927 eingestellt. Der hintere Teil des Geländes ging an die Allgemeinen Deutschen Metallwerke Oberschöneweide (ADMOS), die hier hochwertige Metalllegierungen herstellten. Der große Gasbehälter an der Wilhelminenhofstraße war hingegen noch bis 1974 in Betrieb. Das Eisengerüst wurde erst 1993 abgetragen. Die noch erhaltenen Bauten, die alle aus rotem Backstein bestehen, sind heute in das Freizeit- und Gewerbezentrum "Spreehöfe" integriert.


1) Bestandsaufnahme Berlin-Oberschöneweide. Bd. II. ADMOS/GASAG. Bearbeitet vom Institut für Bauforschung und Denkmalpflege Lübeck. Lübeck 1996 [Exemplar im Landesdenkmalamt Berlin]; Bärthel 1999, S. 41-42, 47; Dehio Berlin 2000, S. 236.

Literatur:
  • Topographie Treptow-Köpenick/Nieder- und Oberschöneweide, 2003 / Seite 98-99
Teilobjekt Maschinen- und Apparatehaus
Teil-Nr.: 09020128,T,001
Sachbegriff: Maschinenhaus & Werkstatt
Datierung: 1898-1899
Umbau: 1906
Entwurf: Lehmann, Heinrich (Architekt & Maurermeister)
Entwurf: Schulz und Schlichting (Architekt)

Am westlichen Rand des Grundstücks errichtete die Gasanstalt 1898-99 ein Maschinen- und Apparatehaus. Der eingeschossige Trakt wurde 1906 von Heinrich Lehmann verlängert und um ein Geschoß aufgestockt. Im Vergleich zur Hochdruckanlage ist das Gebäude sehr schlicht gehalten. In die Baugruppe ist ein Wasserturm eingebunden. Pfeilervorlagen gliedern den aufstrebenden Unterbau, während mehrfach abgestufte Konsolen zu einem auskragenden Turmgeschoss überleiten. Eisenfachwerk, ausgemauert mit roten Backsteinen, umhüllt den Wasserbehälter. Das Gebäude besaß mehrere Funktionen. Im Reinigerraum durchlief das Rohgas mehrere chemische Reinigungsstufen. Andere Raumeinheiten wurden als Maschinenhaus, Werkstatt, Schmiede und Speisesaal genutzt.

Teilobjekt Hochdruckanlage
Teil-Nr.: 09020128,T,002
Sachbegriff: Industriegebäude
Datierung: 1906
Entwurf: Lehmann, Heinrich (Architekt & Maurermeister)

An der Wilhelminenhofstraße steht die Hochdruckanlage. Das eingeschossige Bauwerk, errichtet 1906, war mit Maschinen ausgestattet, die den Druck des Leitungsnetzes regulierten. Die neuzeitliche Technik wurde hinter einer historisierenden Hülle verborgen. Baumeister Heinrich Lehmann nahm sich die märkische Backsteingotik zum Vorbild. Nach Osten wendet sich ein imposanter Giebel, der von gestaffelten Blendbogenfriesen eingefasst wird. Die Eckpfeiler laufen in kleinen Türmen aus, während der vorgezogene Mittelrisalit mit einem gestuften Aufsatz versehen ist. Die dachartigen Zinnen und die hell verputzten Wappenfelder im Giebel verweisen auf eine mittelalterliche Welt.

Teilobjekt Lager- und Sozialgebäude
Teil-Nr.: 09020128,T,003
Sachbegriff: Lagergebäude & Sozialgebäude
Datierung: 1941
Entwurf: Neiss, Paul Fr.

Am Spreeufer schließt sich das 1941 errichtete Lager- und Sozialgebäude an, das betont schlicht gehalten ist. Allerdings wird die kubische Baumasse durch einen verglasten Anbau, angefügt 1997, aufgebrochen. Nach Westen folgt ein herausgehobener Baublock, der bereits auf dem Grundstück Wilhelminenhofstraße 89 a liegt. Die monumentale Front, versehen mit Hauptgesims und Attika, ist auf den Fluss ausgerichtet. Hochrechteckige Fensterbahnen belichten einen Hallenraum, der als Gießerei und Werkstatt genutzt wurde.

Teilobjekt Retortenhaus
Teil-Nr.: 09020128,T,004
Sachbegriff: Retortenhaus
Datierung: 1898-1899
Umbau: 1921
Umbau: 1941
Entwurf: Schulz und Schlichting (Architektensozietät)
Teilobjekt Kesselhaus
Teil-Nr.: 09020128,T,005
Sachbegriff: Kesselhaus
Datierung: 1905
Umbau: 1920
Entwurf: Karchow, Paul (Architekt)
Ausführung: Schüller, H.