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Staatsratsgebäude

Obj.-Dok.-Nr.: 09020048
Bezirk: Mitte
Ortsteil: Mitte
Strasse: Schloßplatz
Hausnummer: 1
Strasse: Breite Straße
Hausnummer: 1
Denkmalart: Baudenkmal
Sachbegriff: Regierungsbau
Datierung: 1962-1964
Entwurf: Korn, Roland & Bogatzky, Hans-Erich (Architekt)
Entwurf: Pätzmann, Klaus (Architekt)
Bauherr: Staatsrat der DDR

Das gesamte Areal zwischen Breite Straße und Spree sowie zwischen Neumanns-/ Sperlingsgasse und Schlossplatz nimmt das ehemalige Staatsratsgebäude, Schlossplatz 1, mit Kanzleiflügel und rückwärtiger Gartenanlage ein. Nach dem Tod des ersten Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, war 1960 ein Staatsrat als kollektives Staatsoberhaupt eingesetzt worden. Der Amtssitz für das höchste staatliche Gremium der DDR, 1962-64 vom Architektenkollektiv Roland Korn und Hans-Erich Bogatzky errichtet, war der erste Neubau eines Regierungsgebäudes im Zentrum Berlins nach dem Krieg. Wohnquartiere der Köllner Altstadt und der nördliche Teil der Brüderstraße, die ursprünglich bis zum Schlossplatz verlief, wurden für den Bau vollständig entfernt. (1) Der mit Sandstein und rotem Granit verkleidete dreigeschossige Stahlskelettbau ist in seinen Proportionen und seiner inneren Aufteilung ganz auf das ehemalige Portal IV der Lustgartenseite des Berliner Stadtschlosses (1706-13 von J. F. Eosander von Göthe) ausgerichtet. (2) Das Schlossportal wurde, mehr als zehn Jahre nach dem Abriss des Schlosses, in die Front des Neubaus eingefügt, weil von seinem Balkon aus Karl Liebknecht am 9. November 1918 die Sozialistische Republik ausgerufen hatte. Die Regierung der "ersten sozialistischen Republik auf deutschem Boden" stellte sich damit als Vollenderin der Ziele der Novemberrevolution und des Lebenswerks von Karl Liebknecht dar.

Die Übernahme der Proportionen und der Geschosshöhen des Schlossrisalits am Außenbau bewirkte, dass auch das Gebäudeinnere Schlossdimensionen erhielt. Ein großzügiges Treppenhaus, weitläufige Foyers, große Säle und saalartige Funktionsräume bestimmen den Raumeindruck. Die Einrichtung ist in den Formen der 1960er Jahre bis ins Detail durchgearbeitet, das einheitliche gestalterische Konzept erstreckt sich bis auf Türklinken, Lampen, Möbel und Wandverkleidungen. Aufwändige Kunstwerke komplettieren die Einrichtung: Das Treppenhaus beherrschen monumentale, farbige Glasfenster mit Szenen "Aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung" nach Entwurf des Malers Walter Womacka. Eine geätzte Stahlwand im Sitzungssaal stammt von Fritz Kühn und der Wandfries "Das Leben in der DDR" aus Meißener Porzellan im Bankettsaal wurde nach Entwurf von Günther Brendel hergestellt. Das ehemalige Staatsratsgebäude vermittelt das Wunschbild einer DDR-Identität mit zwiespältigen Traditionsbezügen: ein Portal des Hohenzollernschlosses als "Reliquie" der Novemberrevolution ist verbunden mit idealisierten Darstellungen des Arbeiterstaates und einer modernen Architektursprache, die sich an internationalen Strömungen orientierte.


(1) Vorplanungen für das Gebäude durch das Institut für Marxismus-Leninismus von Heinz Mehlan und Harry Reichert, Fassadenentwurf für das Hauptgebäude mit dem sogenanntem Liebknechtportal vom Architekten Josef Kaiser von 1961. Das Kanzleigebäude wurde von Klaus Pätzmann entworfen.

(2) Vorbild war das 1698-1706 ausgeführte Portal V von Andreas Schlüter. - Das Portal IV wurde 1950 vor der Sprengung des Schlosses geborgen und restauriert. Alle plastischen Teile sind Originale, die Plattenverkleidung wurde erneuert. Vgl. Volk 1973, S. 129.

Literatur:
  • Bau- und Kunstdenkmale Berlin I, Berlin 1983 / Seite 89 f.
  • Volk/ Berlin - Historische Straßen und Plätze heute, 1978 / Seite 125, 129, 147, 156
  • Meuser, Philipp/ Schlossplatz 1. Vom Staatsratsgebäude zum Bundeskanzleramt, Berlin 1999 / Seite ..
  • Topographie Mitte/Mitte, 2003 / Seite 229 f.